Aachen - Ehefrau verrät ihren Gatten als Bankräuber

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Ehefrau verrät ihren Gatten als Bankräuber

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Nach dem, was am Mittwoch vor der 4. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht verhandelt wurde, sollte sich jeder Bankräuber besser drei Mal überlegen, ob er seiner Frau etwas von seiner Tätigkeit erzählt.

Weil sich ein Aussiedler aus Weißrussland zu Beginn dieses Jahres in Goslar von seiner Ehefrau trennte, verpetzte die aufgebrachte Frau ihren Mann bei den Behörden.

Der Gatte habe im Jahre 1998 in Aachen eine Bank überfallen, schwärzte sie ihn an, daraufhin wurde der Mann im Februar auf der Stelle festgenommen. Und es stimmte, was die Frau vorbrachte, der Angeklagte gestand alles.

Etwas mehr als 21.000 Deutsche Mark (10.500 Euro) erbeutete er damals am Kassenschalter der ehemaligen Aachener Privatbank. Direkt nach der Tat entschwand der Räuber mit Bus und Beute in die ferne Heimat, erzählte er vor Gericht.

Wegen räuberischer Erpressung verurteilte ihn die Strafkammer unter Vorsitz von Richter Wolfgang Diewald zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung.

Angesichts der doch erheblichen Beute fiel die Strafe vergleichsweise milde aus. Staatsanwältin Pascale Schlimm sprach juristisch von „einem minderschweren Fall” - nach all den Jahren und dem weiterhin unauffälligen Verhalten des Täters seien zwei Jahre auf Bewährung heute angemessen, sein volles Geständnis half ihm dabei.

Heutzutage Besitzer eines Reisebüros

Neben der zornigen Ehefrau brach dem Täter eine DNA-Spur das Genick. In Aachen habe er damals als Gelegenheitsarbeiter auf dem Bau eine Stelle gesucht, erklärte der urplötzlich zum Gelegenheitsräuber mutierte Angeklagte den erstaunten Richtern.

Bei Bekannten hier inmitten in der Stadt habe er zwei bis drei Tage wohnen dürfen, um sich eine Arbeit zu suchen. Das reichte aber nicht.

Dann habe er morgens im Fernsehen eine Story über Bankraube gesehen. Da er damals absolut verzweifelt war und weil zuhause in Weißrussland brutale Schuldeneintreiber hinter ihm her waren, habe er den Entschluss zur Tat gefasst.

Spontan funktionierte er eine Damenstrumpfhose zur Gesichtsmaske um und nahm aus dem Kinderzimmer eine Spielzeugpistole mit - und schon ging´s zum Banküberfall.

Die Strumpfhose wurde 1998 von der Polizei sichergestellt, ein DNA-Test beseitigte jetzt jeden Zweifel an der Täterschaft. Zwar plagten einen der drei Berufsrichter noch erheblich Zweifel, ob die Geschichte wirklich stimme.

Doch die Chance, nach so vielen Jahren die Wahrheit hundertprozentig ans Licht zu bringen, ist bekanntermaßen gering.

Bei seiner Verhaftung hatte der heutige Reisebürobesitzer etwa zweieinhalbtausend Euro in der Tasche - das Geld ist die erste Rate für den mit der Waffe erzwungenen Aachener Bankkredit.
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