Drama im Justizgebäude: Mann klettert über Brüstung

Von: Wolfgang Schumacher
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Ein offenbar völlig verzweifelter Mann hält im Aachener Justizzentrum seit Stunden Feuerwehr und Polizei in Atem. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Nachmittägliches Drama im Jusitizzentrum: Weil er Montag bei einer Verhandlung vor dem Amtsgericht urplötzlich Angst vor der Inhaftierung bekam, kletterte Montag ein 43-jähriger Würselener im zweiten Stock des Justizgebäudes auf die Außenseite der dortigen Galerie und drohte, sich in dien Tiefe zu stürzen.

Das war gegen 15.45 Uhr, diverse anderen Verfahren in dem Sitzungungsgebäude am Adalbertsteinweg wurden von gellendem Geschrei unterbrochen. Als ein Wachtmeister nachsah, traute er seinen Augen nicht. Gegenüber in etwa zehn Meter Höhe über dem Steinboden des Atriums hing der Mann über dem Abgrund.

„Die Justiz will mich fertigmachen”, schrie er hysterisch und drohte, sich fallenzulassen, falls auch nur einer ihm zu Nahe kommen sollte. Geistesgegenwärtig beendeten die Wachtmeister einen Prozess, in dem es um die Einweisung eines Mannes ging, der in anderer Form diverse öffentliche Einrichtungen in Aachen tyrannisiert hatte - er wurde schnellstens in die Zelle gebracht, damit nur ja nichts vom Flur zu ihm dringe.

Die restlichen Prozessbeteiligten mussten durch ein Ganglabyrinth den Saal verlassen. Inzwischen waren Feuerwehr, Notarzt und Polizei angerückt, die Notfallseelsorge mit Pater Georg war ebenso vor Ort. Oben spitzte sich das Drama immer wieder zu.

Mit überschlagender Stimme erklärte er seinem Verteidiger Franz Allmang, dass er Angst vor dem Knast habe. Er musste sich wegen einiger leichterer Betrügereien vor Amtsrichterin Marianne Kaulen verantworten.

So soll er Laptops geordert und nicht bezahlt haben. Einige weitere Straftaten seien noch anhängig, meinte Allmang später, der wie auch die Richterin stundenlang seinen Mandanten vom Schlimmsten abzuhalten suchte. Er verlangte nach seiner Freundin, die schnellsten herbeigeschafft wurde, sie redete mit ihm wie auch ein Verwandter, dessen Anwesenheit er gefordert hatte.

Etwas mehr als drei Stunden schaffte es der 43-Jährige, die Einsatztruppen der Feuerwehr mit Einsatzleiter Günther Stadtmüller in Atem zu halten. Erst kurz vor 19 Uhr konnte er mit Hilfe seiner Spezialrettungsgruppe, die auf Höheneinsätze spezialisiert sind, die schwierige Lage beendeten.

Entkräftet hatte der Mann Aufgabe signalisiert. Aus dem dritten Stock seilten sich die Spezialkräfte ab und hievten ihn wieder über die Brüstung. Vorher hatte Stadtmüller immer wieder das Gespräch gesucht, unten standen Einsatzgruppen mit Sprungtüchern bereit. Der Mann wurde alsdann in die Psychiatrie des Uniklinikums gebracht, über die genaue Motivlage wird noch gerätselt.
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