Aachen - Donatusschützen werden von drei Frauen regiert

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Donatusschützen werden von drei Frauen regiert

Von: Georg Dünnwald
Letzte Aktualisierung:
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Es regnete wie aus Kübeln, als der Fähnrich der Bruderschaft, Hermann Ehlert, Schützenkönig in Orsbach wurde. Mit seiner Ehefrau stellte er sich unserem Fotografen. Foto: Martin Ratajczak
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Wilhelm Kost (rechts) ist ein Königs-Neuling der St. Apollonia-Schützen in Eilendorf. Benedikt Peveling ist der neue Schülerprinz der Bruderschaft.
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In Brand, bei den St. Donatus-Schützen geht es immer hoch her, vor allem dann, wenn gleich drei Frauen auf den Königs- und Prinzessinnen-Thronen sitzen. Von links Vorsitzender Herbert Stettner, Königin Hilde Emonds, Prinzessin Alina Kreus, Göran Jünger (Verdienstnadel in Silber) und Albert Stettner (Verdienstspange in Bronze).
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Köngsvogelschuss der Richtericher St. Hubertus-Schützen: Neues Königspaar im nördlichen Stadtbezirk sind Hans und Marion Barth (4. v.r.). Zum Erinnerungsfoto stellten sie sich im Kreise der Geehrten.

Aachen. Frühjahr, Sommer und Herbst, das sind die Hoch-Zeiten der Schützen. Dann putzen sie nicht ihre Gewehre, spannen ihre Bögen oder justieren die Armbrüste, dann ist die winterliche Ruhe vorbei. Da mag es regnen oder vielleicht die Sonne vom Himmel brennen: Öcher Schützen lassen sich nicht unterkriegen, die feiern ihre Feste wie sie fallen oder der Namenspatron es per Datum vorgibt.

Sie kämpfen nicht nur um die Ehre, sie kämpfen auch um Titel und Auszeichnungen, sie wollen Schützenkönig werden, Bürgerkönig, Vereinskönig, Hauptsache König. Oder in jungen Jahren Prinz. Oder in ganz jungen Jahren Schülerprinz. Und weil die Schützen längst emanzipierter sind als die Karnevalistin, haben sie auch nicht dagegen, dass statt Königen Königinnen, statt Prinzen Prinzessinnen und statt Schülerprinzen Schülerprinzessinnen den Ruhm ihres Vereins repräsentieren.

Nur – etwas verwirrend sind die Namen der Vereine. Zig Sebastianus-Schützengesellschaften gibt es, dazu gesellen sich Hubertusschützen und, und, und. Meist nennen sie sich nach dem Heiligen Sebastianus, der sich der Überlieferung nach als Hauptmann der Prätorianergarde am kaiserlichen Hof öffentlich zum Christentum bekannt hatte und notleidenden Christen half, woraufhin ihn Kaiser Diokletian zum Tode verurteilte und von numidischen Bogenschützen erschießen ließ.

Doch Sebstianus starb nicht durch die Pfeilschüsse. Nachdem ihn eine gläubige christliche Witwe gesund gepflegt hatte, eilte er an des Cäsars Hof zurück, der ihn daraufhin ergreifen und öffentlich mit Keulen erschlagen ließ. Eine ziemlich blutrünstige Erinnerung also. Beim heiligen Hubertus sah die Sache anders aus. Hubertus wird seit dem Mittelalter verehrt, weil er auf der Jagd von einem prächtigen Hirsch mit einem Kruzifix zwischen dem Geweih bekehrt wurde. Deshalb wird Hubertus als Schutzpatron der Jagd angesehen. Außerdem ist er Patron der Natur und Umwelt, der Schützen und Schützenbruderschaften.

Nach etlichen Jahren, in denen die Schützenkönige der St. Apollonia-Schützenbruderschaft Eilendorf „Wiederholungstäter“ waren, also das Königssilber bereits vorher einmal oder gar mehrfach getragen hatten, hat sich in diesem Jahr mit Wilhelm Kost ein Königs-Neuling in die Siegerlisten eingetragen.

Das Schützenfest der Apollonia Schützen hatte mit dem Ausrufen des Festes begonnen. Dabei wurden die Eilendorfer Schützen vom Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Stolberg I und von einer Abordnung der Schützen aus Puffendorf begleitet.

Am Abend fand auf dem Hof des Vereinsheims in der Nirmer Straße ein Dämmerschoppen statt. Am nächsten Tag marschierte die Bruderschaft in Begleitung des Trommler- und Pfeiferkorps Eilendorf zur Messe in St. Apollonia.

Festzug durch den Ort

Am frühen Nachmittag begann dann der Festzug durch den Ort, an dem neun Kapellen und Schützenbruderschaften teilnahmen und in dem die Fahnenschwenker des Bezirksverbands Geilenkirchen ihr exzellentes Können zeigten. Im Verlauf des Festzugs wurde der amtierende König Josef Mehlkopf abgeholt und zum Festplatz geleitet.

Bald darauf begannen die Schießwettbewerbe auf den Holzvogel, bei denen zunächst Benedikt Peveling seinen Vorjahrestitel verteidigte und damit zum dritten Male Schülerprinz wurde. Ein denkwürdiges Ergebnis, denn vor kurzem hatte der junge Schütze bereits den Titel des Scheibenprinzen errungen, der ihn für die Teilnahme am Bezirksprinzenschießen qualifiziert.

