Aachen - Ehrenpreis für einen polnischen Europäer

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Ehrenpreis für einen polnischen Europäer

Von: Jan Mönch
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Einer der Preisträger: Jerzy Buzek (rechts) im Gespräch mit Integrationsminister Armin Laschet und OB Marcel Foto: Ralf Roeger

Aachen. Das Thema war die Völkerverständigung, das Publikum entsprechend international. Einen vermisste man im Krönungssaal des Rathauses gerade deswegen besonders: einen Dolmetscher. Denn die Hauptperson des Abends, Professor Jerzy Buzek, hielt seine Rede auf Polnisch - eine englische oder gar eine deutsche Übersetzung blieb aus.

Der Präsident des Europäischen Parlaments wurde am Samstag vom Polnischen Kongress mit dem Polonicus-Ehrenpreis gewürdigt. Der Polnische Kongress ist der Dachverband deutsch-polnischer Organisationen, unter anderem auch der Aachener Polregio. Seinen Preis vergibt der Kongress an Menschen, die sich um die außerhalb ihres Herkunftslandes lebenden Polen, die Polonia, verdient gemacht haben. Gestik, Mimik und Stimmlage zufolge hat Buzek den Preis gern entgegengenommen.

Trotz der Übersetzungsprobleme kam die europäische Botschaft am Samstagabend auch bei Zuhörern an, die des Polnischen nicht mächtig sind. Integrationsminister Armin Laschet (CDU) erinnerte daran, dass die Industrialisierung in Deutschland im vorvergangenen Jahrhundert auch durch die Zuwanderung aus Osteuropa geprägt wurde. Und Oberbürgermeister Marcel Philipp unterstrich die Bedeutung des „Friedensprojekts Europa”, und zwar „nicht nur auf Ebene der staatstragenden Politik, sondern von Mensch zu Mensch”.

Weitere Preisträger

Stellvertretend für seine Landsleute hielt der Botschafter Marek Prawda fest: „Wir sind keine Schwarzfahrer in der Europäischen Union, sondern können zu dieser auch etwas beitragen.” Dies soll auch mit der Vergabe des Polonicus unterstrichen werden, der nicht nur an Jerzy Buzek ging, sondern auch an die Komponistin Zofia Wislocka (in der Kategorie Kultur), an Piotr Maloszewski vom Christlichen Zentrum zur Pflege der polnischen Kultur, Tradition und Sprache (Organisationen) sowie an den Politiker und Journalisten Professor Wladyslaw Bartoszewski (Dialog) vergeben wurde.

Der heute 88-Jährige überlebte einst den Aufstand im Warschauer Ghetto und seine Gefangenschaft in Auschwitz. Dennoch setzte er sich nach dem Krieg für die deutsch-polnischen Beziehungen ein. „Ich möchte gestehen, dass ich mir manchmal die Frage stelle, ob ein Einzelner das Recht hat, eine Würdigung für etwas entgegenzunehmen, das doch die Leistung vieler ist”, gab Bartoszewski zu bedenken. „Ich wage die Behauptung, dass wir alle, Sie alle heute die Preisträger sind.”
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