Aachen - Dostojevskij, das Sterben und eine Lesung

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Dostojevskij, das Sterben und eine Lesung

Von: rip
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Trauer auf Russisch: Angela Ei
Trauer auf Russisch: Angela Eickhoff (l.) und Theresa Tarassova im weißen Gewand. Foto: Lachmann

Aachen. Was bedeutet Sterben auf Russisch? Diese Frage wollen Angela Eickhoff und Theresa Tarassova beantworten. Und zwar an einem Ort, an dem der Tod alltäglich ist. Auf dem Ostfriedhof veranstalten die Schauspielerin Eickhoff - bis 2005 war sie am Theater Aachen unter anderem in „Das Käthchen von Heilbronn” und „Der Biberpelz” zu sehen - und die Slawistin Tarassova am Sonntag, 28. August, eine außergewöhnliche Matinee: Ab 11 Uhr vormittags lesen sie aus dem Dostojevskij-Roman „Die Brüder Karamasov”.

„In dem Werk kommen zwei ganz unterschiedliche Sterbegeschichten vor, die aber beide für den russischen Umgang mit Tod stehen”, erklärt Tarassova. Beide Geschichten erlebt die Figur Aljoscha, der jüngste der drei Karamasov-Brüder. Ein ehrwürdiger Mönch stirbt nach langer Zeit im Krankenhaus. Das von zahlreichen Pilgern erwarteten Wunder bleibt aber aus. Stattdessen verwest der Leichnam, ganz menschlich.

In der zweiten Geschichte stirbt der arme Junge Iljuscha im Kreise seiner Familie. Nach großen Streitereien schreiten Freunde und Familie schließlich zum heiteren Totenmahl. „In Russland wird der Tote mitten unter den Lebenden aufgebahrt”, erklärt Tarassova. Damit sei der Tod weniger tabu als hierzulande. Obendrein sei die Farbe der Trauer in Russland.

Tarassova und Eickhoff lesen jedoch am nächsten Sonntag nicht nur auf Deutsch und Russisch vor. Tarassova: „Die Leute sollen in Aktion treten. Deshalb wird es eine Art Lese-Spaziergang. Wir werden von Grabmal zu Grabmal gehen, passend zur Geschichte. Und auch Gesänge wird es geben”. Unterstützt werden die Slawistin und die Schauspielerin, die vor einigen Jahren über vier Theaterspielzeiten im Mörgens aus den Werken Dostojevskijs lasen, von dem Förderkreis Ostfriedhof, dem Kulturbetrieb der Stadt und dem Bestattungshaus In Memoriam in der Eifelstraße.

Letzteres nimmt auch die Anmeldungen für die Veranstaltung entgegen unter 0241/55917987. „Eine Anmeldung bis Freitag vor der Matinee ist nötig, damit wir planen können. Denn es gibt neben Literatur auch typische russische Speisen”, sagt Tarassova. So dürfen die Besucher Blini (russische Pfannkuchen) und Borschtsch kosten. Eintritt: 26 Euro (inklusive Speisen und Getränke).
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