Aachen - Doppelter Abiturjahrgang sorgt für steigende Zahlen von Bewerbern

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Doppelter Abiturjahrgang sorgt für steigende Zahlen von Bewerbern

Von: Tim Orth und Werner Breuer
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Jugend und Wirtschaft: Zum Tag der Ausbildung warb die Arbeitsagentur gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer und der Handwerkskammer sowie Azubis bei Junghans um mehr Plätze. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Es ist die alte Geschichte vom halbvollen oder halbleeren Glas, aber Gabriele Hilger formuliert es anders: Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt sieht die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Aachen-Düren „nicht nur als Risiko, sondern auch als Chance“. In der Balance ist das Verältnis von Bewerbern und freien Plätzen derzeit nicht.

Die Zahl der jungen Leute auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz liegt in diesem Jahr um rund 25 Prozent über der des Vorjahres, das Angebot an offenen Stellen hingegen etwa sieben Prozent darunter.

Sorgen macht das den Fachleuten von Arbeitsagentur, Industrie- und Handelskammer (IHK) oder Handwerkskammer (HWK) aber noch nicht. Da sei noch viel Bewegung möglich, meint Georg Stoffels, Geschäftsführer der Handwerkskammer Aachen. Das Gros der Lehrverträge im Handwerk werde später im Jahr abgeschlossen. Und die Bewerberzahl ist auch noch nicht in Stein gemeißelt. Erfahrungsgemäß würden viele junge Leute noch einen Auslandsaufenthalt oder ein soziales Jahr in den Lebenslauf einschieben, weiß Michael F. Bayer, der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Aachen.

Trotz allem ist eine Tendenz erkennbar, die auch an vielen anderen Stellen für Turbulenzen sorgt: Der doppelte Abiturjahrgang in Nordrhein-Westfalen sorgt für einen ordentlichen Buckel in der Kurve. Etwa 15.000 junge Leute im Bezirk der Arbeitsagentur haben in diesem Jahr ihren letzten Schultag, 2019 dürften es laut Gabriele Hilger noch knapp über 10.000 sein.

Tag der Ausbildung

Wer dann gut ausgebildete Fachkräfte braucht, sollte jetzt tunlichst den Zug nicht verpassen, empfehlen die Kammern und die Arbeitsagentur. „Wer Ausbildung sät, wird Fachkräfte ernten“, wirbt Gariele Hilger passend zum Tag der Ausbildung, den ihre Agentur bundesweit am Mittwoch beging. Etwa 30 Vermittler der Agentur werden in der nächsten Zeit bei den Unternehmen der Region dafür trommeln, dass mehr Ausbildungsplätze für die jetzigen Schulabgänger geschaffen werden.

Bei der Junghans-Unternehmensgruppe brauchen sie nicht mehr anzuklopfen, dort hat man die Zeichen der Zeit schon erkannt. Das mittelständische Unternehmen (Junghans-Wolle, Pro-Idee) wird in diesem Sommer doppelt so viele Azubis einstellen wie zuvor. Der geschäftsführende Gesellschafter Dieter Junghans sieht das als „Chance und Verpflichtung eines Arbeitgebers“.

Junghans-Geschäftsführer Ulf Bergjohann liefert die passenden Zahlen dazu: Sonst gab es in der Unternehmensgruppe etwa zehn Azubis pro Jahr, in den letzten Jahren dann 15, nun wird erhöht auf 30. Nach der Ausbildung geht es für die meisten im Betrieb weiter. In den vergangenen Jahren seien neun von zehn Auszubildenden übernommen worden, berichtet Bergjohann. Die Aufstiegschancen reichten vielleicht nicht „vom Tellerwäscher bis zum Millionär“, aber doch vom Azubi zum Abteilungs- oder Bereichsleiter.

Vielleicht klappt das ja auch bei Jonas Beyerle. Er hat ein Duales Studium absolviert und dabei einerseits an der Europäischen Fachhochschule in Brühl Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Handelsmanagement studiert und zugleich andererseits bei Junghans seine kaufmännische Ausbildung gemacht. Dazu kam noch ein Auslandsaufenthalt in Irland. „Das war super“, sagt Beyerle, „aber vor allem die Berufserfahrung ist wichtig.“ Nach seinem Bachelor-Abschluss wurde er übernommen und arbeitet nun bei Junghans im Bereich Controlling.

Dass Abiturienten auf dem Ausbildungsmarkt einen Verdrängungseffekt bewirken, glaubt Heinz Gehlen nicht. Der Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer schätzt, dass sich die Chancen für Haupt- und Realschüler nicht verschlechtern werden. „Wir werden sie alle brauchen“, sagt Gehlen.

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