„Diploma 2012”: Konzepte für Tee, Brillen und eine Stadt

Von: Jan Mönch
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Geländetauglich und mit Elekt
Geländetauglich und mit Elektromotor: Kai Orkisz hat sein Lieblingsmotorrad, die winzige Honda Monkey, als Design-Objekt nachgebaut. Den Prototypen will der Student noch Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Sebastian Graefingholt hat mal einen ganz anderen Blick auf die Sache geworden. Einen nicht völlig ernst gemeinten nämlich. Der Nachwuchsdesigner stammt aus Gevelsberg, einer Stadt im Ruhrgebiet, die, wie er selbst sagt, „nicht viel zu bieten hat”.

Als Abschlussarbeit seines Bachelor-Studiums an der FH Aachen hat Graefingholt seinem Heimatörtchen einen kompletten Werbeauftritt gewidmet - und es so zum „womöglich coolsten, hübschesten, umweltfreundlichsten, friedlichsten Ort in ganz Deutschland” gemacht.

Inspiration durch Privates

Graefingholts Werk ist eine von 20 Abschlussarbeiten, die bis einschließlich heute am Boxgraben 100 der Öffentlichkeit präsentiert werden. Exakt die Hälfte davon stammt aus dem Studiengang des Produktdesigns, die andere aus dem des Kommunikationsdesigns.

Und auch wenn Graefingholts Beitrag zu der Ausstellung, die den Titel „Diploma 2012” trägt, hart an der Grenze zum Satirischen ist, zeigt sie doch, dass die Studenten sich oft von privatem Hintergrund inspirieren lassen.

Kai Orkisz beispielsweise ist erklärter Fan der Honda Monkey, einem winzigen japanischen Motorrädchen mit Kultcharakter, von dem er selbst zwei Exemplare besitzt.

Bis heute erfreuen die beiden in Serie gegangenen Varianten sich einer treuen Anhängerschaft, das zweite Modell von 1973 ist allerdings das letzte geblieben. Orkisz sieht in dem knuffigen Gefährt heute noch Potenzial und hat eine kantigere, aber nicht minder praktische Neuauflage geschaffen.

„Geländetauglich und mit wegklappbarem Lenker, außerdem natürlich mit Elektromotor”, erklärt der frischgebackene Bachelor. Klar: Bislang handelt es sich bei Orkisz „Honda e_Monkey” lediglich um einen Design-Prototypen. Seine Idee will er jedoch weiterverfolgen - für die Ausstellung habe sich schon ein Vertreter von Honda Deutschland angekündigt.

Kontaktbörse für Alumni

Was ganz im Sinne der FH ist: Denn die Diploma ist stets auch Kontaktbörse für die Alumni. „Die Arbeitgeber interessieren sich immer für die praktischen Arbeiten, kaum für die Zeugnisse”, weiß Professor Ilka Helmig.

Dass dieses Mal nur 20 Arbeiten gezeigt werden, sollte keinen Interessierten von einem Besuch abhalten. Schließlich geht es nicht um Quantität, sondern um Qualität, also um gut durchdachte und sauber umgesetzte Gesamtkonzepte.

Ein solches vermisste Jann de Vries bei der Außendarstellung des Teeladens seines Vertrauens in der Kockerellstraße. Die freundliche Beratung stellte ihn stets zufrieden, die Ware sowieso.

Die Aufmachung des Ganzen war ihm als Mann vom Fach jedoch ein Dorn im Auge. „Es gab kein einheitliches Erscheinungsbild und sogar mehrere verschiedene Logos”, kritisiert der passionierte Teetrinker - auch er hat das Thema für seine Abschlussarbeit somit im eigenen Alltag gefunden.

Am Boxgraben zu sehen ist nun ein komplettes Rundum-Sorglos-Paket für eine Teehandlung, von der aromawahrenden Teeverpackung bis zum schwungvollen Werbekonzept. Vielleicht wird auch hieraus mehr: Der Inhaber des Geschäfts sei gespannt darauf, was sein kreativer Kunde sich ausgedacht hat, sagt de Vries.

Brille mit Pfiff

Die FH steckt noch in der Umstellungsphase vom Diplom- zum Bachelor- und Master-Studiengang. Laut Professor Christoph Scheller ist dies auch der Grund für die - zahlenmäßig - etwas dünnere Ausstellung. Zu einem Dauerzustand wird dies bei der Diploma aber wohl nicht werden. Schon jetzt gibt es für die nächste Auflage im Sommer 60 Anmeldungen.

Eine der aktuellen Bachelor-Arbeiten hat es übrigens bereits zum Patent gebracht: Und zwar das neuartige Brillengelenk von Janina Ungemach.

Die Idee: Weil das eine Ohr bei vielen Menschen höher liegt als das andere, lässt das ausgeklügelte Gelenk von Ungemach sich nicht nur horizontal, sondern auch vertikal schwenken. Stufenlos gleicht das Modell so physiognomische Asymmetrie aus - erst bei einem Winkel von mehr als fünf Prozent ist Schluss. Wie man auf so eine Idee kommt? Sie ahnen es: Ungemach ist selbst Brillenträgerin.

Die Ausstellung Diploma 2012 ist noch heute von 11 bis 18 Uhr am Boxgraben 100 zu sehen.
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