Drei Jahre Haft für Messerstich im Pontviertel

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen/Düren. Das sei nun überhaupt kein Ruhmesblatt für Aachens Kneipenmeile Pontstraße, meinte der Vorsitzende des Schwurgerichts, Richter Gerd Nohl am Anfang der Urteilsbegründung. Der Richter sah Auseinandersetzungen „ohne einen Sinn“, in die der Angeklagte Türsteher Tanju T. (23) aus Düren verstrickt war.

Nohl sprach von Imageverlust wie der Notwenigkeit, im Rahmen sogenannter Generalprävention ein strafrechtliches Zeichen zu setzen. Dennoch verkündete der in der Beurteilung aller möglichen Kapitalverbrechen sehr erfahrene Vorsitzende ein durchweg ausgewogenes Urteil.

T., der in der Nacht zum 27. Mai 2012 eine Rauferei nahe einem bekannten Club mit einem Messerstich in den Rücken eines Kontrahenten beendet hatte, erhielt für den nächtlichen Messereinsatz wenige Meter neben dem Eingang zur bekanntesten Disko im Viertel eine Haftstrafe von drei Jahren. Dies allerdings wegen gefährlicher Körperverletzung und nicht wegen versuchten Totschlags, so wie es ursprünglich angeklagt war.

Wie aus dem Nichts und außerdem „wie so oft aus nichtigem Anlass“, so der Richter, hatten sich die Kontrahenten in jener Nacht zum Sonntag mit ihren zwei feindlichen Lagern vor der Türe getroffen. Die Sache sollte wie „bei Pubertierenden eins zu eins“ ausgemacht werden, „einen Sinn sucht man vergebens“, schüttelte Richter Nohl rückblickend den Kopf. Zwischen den zwei Männern, die dann auf der Anklagebank landeten und von denen einer glimpflich mit einer Einstellung des Verfahrens davon kam, und dem Dritten Adem D. (24), war im Inneren des ansonsten imageträchtigen Ladens zum Austausch von bösen Blicken gekommen, zu „einem störender Blickkontakt“, wie das Gericht es formulierte. Das reichte schon aus, man ging vor die Türe und die Gewalt nahm nahm ihren Lauf.

Dabei ging der erste Schlag durchaus von dem späteren Opfer aus. Kaum seien die beiden dem Türsteherpool des Clubs zuzurechnenden Männer, die an diesem Abend aber frei hatten, aus dem Lokal herausgetreten, wären weiter Aggressionen ausgetauscht worden. Dann ging man in den Bereich, der Milchstraße genannt wird. Das spätere Opfer habe als erster „eine krachende Rückhand“ ausgeteilt, stellte das Gericht fest. Da habe sich Nico C. (23) eingemischt, der zweite Türsteher, der seinem Freund zur Seite sprang. Nico wiederum geriet an den Falschen, denn der ursprüngliche Angreifer war stärker, nahm ihn in den Schwitzkasten, man fiel gemeinsam die Treppe hinab.

Genau ab diesem Zeitpunkt gehen die rechtlichen Beurteilungen diametral auseinander. So sah der Verteidiger von T. eine Nothilfesituation, weil Adem D. dabei war, dem Freund die Luft - lebensbedrohlich - abzudrücken. Da habe Tanju T. gehandelt und zugestochen.

Diese Version wies das Gericht zurück. „Es gab keine Nothilfesituation, die den Einsatz eines Messers gerechtfertigt hätte“, entschied das Schwurgericht. T. habe so, ohne Waffe, dazwischen gehen können, ebenso wie das spätere Opfer besser daran getan hätte, zu Beginn der Auseinandersetzungen einfach nach Hause zu gehen.

Leserkommentare

Leserkommentare (9)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert