Aachen - Drei Kinder - und dann noch Drillinge

Drei Kinder - und dann noch Drillinge

Von: Nadine Jungblut
Letzte Aktualisierung:
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Sechs Kinder haben Mehtap und Mutlu Hatip jetzt: von links Dilara (7), Büsra (2), die Drillinge Efe, Elif und Polat sowie Beyza (6). Foto: Harald Krömer

Aachen. Nachts einmal richtig durchschlafen, nicht unentwegt Windeln wechseln und Fläschchen machen - davon können Mehtap Hatip (28) und ihr Mann Mutlu (30) nur träumen. Seitdem die Drillinge da sind, steht die Familie Kopf. Und Familie heißt bei den Hatips: Vater, Mutter plus sechs Kinder.

Denn bevor Elif, Efe und Polat im November letzten Jahres zur Welt kamen, gab es bereits Dilara (7), Beyza (6) und Büsra (2). Familienglück im großen Stil also, doch von Glück kann im Moment kaum die Rede sein.

Eingeschränkt auf drei Zimmer und 70 Quadratmeter treten sich die Hatips gegenseitig auf die Füße. Die drei Großen teilen sich ein Zimmer, die Neugeborenen kommen momentan im Schlafzimmer der Eltern unter. Eine Möglichkeit, aus dem stressigen Alltag zu entfliehen? Keine Chance.

Eine größere Wohnung muss her, soviel steht fest. Fünf Zimmer, Küche und Bad wären Minimum. Leichter gesagt als getan. „Sobald die Vermieter sechs Kinder hören, machen sie die Schotten dicht”, weiß Mehtap aus Erfahrung. Sie ist verzweifelt. Bereits in der Schwangerschaft hat die Familie mit vereinten Kräften nach einer Wohnung gesucht.

Das Ergebnis war ernüchternd. „Viele Wohnungen fallen schon von vornherein durch das Raster: zu klein, zu teuer, zu wenig Zimmer”, erklärt die Mutter. Die verbleibende Auswahl scheitert stets am Problem des reichen Kindersegens.

Als wäre das nicht genug, ist Vater Mutlu seit vergangenem Monat ohne Arbeit. Ob Mehtap Hatip die Absagen der Vermieter verstehen könne? „Natürlich kann ich das alles nachvollziehen. Viele denken schlicht: Kinder gleich Lärm. Dazu kommt die Arbeitslosigkeit meines Mannes”, gesteht die sechsfache Mutter ein. Mit den Drillingen aber hätten sie Glück gehabt, sagt sie. „Die sind von den typischen Schreikindern weit entfernt.” Auch die Ältesten seien aus dem Gröbsten raus. „Doch wer glaubt das einem?”

Was die aktuelle Wohnsituation für die Familie bedeutet, davon weiß Andrea Sistenizh vom ASFD-Pflegedienst zu berichten. Finanziert vom Jugendamt, unterstützt sie die achtköpfige Familie drei Stunden täglich im Haushalt und bei der Kinderbetreuung.

„Platzmangel und Enge bedeuten für die Familie Stress pur”, weiß Sistheniz aus Erfahrung. „Das ständige Aufeinanderhocken fördert zudem die Eifersucht unter den Geschwistern. Besonders die zweijährige Büsra weiß nicht mit der Situation umzugehen.”

Da könne es schon mal passieren, dass Büsra nachts in das Bett der Eltern kriecht. Dann lägen Vater und Mutter mit vier Kindern in einem Bett. „Das sind doch keine Zustände”, ärgert sich Sistenizh. Platzmangel herrscht nicht nur bei der Zimmeraufteilung. Mehtap Hatip berichtet mutlos: „Ich weiß nicht mal, wo ich einen Kleiderschrank für die Drillinge aufstellen soll.”

Vergangene Woche schöpfte die die Familie Hatip Hoffnung. Ein Haus in Merkstein stand in Aussicht. „Es wäre perfekt gewesen: 140 Quadratmeter, sechs Zimmer, fünf Toiletten, zwei Bäder”, träumt Mehtap Hatip heute noch. Aber auch hier das alte Lied: „Sechs Kinder? Nein, danke!”

Die Niedergeschlagenheit steht der 28-Jährigen ins Gesicht geschrieben. Einen Ausweg weiß sie momentan nicht. Sie wird wohl weiter suchen müssen - und hoffen.

Die Familie Hatip sucht dringend eine Wohnung: mindestens fünf Zimmer, Küche und Bad. Hinweise, Tipps und Wohnungsangebote für Stadt und Kreis Aachen bitte an den Sozialdienst Katholischer Frauen in Aachen. Der SKF koordiniert die Mietangebote für die Familie. Kontakt: Monika Bolz-Jatho, 0241/470450.

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