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DRK-Prozess: Nun taucht sogar ein Kleinwagen auf

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
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Im Winter fuhr der Ex-DRK-Geschäftsführer einen Fiat Panda. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Um die Unversehrtheit seines 450-PS-Dienstwagens, seiner Chervrolet-Corvette, in der kalten Jahreszeit nicht aufs Spiel zu setzen, fuhr Ex-DRK-Geschäftsführer Gerhard H. (58) im Winter sogar manchmal einen Fiat Panda.

Das gab am Montag der ehemalige Steuerberater der DRK-AWO- Dienstleistungs- und Marketing GmbH, Roland B., zu Protokoll, als er gemeinsam mit Richter Harald Brandt, dem Vorsitzenden der 8. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht, die Lohnabrechnungen des wegen Untreue angeklagten H. durchging.

„Warum ist die steuerlich veranlagte Summe für das Auto hier im Januar so gering?”, wollte Brandt wissen.

Die überraschende Antwort: „Das war für einen Panda.” Was war denn da mit der Corvette los, die als PS-gewaltiger Stein des Anstoßes mit zu der Anklage führte? Da blieben im Saal die Münder offen stehen: „Es waren für die breiten Räder der Corvette keine Winterreifen zu bekommen.”

Offensichtlich stieg der Geschäftsführer der Aachener Wohlfahrtseinrichtung statt in den Ami-Schlitten in den kleinen Fiat. Dabei stand ihm als zweiter Dienstwagen ein opulenter DRK-BMW „X3” zur Verfügung.

Ansonsten räumte der Steuerberater mit der Mär auf, er habe seinem Mandanten Gerhard H. dringend angeraten, aus steuerlichen Gründen zwei dicke Schlitten auf Verbandskosten und auf Rechnung der Marketing-Firma zu fahren. „Ich wusste nichts von einem zweiten Dienstwagen”, meinte er.

Allerdings sei es wirklich nicht gut, die Pkw-Kosten der gemeinnützigen Einrichtung mit der einer privatwirtschaftlichen Firma zu verquicken, vor allem, da H. „in der Altkleider-Geschichte oft bis nach Italien runter musste”.

Und das mit einer spritschluckenden Corvette, fragten sich Beobachter des Prozesses. Außerdem war da noch der geleaste Mini, den H. vor Weihnachten 2005 als Drittwagen anschaffte.

Der Mini mit Sonderausstattung und der Lackierung „Panther Black” diente offiziell dazu, die DRK-Altkleidercontainer abzufahren.

Heikler Tag im Gerichtssaal

Der Gerichtstag hatte heikel begonnen. Mit Rechtsbeistand kam der Ex-DRK-Vorsitzende Georg N. (59). Er soll anfänglich ein Nutznießer der „Großzügigkeiten” des Geschäftsführers H. gewesen sein, ein Verfahren gegen ihn wurde gegen Zahlung des errechneten Schadens von 70.000 Euro vorläufig eingestellt.

Der ehemalige Vorsitzende sollte Beraterkosten mitzuverantworten haben. Teilweise soll er selbst von dem Geld profitiert haben, das einer IT-Firma und der Beraterfima Ars Nova zugeflossen war - laut Anklage jene 70.000 Euro.

Von den teueren Sportwagen aber, ließ sich N. am Montag ein, habe er erst aus der Zeitung erfahren. Der ehemalige DRK-Kassenwart Jochen R. sagte aus, er habe Leistungen für seine Beraterhonorare erbracht - das Verfahren gegen ihn ist eingestellt. Der Prozess wird am kommenden Donnerstag fortgesetzt.
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