Aachen - Ein Aachener mit Oscar auf dem roten Teppich

Ein Aachener mit Oscar auf dem roten Teppich

Von: Lee Beck
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Seine große Leidenschaft bracht ihm jetzt sogar einen Oscar: Maschinenbauer Jan Sperling aus Aachen, hier mit dem Film-Hubschrauber Sarah 3.0, der schon bei vielen Hollywood-Produktionen eingesetzt wurde.

Aachen. Sarah 3.0 ist ein echter Filmstar, und für sie hegt Jan Sperling eine große Leidenschaft. Sie brachte ihn auf den roten Teppich. Sogar einen begehrten Academy Award – einen Oscar – gewann der 57-Jährige, der in Aachen wohnt, wegen ihr dieses Jahr im kalifornischen Beverly Hills.

Sie hat einen Rotordurchmesser von 2,20 Meter, wiegt 25 Kilo und heißt mit vollen Namen „Special Aerial Response Autonomous Helicopter“, simpel gesagt ist sie ein spezieller, ferngesteuerter Hubschrauber, der eine 5 K-Kamera eingebaut hat.

Für die „Harry Potter“-Verfilmungen hat Sarah Aufnahmen geliefert, auch Szenen aus „Prisoners“ und „Da Vinci Code“ wurden mit ihr gedreht. Das neuste Projekt, „Transformers 4“, läuft in den Kinos an. „Bei dem letzten James Bond, „Skyfall“, habe ich bei der ersten Szene, bei der die Schauspieler mit Motorrädern über die Dächer von Istanbul fahren, selbst gesteuert“, erzählt Sperling.

Vor drei Wochen hat er seinen Oscar in der Kategorie „Scientific and Engineering“ noch von Hollywood-Stars Kristen Bell und Michael B. Jordan in Hollywood in Empfang genommen. Jetzt sitzt er in einem Aachener Café und holt die sorgsam in ein Handtuch eingewickelte Statue vorsichtig aus seiner Tasche. Gold-glänzend steht sie vor ihm auf dem Tisch. „Das war ziemlich überwältigend, als der Brief mit der Ankündigung kam“, sagt er. Auch der Rest des Teams um Sarah 3.0, Emmanuel Prévinaire, Etienne Brandt und Tony Postiau, wurde geehrt.

Der technische Oscar oder „Scientific and Technical Award“ wird seit 1931 wie der berühmte künstlerische Preis von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences verliehen und zeichnet Meilensteine in der technologischen Entwicklung der Filmproduktion aus. Der technische Oscar wird immer zwei Wochen vor der großen Oscar-Show im Beverly Hills Hotel verliehen, erklärt Academy-Award-Gewinner Sperling.

„Als wir dort ankamen, haben wir als Preisträger eine rote Rose ans Revers unserer Anzüge gesteckt bekommen, und dann ging es auf den roten Teppich. Da war alles grell erleuchtet, und da standen tatsächlich total viele Journalisten hinter einer Absperrung“, berichtet der 57-Jährige immer noch beeindruckt. Dann folgten Blitzlichtgewitter und Interviews. „Im ersten Moment dachte ich, das gibt es doch nicht. Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet, und ich fragte mich immer wieder, was mache ich jetzt. So fühlt sich wohl jemand, der irgendwie wichtig ist“, schmunzelt er nachdenklich.

„Der Hubschrauber kann per GPS und Computer komplexe Aufgaben erledigen, man kann vorgeben, wo er hinfliegen soll. Im Notfall kommt er auch selbstständig zurück“, erklärt Sperling. Beim Filmdreh programmiert ein Kameramann vom Boden die Fahrten und kann von einer Kontrollstation aus alles lenken.

Die Firma „Flying – Cam“, bei der Sperling die Abteilung Hubschrauber leitet, ist Weltmarktführer in der Branche. Oft rufen Regisseure mit individuellen Vorstellungen an. „Früher waren Hubschrauber ein Hobby und eine Leidenschaft“, sagt Sperling, der in Stuttgart geboren wurde. Alles begann mit Wettbewerben für Modellhubschrauber. Durch sie entstand der Kontakt zu der belgischen Firma in der Nähe von Lüttich. Seit 2000 ist der studierte Maschinenbauer dort beschäftigt und zog für den Job in die Kaiserstadt.

Bei den Premieren der Filme ist er selbst nicht dabei. „Ich gehe dann aber in Aachen ins Kino“, sagt Sperling. Und er freut sich immer, wenn er im Abspann erwähnt wird. Durch seine Arbeit hat er schon viel von der Welt gesehen. Seine stärksten Eindrücke erlebte Sperling in Casablanca beim Dreh von „Horses of God“. „Der Film handelt von den Terroranschlägen in Casablanca im Jahr 2003 und da haben wir in den realen Slums gedreht“, erzählt er.

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