Dann entwickelte sich ein spannender Kampf um die Königswürde, den Wilhelm Kost für sich entschied, als er das Holzgeflügel – vielmehr die Reste davon – in den Staub schickte. Bei der Proklamation, die der 1. Brudermeister Günter Kirsch vornahm, blieb es Bezirksbürgermeisterin Elke Eschweiler vorbehalten, der neuen Majestät das Königssilber auf die Schultern zu legen. Günter Kirsch nutzte die Gelegenheit, der Nirmer Narrenzunft für den Service am Bierstand und dem Motorsportclub Eilendorf für den Betrieb des Grillstands zu danken.

Keine Sorge um die Frauenquote

Wenn es etwas gibt, um das sich die St. Donatus-Schützen weiterhin keine Sorgen machen müssen, dann ist es die Frauenquote. Denn die hätte die Brander Gesellschaft mit Hilde Emonds als neuer Schützenkönigin und Alina Kreus als Prinzessin bereits mehr als erfüllt. Dass aber Marion Eschmann den Titel der Bürgerkönigin erringen konnte, machte den erneuten Damen-Hattrick perfekt, nachdem es bereits im letzten Jahr ein rein weibliches Dreigestirn bei den Majestäten der Donatus Schützen gegeben hatte.

Das Schützenfest begann mit einer Fete zu Ehren der amtierenden Prinzessin Rica Kouhl im Vereinshaus an der Rombachstraße. Guter Besuch, hervorragende Stimmung und ein toller Auftritt der „Dance Evolution“ sorgten für den Wunsch nach Wiederholung im nächsten Jahr. Am Tag danach holten die Donatus-Schützen die amtierenden Majestäten – Königin Marlies Jansen und Prinzessin Rica Kouhl – am Vereinsheim ab. Von dort aus marschierte der Festzug, begleitet vom Musikzug „de Bonneploecker“, zum Ehrenmal. Nach der Kranzniederlegung und dem Gottesdienst in St. Donatus, der von den Musikfreunden Brand gestaltet wurde, fand im Pfarrzentrum der Königsball statt, zu dem das Duo „Enjoy“ aufspielte.

Der 1. Vorsitzende, Herbert Stettner, nutzte den festlichen Rahmen, um eine Reihe von Ehrungen vorzunehmen. Günter Beck, Alfred Junker, Horst Schumacher und Wolfgang Winkler können auf eine 40-jährige Mitgliedschaft zurückblicken, während Hannelore Gier seit 25 Jahren Mitglied ist. Mit der Goldenen Verdienstnadel wurde Helmut Wildschütz ausgezeichnet, Silber gab es für Jörg Altmann und Göran Jünger.

Auch ein Dauerregen konnte die Wettbewerbe am Folgetag nicht nachhaltig stören. Den Anfang machte das Prinzenschießen, bei dem Alina Kreus die ruhigste Hand bewies und den Vogel von der Stange holte. Beim Königsvogelschuss ließ Hilde Emonds den Holzvogel zu Boden gehen. Beim abschließenden Ausschießen des Bürgerkönigs vervollständige Marion Eschmann die zweite Auflage des wohl ziemlich einmaligen „Dreimäderlhauses“ der St. Donatus-Schützengesellschaft Brand.

Pudelnass wurden die Orsbacher Schützen bei ihrem Schützenfest, das sie wegen anhaltenden Regens zwei Mal unterbrechen mussten. Bereits am Freitag aber war es Lasse Drießen, der sich als Schülerprinz den Vogel holte. In alter Tradition eröffnete am Samstag das diesjährige Maikönigspaar Birte Dimmers und Christoph Vonderstein das Schützenfest mit einem Festumzug. Anschließend klang der Tag im Festzelt mit der Band „Night in Paris“ aus.

Festgottesdienst in Orsbach

Mit einem Festgottesdienst wurde am Sonntagmorgen das 150-jährige Bestehen der Pfarrkirche St. Peter begangen. Ein großer Festumzug führte am Nachmittag durch Orsbach zur Schützenwiese, an dem auch Schützenabordnungen und Dorfvereine aus Vetschau, Richterich, Laurensberg und aus der Soers teilnahmen.

Dann musste jedoch wegen des anhaltenden Regens das Königsvogelschießen auf den Montag verschoben werden. Den Titel des Schützenkönigs 2014 holte sich dann der Fähnrich der Bruderschaft, Hermann Ehlert (67), der bereits seit 33 Jahren den Orsbacher Schützen angehört. Für ihn ist es nach 1985 sein zweiter Königstitel. Treffsicherheit bewiesen auch Thomas Rong als Gönnerkönig, Ellen Seef als Königin der Schützenfrauen und Karin Körfer als Königin der Gönnerfrauen. Der Ehrenkönig jedoch muss noch zu einem späteren Zeitpunkt ermittelt werden.

In Richterich, bei den St. Hubertus-Schützen, heißt das neue Königspaar Hans und Marion Barth. Die beiden regieren jetzt ein Jahr lang die Schützen des nördlichen Stadtbezirks.

Mitarbeit: Peter Langohr und Jutta Katsaitis-Schmitz

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