Aachen - Egal, woher der Wind weht: Vertikal geht immer

Egal, woher der Wind weht: Vertikal geht immer

Von: Werner Breuer
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Eher Quirl als Windrad: So kö
Eher Quirl als Windrad: So könnte der Prototyp der Vertikalanlage in Grüne Eiche aussehen. Das System arbeitet unabhängig von der Windrichtung und soll kostengünstiger sein. Montage: RWTH Aachen

Aachen. Wissen, woher der Wind weht - für die Betreiber herkömmlicher Rotor-Anlagen ist das eine durchaus wichtige Frage. Doch das Institut für Aerodynamik an der RWTH Aachen arbeitet daran, sie künftig unwichtiger werden zu lassen.

Dort forscht man an einer „Vertikalwindenergieanlage”, die - unter anderem - den Vorteil hat, von der Windrichtung unabhängig zu sein. Ein Prototyp könnte bald unweit der Monschauer Straße in Grüne Eiche stehen.

Eine erste Hürde hat das Projekt schon genommen: Der Landschaftsbeirat segnete jetzt einstimmig den Bau einer Versuchsanlage am Gut Hebscheid ab. Projektleiter Markus Marnett wertet das als wichtigen Schritt, auch wenn das Votum des Landschaftsbeirats natürlich noch keine Baugenehmigung bedeutet. Aber immerhin hatte das Gremium keine Einwände gegen das Vorhaben im Landschaftsschutzgebiet.

Hier soll auf einem Betonfundament von sechs Metern Durchmesser und 1,50 Metern Tiefe eine Anlage von 31 Metern Höhe errichtet werden. Die dreht sich um eine senkrechte Achse, weshalb sie weniger an eine herkömmliche Windmühle erinnert, sondern eher an einen Quirl. Und der hat nach den Vorstellungen der TH-Aerodynamiker durchaus das Zeug dazu, die „Stromgestehungskosten” zu senken. Die Erzeugung könnte billiger werden, weil die vertikale Anlage laut Marnett entscheidende Vorteile hat: „Sie ist unabhängig von der Windrichtung”, erklärt der Projektleiter. Bei den derzeit üblichen Anlagen müssen die Rotorblätter noch in den Wind gedreht werden („nachgeführt” nennt das der Experte). „Das kostet auch Energie”, erklärt Marnett. Die kann bei der Vertikalwindenergieanlage gespart werden; für den Quirl ist es egal, woher der Wind weht.

Überhaupt soll sie weniger anspruchsvoll sein als die bisherigen Windmühlen. „Das System hat eine einfache Geometrie und ist robuster”, erklärt der Projektleiter. Es bestehe aus weniger Komponenten, die sich einfacher und billiger produzieren ließen. Und weil sich die vertikale Anlage langsamer dreht, macht sie auch weniger Lärm.

Obwohl kleinere Vertikalwindenergieanlagen wegen ihrer Unabhängigkeit von der Windrichtung auch für dichter besiedelte Gebiete interessant sein könnten, wollen die RWTH-Wissenschaftler erforschen, ob sie auch in größeren Dimensionen zu realisieren wären. „Wir untersuchen da beide Richtungen”, sagt Marnett. Und dafür brauchen sie eben den Prototypen in Grüne Eiche: „Es geht um die Frage, ob es auch im realen Betrieb klappt”, erklärt der Projektleiter.

Geklappt hat es bislang immerhin schon im Windkanal oder bei Computersimulationen. Dass Letztere heute möglich sind, erklärt auch die Renaissance der Vertikal-Idee. Ein erstes Patent habe es schon 1931 gegeben, berichtet Marnett, in den 1970er Jahren seien unter dem Eindruck der damaligen Ölkrise die Forschungen in den USA, Kanada und Großbritannien vorangetrieben worden.

Aber irgendwann ebbte das Interesse ab, wohl auch wegen des hohen technischen Aufwands der Forschungen. „Heute gibt es andere Möglichkeiten”, sagt Marnett. Die Wissenschaftler können mit wesentlich leistungsfähigeren Computern vieles schon „rechnerisch abbilden”.

Aber die Wahrheit liegt nach Fußballtrainer Otto Rehhagel bekanntlich aufm Platz. Deshalb soll nun in Grüne Eiche über fünf Jahre hinweg geprüft werden, wie das 20-Kilowatt-System arbeitet und ob der Geräuschpegel die errechneten 40 Dezibel in 50 Metern Entfernung nicht überschreitet.

Und noch etwas soll dabei herausgefunden werden, was vor allem die Naturschützer interessiert: Noch gibt es keine Erkenntnisse darüber, ob die neuartige Vertikalwindenergieanlage Vögeln Schaden zufügt. Das will die Untere Landschaftsbehörde zwei Jahre lang beobachten.
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