Aachen - Dreharbeiten: Wenn das Couven-Museum zum „Brauhaus” wird

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Dreharbeiten: Wenn das Couven-Museum zum „Brauhaus” wird

Von: Werner Breuer
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Gedrängel am Hühnermarkt: Gestern nahm erneut ein Filmteam einen Teil der Altstadt in Beschlag. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. „Set-Runner”, was isn das? Bevor Betty Modjesch ihren Job erklären kann, muss sie das Gespräch mal wieder unterbrechen. „Entschuldigung, könnten Sie bitte dort drüben langgehen”, bittet sie zwei Damen auf Einkaufsbummel, „wir drehen hier gerade.”

Der nächste Anlauf wird durch Handzeichen von Teamkollegen am Hühnermarkt unterbrochen. Sie signalisieren, dass Betty Modjesch eine Baumaschine am Hof zum Schweigen bringen soll.

Danach kommt sie dann dazu, das Offensichtliche zu erklären: „Ich bin eine Art Mädchen für alles.” Und solche Mädchen müssen bei Dreharbeiten vor allem dafür Sorge tragen, dass die wirkliche Welt nicht die schöne Kulisse versaut.

Immerhin wird Aachen dereinst im ARD-Vorabendprogramm „Heiter bis tödlich” eine Rolle spielen. In der Serie „Zwischen den Zeilen” geht es um die junge Journalistin Maja, die bei der fiktiven Regionalzeitung „Westdeutscher Merkur” in Aachen für Wirbel sorgt. An diesem Dienstagnachmittag sorgen Maya-Darstellerin Josephine Schmidt und ihre Kollegen erst einmal für neugierige Blicke am Hühnermarkt. Schuld daran ist zum Teil auch ein alter Citroen SM, der mitten in der Szene steht und Oldimer-Fans anlockt. „Bitte gehen sie dort drüben lang, wir drehen hier...” läuft ab wie in einer Endlos-Schleife.

Und es zieht sich: „Alles auf Anfang”, heißt es immer wieder. Dann steht Josephine Schmidt wieder in der Tür des „Brauhauses am Markt” - die Öcher kennen das Gebäude eher als Couven-Museum - und lässt sich von zwei Kolleginnen hinauszerren. Der Ton läuft, die Kamera läuft, und manche Nase läuft auch, weil durch das Verbreitungsgebiet des Westdeutschen Merkur an diesem Nachmittag ein kalter Wind weht.

Für Regenwetter gerüstet

Aber es hätte schlimmer kommen können: „Heute morgen hat es ja noch geregnet”, sagt Betty Modjesch. Für solche Wetterlagen, die in Aachen gelegentlich vorkommen sollen, ist das Filmteam mit Zeltplanen, Schirmen und anderem Zubehör gerüstet. Gegen die Kälte gibt es immerhin heiße Getränke, auch dafür sorgt die Set-Runnerin. Laufen muss sie für ein Team von rund zwei Dutzend Leuten, Kameramänner gehören dazu, Aufnahmeleiter, Tontechniker, Spezialisten für Maske und Requisite und natürlich ein Regisseur, der „seinen Film im Kopf hat”, wie Betty Modjesch erklärt.

Damit er genau so auch in die Kamera kommt, muss Josephine Schmidt immer wieder aus dem Couven-Museum heraus und über den Hühnermarkt gezerrt werden. Die Szene wird aus verschiedenen Perspektiven gedreht, weshalb unter anderem dann auch mal die Fenster einer nahegelegenen Gaststätte geschlossen werden, damit später im ARD-Vorabendprogramm keine feixenden Gesichter über den Bildschirm flimmern.

Andere, die durchs Bild laufen, dürfen das nicht nur, sie müssen es sogar. Die Komparsen wissen genau, wann sie an welcher Stelle des Hühnermarkts sein müssen, um die Szene zu bereichern. Auch sie stehen in den Drehpausen ebenso fröstelnd auf dem Platz wie die Schauspieler.

Am Ende wird von dem Einsatz relativ wenig zu sehen sein. „Ein Arbeitstag ergibt am Ende etwa acht Filmminuten”, weiß Betty Modjesch. Wer also bei einer Folge von „Zwischen den Zeilen” seinen Platz vor der Glotze verlässt, um sich vielleicht in der Küche ein Butterbrot zu schmieren, bekommt das Ergebnis des ganzen Drehtages womöglich nicht mit. Dabei haben doch alle so viel gearbeitet und die Set-Runnerin ist so viel gelaufen.

Die meisten Leute hätten Verständnis für die Bitten des Filmteams, sagt sie. Bei den Bauarbeitern am Hof hat sie offenbar den richtigen Ton getroffen. Sie machen den Motor ihres Baggers aus, bis Betty Modjesch ihnen nach ein paar Minuten zuruft: „Haut rein, Jungs, jetzt gehts wieder!”
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