Dramatische Tage für die Alemannia

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:
Tivolibild
Der neue Aachener Tivoli.

Aachen. Nichts weniger als die Zukunft von Alemannia Aachen hängt nach Lage der Dinge von der Sitzung des Aachener Stadtrats am nächsten Mittwoch ab. Ohne die Hilfe der Stadt wird der Fußballzweitligist eine drohende Insolvenz kaum noch abwenden können. Mit dieser Erkenntnis im Hinterkopf gehen Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp, die Spitzen der Ratsfraktionen und führende Vereinsvertreter am Samstagnachmittag in eine weitere Verhandlungsrunde.

Zur Debatte stehen zwei städtische Bürgschaften über ein Gesamtvolumen von 5,5 Millionen Euro. Ohne eine Zustimmung des Rates seien die Liquiditätsprobleme der Alemannia nicht zu lösen, ließ die Stadt am Donnerstag nach einer ersten mehrstündigen Krisensitzung im Rathaus verlauten. Damit wurde deutlich, dass die Lage wesentlich dramatischer ist, als bislang zugegeben wurde.

Verhoben beim Stadionbau

So hat Alemannia-Geschäftsführer Frithjof Kraemer noch Anfang der Woche im „Nachrichten”-Interview alle Gerüchte zurückgewiesen, dass dem Verein die Insolvenz drohen könnte. Inzwischen aber ist klar, dass die Lage äußerst ernst ist und bereits Ende letzten Monats das Gespenst der Zahlungsunfähigkeit am Tivoli umging.

Hintergrund des Desasters ist der Stadionneubau, durch den der Alemannia nach eigenen Angaben gut drei Millionen Euro fehlen. Weitere 2,5 Millionen Euro für notwendige Nebenbauten wie Trainingsplätze können nicht aufgebracht werden.

Ob die Stadt einspringen wird, könnte sich bereits am kommenden Montag entscheiden. Dann werden die Fraktionen über die aktuelle Situation und die Sanierungspläne informiert, dann soll auch eine Beschlussvorlage der Verwaltung vorliegen.

Ein gewichtiges Wort mitzureden hat auch der Kölner Regierungspräsident, der in Vorgesprächen bereits signalisiert haben soll, einer Bürgschaft zustimmen zu wollen. Die Bürgschaft ermöglicht es der Alemannia zunächst nur, sich kurzfristig mit Krediten zu versorgen, der städtische Haushalt würde vorerst nicht belastet. Gleichwohl befürchten viele Ratsleute, dass eines Tages städtische Millionen fließen müssen.

Es ist längst nicht ausgemacht, ob sich Mittwoch eine Mehrheit für die Bürgschaft finden wird. In allen Fraktionen gibt es Vorbehalte gegen den Plan, dem Proficlub öffentliche Gelder zu geben. Zugleich fragt man sich, was die Alternative ist. Wer den Verein jetzt fallen lässt, beschert der Stadt nicht nur ein leerstehendes Stadion, sondern auch Verluste in zweistelliger Millionenhöhe.

Der Ausgang der Debatte ist völlig offen, prognostizieren die Fraktionschefs, wobei SPD, CDU und Linke wohl geschlossen abstimmen werden. FDP und Grüne hingegen zeigen sich tief gespalten und wollen die Abstimmung freigeben.

Wie viele Ratsleute überhaupt abstimmen werden, ist ebenfalls eine offene Frage: Nicht wenige haben selbst Tivoli-Anleihen zur Finanzierung des Stadionbaus erworben. Sie gelten nun als befangen. Denn im Fall der Insolvenz hätten die Anleihen ihren Wert verloren.
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