Aachen - Ein bisschen Populismus und gebrochene Versprechen

Ein bisschen Populismus und gebrochene Versprechen

Von: gei
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Würden Sie diesem Herrn Ihre
Würden Sie diesem Herrn Ihre Zweitstimme geben? Können Sie aber nicht! Weil 33 Unterschriften fehlten, darf er nicht als Direktkandidat für „Die Partei” antreten. Wir stellen ihn trotzdem vor. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Er hätte allen Grund zerknirscht zu sein: 33 Unterschriften fehlten Frederic Jansen, um als Direktkandidat für „die Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative” - kurz „Die Partei” im Aachener Wahlkreis II ins Rennen zu gehen.

„Es hat uns etwas an Zeit gemangelt”, sagt der 29-jährige Brander, trägt das Missgeschick aber mit Fassung. „Wir freuen uns über den Erfolg in Wahlkreis I.”

Dort wird Jansen alles geben, um seinem Parteifreund und zugelassenen Direktkandidaten Dominic de Carolis zu möglichst vielen Stimmen bei der Landtagswahl am 13. Mai zu verhelfen und das tun, was alle anderen Parteien auch tun: „Ein bisschen Populismus betreiben und Versprechungen machen, die nicht eingehalten werden.”

In diesem Sinne hat die „Partei”, deren Aachener Ortsverband erst vor acht Monaten gegründet wurde, schon ein beachtliches Programm erarbeitet: Die Antonius­straße etwa müsse als Tourismusmagnet besser ausgeschildert werden. Die Innenstadt soll wieder autofreundlicher werden, weil fließender Verkehr besser für die Umwelt ist.

Der Flughafen Merzbrück soll zum International Airport ausgebaut werden - Motto: „Aachen-Paris in 45 Minuten”. Durch eine „natürliche Verbreiterung der Pau” möge Aachen Anschluss an den Binnenschiffsverkehr finden. Das Studentenproblem müsse auch städtebaulich gelöst werden - etwa durch eine neue Stadtmauer, die Aachen „nach konkreten Gesichtspunkten ins akademische und ins arbeitende Aachen” teilt.

Solche Ideen werden nicht zuletzt den Bundesvorsitzenden der „Partei”, Martin Sonneborn, erfreuen. Der ehemalige Chefredakteur des Satiremagazins „Titanic” und gerngesehene Zuträger der „heute show” im ZDF hat die „Partei” mit einigen Titanic-Kollegen im Jahr 2004 gegründet. Anfangs machten sie sich vor allem für den Wiederaufbau der Mauer stark - um ein Alleinstellungsmerkmal zu haben. In der Folge versuchten ihnen Wahlleiter die Teilnahme an Bundestags-, Landtags- und Kommunalwahlen wegen mangelnder Ernsthaftigkeit zu verweigern - was Sonneborn stets entschieden zurückwies: „Die echte Spaßpartei ist die FDP.”

So hat es die „Partei” in die Fläche geschafft und erhält nun auch Rückendeckung im äußersten Westen der Republik. Jansen, der an der FH Aachen Wirtschaftsingenieurwesen studiert, ist seit Jahren Titanic-Abonnent und fand die Idee mit der Partei „immer schon klasse”. Seit Juni vergangenen Jahres ist er Mitglied, im kurz danach gegründeten Aachener Ortsverband brachte es der einstige Piraten-Sympathisant flott zum Schatzmeister und zum „Beauftragten für Volksaufklärung und Propaganda”. Er sei kein Freund von vorgezogenen Wahlen, weil „eigentlich keine Regierung so inkompetent sein sollte”, dass sie vorzeitig hinschmeißen müsse, sagt er. Auch deshalb sei man diesmal personell „noch nicht richtig vorbereitet” gewesen.

Die Landtagswahl sieht er als ersten Meilenstein auf dem Weg zu einer großen Zukunft. „Wir streben definitiv die Teilnahme an der nächsten Kommunalwahl an, bis dahin wird unser Ortsverband auch viel größer sein.” Im nächsten Rat will man dann auch „Aachens Führungsanspruch als alte Kaiserstadt” wieder geltend machen und sich in Stellung bringen, falls Berlin eines Tages als Bundeshauptstadt ausfallen sollte.

Das Programm sei noch nicht komplett, für weitere Anregungen sei man offen. Kritische Einwände möge man jedoch an die FDP richten.
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