Aachen - DNA-Spur auf Messer führte zum Täter

Whatsapp Freisteller

DNA-Spur auf Messer führte zum Täter

Von: Heiner Hautermans
Letzte Aktualisierung:
5607230.jpg
Nach der Bluttat an der 71-Jährigen wurde die Oppenhoffallee für intensive Durchsuchungen vorübergehend gesperrt – ohne durchschlagendes Ergebnis. Die entscheidende Spur fand sich erst in der Kongresstraße, wenige hundert Meter entfernt. Foto: Ralf Roeger

Aachen. In der Gaststätte „Baykus“ an der Oppenhoffallee 125, und nicht nur dort, machte sich am Montag Erleichterung breit, als die Nachricht die Runde machte, dass die Gewaltverbrechen von Anfang Mai im Frankenberger Viertel nach Auskunft der Staatsanwaltschaft Aachen aufgeklärt sind.

Inhaber Kazim Kulaksiz: „Hier sind alle froh.“ Am Vormittag des 7. Mai war in der Wohnung über dem Lokal eine 71-Jährige nach einem lautstarken Streit erstochen worden. Gäste des um 11.45 Uhr schon geöffneten Lokal hatten vor und nach der Tat einen 30 bis 35 Jahre alten Mann gesehen, auf den sich fortan die Fahndung fokussierte.

Doch nicht die mehr oder minder gute Beschreibung führte auf die Spur des Mannes, der jetzt hinter Gittern sitzt, nachdem Haftbefehl wegen Totschlags in zwei Fällen erging, auch nicht die Belohnung von 1000 Euro, die nicht nur für das Gewaltverbrechen an der Oppenhoffallee ausgesetzt worden war. Es war eine DNA-Spur im Übergangswohnheim an der Kongressstraße, in dem am 16. Mai ein 55-Jährigen ebenfalls erstochen von Sozialarbeitern aufgefunden worden war. Die Leiche, stellte sich heraus, war schon in Verwesung übergegangen, die Tat – so stellte sich in der Rückschau heraus – hatte sich bereits am 8. Mai ereignet.

Nachts festgenommen

Dass es überhaupt eine Verbindung zwischen den beiden Bluttaten gab, war auch den Fahndern bis zum letzten Freitag verborgen geblieben: In beiden Fällen ermittelten getrennte Mordkommissionen, die zwar die Ergebnisse ständig abglichen, aber zunächst keine Parallelen entdeckten. In der Wohnung an der Kongressstraße wurde dann ein Messer mit dem genetischen Fingerabdruck des 31-Jährigen gefunden, der seine DNA vor einigen Jahren nach einem Raub abgeben musste. Er wurde noch in der Nacht zum Samstag festgenommen und hat nach Auskunft von Oberstaatsanwalt Robert Deller beide Taten zugegeben. Er lebte seit einigen Jahren im Umfeld der Kongressstraße und habe ebenso wie die Opfer Kontakte zur Drogenszene am Kaiserplatz gehabt.

Ob das Messer in der Kongressstraße auch bei der Bluttat in der Oppenhoffallee verwendet worden ist, steht noch nicht fest. Auch das Motiv für die Tötung des 55-Jährigen, der sich in einem Methadonprogramm befand, ist noch nicht bekannt. Deller: „Wir sind auf das angewiesen, was er in der gegenwärtigen Situation schildert. Er macht noch keine Angaben, wie es zu der Tat in der Kongressstraße gekommen ist.“

In dem Übergangswohnheim sind nach Angaben der Stadt im Schnitt 30 Bewohner untergebracht, die einmal die Woche Besuch von Sozialarbeitern erhalten, Alleinstehende auch öfter. Als der 55-Jährige am 16. Mai nicht öffnete, ließen die Sozialarbeiterinnen, die einen starken Geruch wahrgenommen hatten, die Wohnungstüre von einem Schlüsseldienst öffnen – so wurde der Tote gefunden. In der Oppenhoffallee war es zu einem Streit beim Verkauf des Schlafmittels Diazepam, das als Psychopharmakon bei Angstzuständen verwendet wird, zwischen der 71-Jährigen und dem 31-Jährigen gekommen. Diesen erwartet jetzt eine Freiheitsstrafe von mindestens fünf Jahren, Totschlag kann aber auch mit lebenslänglichem Freiheitsentzug bestraft werden.

Die Belohnungen in der Gesamthöhe von 2000 Euro werden wahrscheinlich nicht ausgezahlt werden, sagt Oberstaatsanwalt Deller: „Die Aufklärung der Tat ist durch sorgfältige polizeiliche Ermittlungsarbeit vorgenommen worden.“

Leserkommentare

Leserkommentare (3)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert