Domgitter wurden auf dem Katschhof gegossen

Von: Heiner Hautermans
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Kürzlich wurde in den Kellern der Taufkapelle diese Mauerecke des karolingerzeitlichen Atriums der Marienkirche wiederentdeckt. Foto: archaeoplanristow (S. Ristow)/Köln

Aachen. Tore und Gitter des Doms sind sind mit großer Wahrscheinlichkeit in einem Schmelzofen auf dem Katschhof gegossen worden. Mit dieser Neuigkeit überraschte Prof. Harald Müller die Mitglieder des Planungsausschusses in der letzten Sitzung.

 „Ein ganz wichtiger Fund“, präzisierte der Mittelalterforscher gestern auf Nachfrage der „Nachrichten“: „Das ist neu, dass man so etwas nördlich der Alpen beherrschte.“

Dabei ist die Erkenntnis, dass es in karolingischer Zeit auf dem Katschhof einen Buntmetallofen gegeben hatte, nicht neu, sondern ziemlich genau 100 Jahre alt. Von 1910-12 gab es nämlich eine Grabungskampagne im Pfalzbereich. „Ausgraben, anschauen, wegpacken“, erläuterte Müller anschaulich die Vorgehensweise: „Es war nie Zeit, die Ausgrabungen auszuwerten.“

Das geschieht jetzt zum ersten Mal, unter anderem im Hinblick auf das Karlsjahr 2014 und ausgestattet mit Geld aus dem Konjunkturpaket I. Schon jetzt gibt es genügend Überraschungen. Viele Fundstücke stellen sich als herausragend heraus.

So sind im Depot des Landschaftsverbandes in Meckenheim Kisten aus Aachen mit Mosaiksteinchen gefunden worden, mit denen wahrscheinlich ebenfalls Karls Marienkirche geschmückt worden ist – möglicherweise auch ganz in der Nähe der Großbaustelle Dom angefertigt, gefunden nahe der Bücheltherme Anfang der 1960er Jahre.

Dass sich im Keller der Taufkapelle die Südecke des karolingischen Atriums befindet, war ebenfalls in Vergessenheit geraten. Müller: „Das war nicht einmal dem Dombaumeister bekannt. Das Wissen war verloren gegangen.“ Und ist jetzt durch die Auswertung der Grabungstagebücher wieder zum Vorschein gekommen.

Neue Forschungsmethoden

Manche Erkenntnisse sind auch erst durch neue wissenschaftliche Methoden möglich geworden, etwa genauere Datierungen. So stammen die beiden Domanbauten (nördlicher und südlicher Annex) aus unterschiedlichen Zeiten, auch der sogenannte Mittelbau auf dem Katschhof, zeitweise als Wohnhaus Karls gehandelt, ist vermutlich erst nach dem großen Kaiser errichtet worden. Es handele sich um eine Großbaustelle, in der Handwerker von 794 bis in die 20er Jahre des 9. Jahrhunderts tätig waren, sagt Müller weiter.

Der Archäologe Dr. Sebastian Ristow aus Köln legte dar, dass durch Grabungen letztes Jahr auf dem Katschhof – bei der Verlegung einer Fernwärmeleitung – bedeutende Funde aus der Zeit zwischen Römern und Karolingern gemacht wurden, die bis dahin für die Forscher weitgehend Niemandsland gewesen war. Somit konnte eine durchgehende Besiedlung nachgewiesen werden.

Herausragend etwa ein Beinkamm oder eine Keramikscherbe mit christlichen Motiven aus dem 5. Jahrhundert. „Wir haben hier einzigartige Funde.“ In Maastricht gebe es ganze Gefäße aus dieser Zeit, nicht nur Scherben. „In Köln haben wir so etwas nicht“, sagt der Privatdozent. Dies zeige, dass die Menschen zu der Zeit in Richtung Lüttich und Maastricht ausgerichtet waren, nicht zum Rhein.

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