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Drei Hauptschulen sollen schließen

Von: Margot Gasper
Letzte Aktualisierung:
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Am Kronenberg, wo derzeit noch die Hauptschule und die Grundschule arbeiten, soll die neue Gesamtschule starten. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Für drei der sechs Aachener Hauptschulen steht das Aus bevor: Die Gemeinschaftshauptschule Eilendorf, die Katholische Klaus-Hemmerle-Schule an der Franzstraße und die Sekundarschule am Dreiländereck (Kronenberg) sollen zum Schuljahr 2011/12 keine neuen Schüler mehr aufnehmen und damit in wenigen Jahren schließen.

Stattdessen soll am Kronenberg bereits zum Schuljahr 2011/12 eine vierte Gesamtschule eingerichtet werden.

CDU, SPD und Grüne machen diese Vorschläge in einem gemeinsamen Ratsantrag. Am 23. September wird sich der Schulausschuss mit dem Thema befassen. Am Mittwoch stellten die Fraktionsvorsitzenden und die schulpolitischen Sprecher ihre Vorstellungen zur Schulentwicklungsplanung offiziell vor.

Immer weniger Schüler

Auch in Aachen sinken die Schülerzahlen. Erwartet wird ein Rückgang um etwa zehn Prozent in den nächsten fünf Jahren. Von den sechs Hauptschulen in der Stadt sind aber schon jetzt fünf in den Eingangsklassen einzügig und erreichen nicht die eigentlich geforderte Mindestgröße. „Einzügige Schulen sind pädagogisch und wirtschaftlich nicht sinnvoll”, heißt es im Antrag der drei Fraktionen.

„Die Hauptschulen leisten sehr gute, sehr individuelle Arbeit”, betonte CDU-Fraktionsvorsitzender Harald Baal. „Wir wollen das Hauptschulangebot erhalten, aber nicht mehr an sechs Standorten.”

Die schwarz-grüne Ratsmehrheit und die SPD schlagen daher vor, die Hauptschule Eilendorf mit aktuell gerade einmal 14 Kindern in der Eingangsklasse auslaufend zu schließen und mit der Hauptschule Drimborn oder der Hauptschule Aretzstraße zusammenzuführen. Für die Hauptschule Franzstraße und die Hauptschule Kronenberg soll die „Zusammenführung” mit der Hauptschule Burtscheid geprüft werden.

Der Standort am Kronenberg könnte dann den Kern bilden für eine neue - vierzügige - Gesamtschule. „Wir wollen seit Jahren diese vierte Gesamtschule”, erklärte SPD-Fraktionsvorsitzender Heiner Höfken, „da ist die SPD gerne mit dabei”. Mittelfristig sei das Konzept ein guter Weg, Stabilität in die Schullandschaft zu bringen, ist der schulpolitische Sprecher der SPD, Mathias Dopatka, überzeugt. Grünen-Fraktionssprecher Michael Rau verweist auf die „sehr eindeutige Mehrheit” für den Antrag in allen drei Fraktionen. „Wichtig ist, dass wir Klarheit ins Schulsystem bringen.”

Eine Gesamtschule am Kronenberg würde aus Sicht der Fraktionen die drei Gesamtschulstandorte in Brand, am Rande des Frankenberger Viertels und in Laurensberg ideal ergänzen. Im Gebäude der Hauptschule und der Grundschule, die ab 2011 auslaufend geschlossen werden soll, könnte eine vierzügige Gesamtschule gut untergebracht werden.

Mit der Bildung einer neuen Gesamtschule muss aber auch das „Angebot an Realschulplätzen überprüft werden”, heißt es im Antrag von CDU, SPD und Grünen. „Die auslaufende Schließung einer Realschule in Aachen kann die Konsequenz daraus sein.” Von den vier Realschulen in Aachen, sagt Harald Baal, habe die Alkuin-Realschule derzeit „die größten Schwierigkeiten”. Ein Großteil der Schüler dort komme zudem nicht aus Aachen.

„Die vierte Gesamtschule wird Einfluss haben auf die Realschulplätze, die jetzt schon überreichlich vorhanden sind”, erwartet Ulla Griepentrog, schulpolitische Sprecherin der Grünen. Das Aus für eine Realschule - womöglich schon zum Schuljahr 2011/12 - sei nicht auszuschließen.

Und die Gymnasien? „Die Gymnasien teilen das Schicksal aller Schulen”, sagt Harald Baal. „Auch hier werden wir künftig weniger Plätze brauchen als heute.” Mittelfristig werde über reduzierte Kapazitäten oder auch die Schließung einer Schule zu diskutieren sein.

Gemeinschaftsschule kein Thema

Gemeinschaftsschulen sind in Aachen derzeit kein Thema. Das Modell stehe zwar im Koalitionsvertrag der rot-grünen NRW-Landesregierung, aber eine gesetzliche Grundlage gebe es noch nicht, erklärten CDU, SPD und Grüne unisono.

Für ihren Antrag wünschten sich die Vertreter der drei Fraktionen am Mittwoch einen breiten Konsens im Rat. Inhaltlich ist die Linke auf jeden Fall dabei. „Wir freuen uns”, sagte Fraktionsvorsitzender Andreas Müller, „schließlich haben wir die vierte Gesamtschule als erste gefordert.” Befremdet sei man allerdings, in den gemeinsamen Antrag nicht einbezogen worden zu sein. Für die FDP erklärte Fraktionschef Wilhelm Helg knapp: „Wenn uns die Mehrheit informiert, werden wir darüber reden.”

Kontra kriegt die CDU indes aus den eigenen Reihen. Es sei „kurzsichtig”, eine weitere Gesamtschule zu errichten und dafür Real- und Hauptschulen zu schließen, erklärten die Junge Union und die Schüler-Union in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Vor den Anmeldeterminen muss alles klar sein

Rechtzeitig vor den Anmeldefristen fürs nächste Schuljahr soll in Aachen feststehen, welche Schulen künftig zur Verfügung stehen.

Dafür hat die Politik in den nächsten Monaten einen strammen Zeitplan abzuarbeiten, wie Wolfgang Boenke, schulpolitischer Sprecher der CDU, erläuterte. Am 23. September wird der Antrag der drei Fraktionen im Schulausschuss diskutiert. Am 28. Oktober soll der Schulausschuss die „Absichtserklärung” beschließen. Die Bezirksvertretungen Mitte und Eilendorf sind ebenfalls zu beteiligen. Bereits am 2. Dezember sollen die endgültigen Beschlüsse gefasst werden.

Die Bezirksregierung muss ins Verfahren einbezogen werden, für die katholische Klaus-Hemmerle-Schule außerdem das Bistum Aachen. Das Bistum habe den Fraktionen aber bereits signalisiert, dass man das Verfahren „positiv begleiten werde”, hieß es.

Die Schulen sollen in die weitere Debatte über die Schulentwicklung einbezogen werden, versichern die Fraktionen. Am 28. September tagt erneut der Runde Tisch zur Zukunft der Schulstandorte. „Alle Schulen können eigene Ideen einbringen”, wünscht sich Ulla Griepentrog (Grüne). „Vielleicht will ja eine Schule Bestandteil der neuen Gesamtschule werden.”

Damit die neue Gesamtschule an den Start gehen kann, sind 112 Anmeldungen nötig. Das dürfte kein Problem sein, denn allein für das Schuljahr 2010/11 mussten die drei Gesamtschulen 140 Kinder ablehnen, in den beiden Jahren zuvor sogar mehr als 270.
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