Aachen - Ebert sorgt sich um die Zugkraft der Stadt

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Ebert sorgt sich um die Zugkraft der Stadt

Von: Werner Czempas
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Bummel über den Weihnachtsmarkt: AN-Mitarbeiter Werner Czempas und der frühere MAC-Geschäftsführer Franz Ebert (r.). Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Vor 40 Jahren rief Franz Ebert den Märkte- und Aktionskreis City (MAC) ins Leben und startete den ersten Aachener Weihnachtsmarkt. Jetzt ist für Franz Ebert der MAC „in die Jahre gekommen“. Kaufkraft muss nach Aachen geholt und neue Kundschaft angelockt werden.

Der Weckruf des ehemaligen WDR-Intendanten Fritz Pleitgen zeigt Wirkung. Seine Mahnung an Aachen: in der Stadt einmal kräftig durchzulüften und „zu prüfen, ob die alten Muster noch stimmen“. Der frühere städtische Baudirektor Fred Quarten meldet sich mit „Visionen für Aachen“ zu Wort. Günther Knie, Geschäftsführer der Galeria Kaufhof, fordert ein „Gesamtkonzept für die City“. Zu denen, die sich um Aachens Attraktivität sorgen, gesellt sich nun auch Franz Ebert.

„Ach, ja, Franz Ebert“, werden sich die Älteren erinnern, „was macht der eigentlich?“ Für die Jüngeren: „Dreißig Jahre und vier Tage“, wie er gezählt hat, war Franz Ebert der Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Aachen (EHV). Bis 1998. „Zehn Jahre und drei Tage“, auch das hat er gezählt, war er Landtagsabgeordneter für die CDU. Bis 1985. Fünf Jahre Ratsherr, acht Jahre Schatzmeister seiner Partei. Seit 60 Jahren Mitglied und davon zwölf Jahre Verwaltungsrat der Alemannia. Aachen, das war damals überall und immer auch Franz Ebert.

Still ist es um den heute 73-Jährigen geworden, seitdem er 1998 aus dem Berufsleben schied. Vor vier Jahren starb seine Frau Evelyn. Sein großes Haus im I.-Rote-Haag-Weg hat er verkauft und sich Anfang des Jahres in die Residenz „Rosenpark“ in Laurensberg eingemietet. Dort beschleicht ihn jetzt ähnlich wie Pleitgen, Quarten und Knie ein grummelndes Unbehagen, wenn er auf die Geschehnisse in der Stadt blickt. Das zu sagen kann er sich herausnehmen, denn: Vor genau 40 Jahren, 1973, rief der Diplom-Kaufmann Franz Ebert als Geschäftsführer des Einzelhandelsverbands gemeinsam mit dem einstigen CDU-Boss Jost Pfeiffer den Märkte- und Aktionskreis City ins Leben. Ebert war der erste Geschäftsführer des MAC und blieb es bis 1998.

Das war damals etwas vollkommen Neues in Deutschland. „Der MAC war bundesweit etwas Besonderes. Wir waren die erste Stadt, wo ein Verband ein Stadtmarketing in die Hände nahm“, blickt Ebert nicht ohne Stolz zurück. Noch im selben Jahr startete der MAC den ersten Aachener Weihnachtsmarkt. Klein noch, mit 13 Büdchen. Flohmärkte folgten, später die Stadtfeste. „Lust auf Aachen“ hieß die Parole.

Prüfen, ob die alten Muster noch stimmen, rät Pleitgen heute. Für Franz Ebert ist es der MAC, der „in die Jahre gekommen“ ist. Die Zeiten, in denen einst im eigenen Unternehmen stressgeplagte Geschäftsleute wie Jost Pfeiffer, Helmut Falter und Günther Fleckenstein sich auch noch ehrenamtlich im MAC betätigten, seien vorbei. „Wir brauchen heute ein professionelles Citymanagement“, sagt Ebert. „Wir müssen Kaufkraft nach Aachen holen, neue Kundschaft locken, das Erlebniskaufen, die Erlebnisstadt, all das muss vollprofessionell aktiviert werden.“

Vollprofessionell – das Lieblingswort des Franz Ebert, wenn er wie Kaufhof-Chef Knie noch immer leidenschaftlich vaterstädtisch wie eh und je ein „ganzheitliches Stadtmarketing und Citymanagement“ fordert: Die Stadt müsse mit ins Boot, der Handel, der Tourismus, die Gastronomie und Hotellerie, die Kulturschaffenden – kurz alle, denen es um die Attraktivität der Stadt gehe, müssten miteinander vernetzt werden. Vollprofessionell eben. Vor allem: „Wichtig ist es, etwas zu machen und nicht nur zu diskutieren. Machen, dann wird die Sache ein Selbstläufer.“

Winterlandschaft

Über „seinen“ Weihnachtsmarkt bummelt Franz Ebert noch heute immer wieder gerne. Er lobt seinen Nachfolger Manfred Piana, was der alles aus dem Markt gemacht habe. Und doch hält er auch beim Weihnachtsmarkt Korrekturen für nötig. Er fühlt mit den Kunsthandwerkern, die klagen, mit ihren Buden „nur noch Deko für die Imbiss- und Glühweinstände“ zu sein. „Das tut dem Ambiente eines Weihnachtsmarktes nicht gut, es besteht Gesprächs- und Handlungsbedarf“, sagt Ebert. Eine „Winterlandschaft wie in Maas­tricht“ könne er sich gut vorstellen, mit einer Eisbahn wie auch in Köln, Bochum oder Erfurt.

Am Weihnachtsstand „beim Lemmen“ löffelt der Ruheständler eine Leberknödelsuppe. Wird die Pension aus den alten Landtagstagen eigentlich lebenslänglich gezahlt? „Hoffentlich“, lacht Franz Ebert. „Mensch, Kerl, es geht dir gut“, sagt er sich oft.

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