Diskussion über die Lütticher Straße wird zum Possenspiel

Von: Werner Czempas
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Auch zur Gestaltung der Kreuzung der Lütticher Straße mit der Limburger Straße gibt es nun neue Vorschläge. Folglich vertagte die Bezirksvertretung Mitte das Thema. Foto: Sophie Feggeler

Aachen. Das war knapp. In der Bezirksvertretung Aachen-Mitte stand der Ausbau der Lütticher Straße zur Entscheidung an. Die Diskussion über den ersten Abschnitt von der Schanz bis zur Körnerstraße schrammte haarscharf an einer Schmierenkomödie vorbei. Federführend Schwarz-Grün, mutmaßlich im Bund mit der Verwaltung. Doch das Stück wurde nach 75-minütigem Spiel abgesetzt. Die Lütticher Straße ist erst in sechs Wochen wieder Thema in Aachen-Mitte.

Gegen die vorgelegten Pläne der Verwaltung zum Ausbau der Lütticher Straße gibt es Bedenken aus den Reihen der Anwohner. Weshalb die Politiker den Dialog mit den Bürgern suchten und sich gegenüber deren Wünschen auch sehr offen zeigten. Das Drängeln der Anwohner auf mehr Parkplätze, eine breitere Fahrbahn, eine längere Linksabbiegerspur in die Limburger Straße und die Beibehaltung von Tempo 50 war also auf dem besten Weg.

So mochte es denn auch nicht verwundern, dass Regina Poth, städtische Abteilungsleiterin Straßenbau, in der Bezirksvertretung Aachen-Mitte einen als „Variante 2“ titulierten neuen Ausbauplan präsentierte. Der war schön bunt und in aller Eile erst eine Stunde vor der Sitzung fertig geworden. Die baulichen Veränderungen zum ursprünglichen Plan seien „nur gering“, versicherte Poth.

Als da waren: eine von 9 auf 9,50 Meter verbreiterte Fahrbahn, schmalere Gehwege, längerer Linksabbieger in die Limburger Straße, erneut verlegte Aseag-Haltestelle Jüdischer Friedhof, zwei Bäume mehr gerettet, kaum und damit kostensparende Änderungen am Ist-Zustand der Einmündung an der Schanz.

So weit, so gut und parteienübergreifend und bürgernah. Doch es folgte der Auftritt des jungen CDU-Politikers Jörg Lindemann. Überraschend zauberte der einen exakt zur „Variante 2“ passenden, fix und fertigen schwarz-grünen Beschlussvorschlag aus der Tasche, den er an alle Fraktionen verteilen ließ. „Wir wollen zustimmen“, sagte er mit sichtlich stolzgeschwellter Brust, anwesende Bürger der Lütticher Straße brav im Blick.

Minutiös erläuterte er die Änderungen, unterlegt mit einem wiederholten „Wir wollen“ und „Wir haben“ – sehr zum Missfallen der Opposition. Denn auch SPD und FDP hatten sich intensiv mit den Bürgern zusammengesetzt. „Lauter neue Informationen“, blätterte FDP-Politiker Joachim Moselage noch sanftmütig in den frisch auf den Tisch servierten Unterlagen, bevor er zur Breitseite ausholte: „Hier sind so viele neue Punkte aufgetaucht, alles Dinge, für die wir keinen Plan vorliegen haben.

Die CDU hat offenbar einen Informationsvorsprung durch die Verwaltung. Das ist eine Ungleichbehandlung, die wir nicht akzeptieren können.“ Sein Fraktionskollege Wilhelm Helg appellierte an den „guten Brauch“, bei Beratungsbedarf einer Fraktion die Debatte zu vertagen.

Die SPD sah das ähnlich. „Es ist schwierig, noch einen Überblick zu behalten“, meinte Heiner März, nachdem immer neue Zahlen über zu fällende und neu zu pflanzende Bäume, über kleine und große Baumscheiben und Wurzelsubstrate, über Gehwegbreiten sowie alte und neue Parkplätze verwirrten. Das Thema Lütticher Straße also vertagen auf die nächste Sitzung am 27. Februar?

Noch aber wollte die vorgepreschte CDU die populistisch aufgeblähten Segel nicht streichen. Erst nach einer fünfminütigen Auszeit, in der Schwarz-Grün den Saal verließ und vor der Tür beratschlagte, gab Marianne Conradt bei: „Wir schließen uns dem Antrag auf Vertagung an.“

Um jeden Baum gerungen

Verdattert kramte Regine Poth ihr Aktenbündel zusammen. Habe die Verwaltung doch aus der Baum-Diskussion Templergraben gelernt, wie sie mehrfach versicherte, und hatte doch gerade sie um und für jeden Baum in der Lütticher Straße gerungen – und nun zeichnet sich ab, dass Bürger und Politiker eher auf ein besseres Parkplatzangebot fixiert sind.

Es rumorte in ihr, weshalb sie gereizt in die Runde fragte: „Soll ich denn in die nächste Planung mehr Parkplätze und weniger Bäume einzeichnen?“ Doch so eine komplizierte Frage mochte nach mehr als einer Stunde Debatten-Stress nun wirklich niemand mehr beantworten.

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