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Drei Generationen und die tiefen Schatten des Krieges

Von: Grit Schorn
Letzte Aktualisierung:
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Ostseesand im Grenzlandtheater: In Lutz Hübners Stück „Nachtgeschichte“ brechen beim Familientreffen alte Wunden auf. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Manfred Schneiders Bühnenbild überrascht mit einer großflächigen Urlaubsszenerie an der Ostsee samt feinem Sand. Hübners Stück „Nachtgeschichte“ geht tief hinein in das alljährliche Familientreffen. Lutz Hübner, Jahrgang 1964, versteht sich auf gut gebaute, wirklichkeitsnahe Bühnenstücke und hat sich längst als einer der meist gespielten deutschen Theater-Autoren profiliert.

Verstörungen einer Generation

Werke wie „Ehrensache“ oder „Frau Müller muss weg“ spiegeln heutige Probleme, das komödiantische „Gretchen 89 ff.“ offenbart den handfesten Humor des Dramatikers und Regisseurs. „Nachtgeschichte“ zielt mit genauem Blick auf die Verstörungen einer Kriegsgeneration, die 1945 noch Kinder oder Jugendliche waren.

Auch über Marika haben die damaligen Erlebnisse tiefe Schatten geworfen – darüber gesprochen wurde wie in den meisten Familien aber so gut wie nie. Hübners klarsichtiges Familienporträt zeigt Marika, inzwischen in den Siebzigern, und die beiden Töchter Rike und Jana, die eher etwas angespannt die Ankunft ihrer Mutter erwarten. Eine Mutter, die anscheinend immer „funktioniert“ hat, aber wenig Nähe zulässt. Die beiden Schwestern haben wiederum je eine Tochter, junge Mädchen von heute, die aber viel Ungesagtes und Verborgenes spüren. Nur die Enkelin Tanja scheint der verschlossenen Marika nahe zu sein…

Die Regisseurin Catharina Fillers, die bereits mit „Ein fliehendes Pferd“ nach Martin Walsers gleichnamiger Novelle im Grenzlandtheater glänzen konnte, setzt auf die Dinge, die in der Familie Kotte bisher verborgen blieben. Ebenso aber auch auf Bindungen und neue Offenheit. Die kurze Probenszene lässt bereits spüren, dass es – wie jedes Jahr – zu Reibereien und Verletzungen kommen wird. Hübner verbindet Tragik mit subtilem Humor, der manche „Verkrustung“ aufzuweichen vermag.

Verheddertes Familiengeflecht

Der Auftritt von Jutta Schmidt als Marika – kühl, forsch und unnahbar – verweist auf das Familiengeflecht, das bis zu den Enkelinnen hin „verheddert“ scheint. Selbst Sam, der Freund der jüngeren Tochter Jana (Marie-Louise Gutteck) spürt die Gezwungenheit im Familienkreis. Der einzige Mann im Stück wird von Charles Ripley gespielt. Die ältere Schwester Rike verkörpert Angela Schlabinger, die Rollen der Enkelinnen Lea und Tanja übernehmen Mica Bara und Katharina Behrens.

Theaterintendant Uwe Brandt setzt auf die „ganz normale Familie“, die wohl nur gemeinsam die versteckten, verleugneten Probleme lösen kann. Es gehe „nicht um Schuld, sondern um Leben und Verzeihen“, erklärt Brandt. Mit der packenden „Nachtgeschichte“, die das Publikum fesseln soll, beendet das Grenzlandtheater diese Theatersaison. Das Stück dauert 120 Minuten inklusive Pause.

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