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Dürer-Stuben sind nun endgültig geschlossen

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
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Marion Körner ist sauer: Ihre liebevoll betreute Albrecht-Dürer-Stube mit der alten Holzvertäfelung ist Geschichte, die Kneipe wird wegsaniert. Hier soll 1520 bereits Albrecht Dürer gezecht haben. Foto: A. Herrmann

Aachen. Hand in Hand ging das am Mittwochmorgen, traurig dabei die Gesichter von Marion Körner und ihrer Tochter Sandra Albarus. Nach 14 Jahren muss die Pächterin der ehrwürdigen und in Aachen allseits beliebten Albrecht-Dürer-Stube die Lokalität räumen.

Der Käufer des alten Hauses, ein bekannter Immobilienhändler in Aachen, will hier keine Gastronomie mehr, das alte Haus am Fischmarkt wird kernsaniert, so wie es bei dem nebenan stehenden Gebäude geschah, in dem einst die ebenso ehrwürdige Degraa-Kneipe eine zentrale Heimstatt hatte.

Während nebenan inzwischen das Café Liege seine Kuchen anbietet und mit der Außengastronomie einen wundervollen Blick auf das Oktogon des Aachener Doms gewährt, musste Marion Körner ab 1. April den Schlüssel von der Wirtstüre abziehen, zuvor hatte sie die Hähne hoch gedreht. Jetzt kann niemand mehr unter den Schirmen der zünftigen Kneipe ein Bier mit Dom-Blick bestellen und den Tag genießen, doch nicht alleine den Touristen wird einiges fehlen.

Dass das so ist, wie es ist, kreidet die erzürnte Wirtin Marion Körner nicht nur den Immobilien-Haien in dieser Stadt an. „Mir ist für meine letzten drei Jahre, die ich noch bis zur Rente habe, ein alternatives Objekt in der Mefferdatis­straße angeboten worden. Aber sie glauben nicht, unter welchen Konditionen“, schimpfte die erfahrene Gastronomin, die vor gut 14 Jahren die etwas schäbigen Stuben übernahm und wieder richtig auf Vordermann gebracht hatte.

Horrende Kautionen, renovierungsbedürftige Einrichtungen wie Küchen und Technik, das lade man auf den Schultern der Wirte ab. Körner dazu: „Welch junger Mensch will sich da so verschulden“, fragt sie und geht in diesem Zusammenhang die Stadt an: „Hier in Aachen tut man alles, um die Gastronomie zu behindern anstatt sie zu fördern“, glaubt Marion Körner und weist auf Städte wie Wien hin, die im Gegensatz dazu alles tun würden, um den Touristen eine echte, gewachsene Gastro-Infrastruktur zu präsentieren.

Der Zug ist jetzt zunächst am Fischmarkt abgefahren. Beispiel Heiligtumsfahrt 2014 – da hatten sich beinahe schon traditionell Pilger, Bürger und die Kleriker einträchtig vor der Albrecht-Dürer-Stube zum weltlichen Labsal zusammengefunden – ein Bild, das nun der Vergangenheit angehört.

Die Albrecht-Dürer-Stuben hießen über die Jahrhunderte „Zum Spiegel“. Hier kehrte der Maler Dürer der Überlieferung nach im Jahr 1520 auf seiner Reise ins damals niederländische Antwerpen ein. Er verweilte auch deswegen in der Kaiserstadt Aachen, weil er hier nach der Krönung Karls des V. seine Leibrente sichern wollte, die ihm der Nürnberger Stadtrat nach dem Tod von Kaiser Maximilian verweigerte.

Die geschichtsträchtige Albrecht-Dürer-Stube sollte 2017 eigentlich der absolut geheime Geheimtipp im neuen Marco-Polo-Reiseführer werden. Das hat sich nun erledigt.

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