Dieter Kaspari mit dem Thouet-Mundartpreis ausgezeichnet

Von: Georg Dünnwald
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Dieter Caspari

Aachen. Zweieinhalb Stunden Öcher-Platt-Programm sind lang. Fast zu lang! Für die Moderatoren, für die Auftretenden und auch fürs Publikum. Am Montagabend ging im Krönungssaal des Rathauses die Verleihung des Thouet-Mundartpreises der Stadt Aachen an den Bluesmusiker und Fotografen Dieter Kaspari über die Bühne.

Es war ein Abend mit Höhen und Tiefen. Tiefen, weil auf der Bühne ein buntes Sammelsurium von Programmpunkten auf Aachener Mundart vorgetragen wurde, die zum größten Teil mit dem Preisträger nichts zu tun hatten. Und der war der Stärkste, Dieter Kaspari ist nicht nur ein Preisträger der etwas anderen Art – „Du bist ein Alt-Achtundsechziger“, nannte ihn Manfred Savelsberg – er ist auch ein absoluter Meister des Blues, der voller Hingabe aus dem prallen Öcher Leben erzählt.

Dass am Dreikönigstag Sternsinger auf der Bühne ein Lied singen, ist Tradition – dieses Mal trugen die Kinder von St. Gregor Burtscheid ihr Lied sogar auf Öcher Platt vor: „Vür komme van feär, janz witt henger Brand“, eigens von Hein Engelhardt, dem Altmeister der Mundart, für sie geschrieben.

Nett auch, wenn die Gewinner des Kinder-Öcher-Platt-Wettbewerbs des Vereins Öcher Platt auftreten dürfen. Allerdings gewöhnungsbedürftig waren die Interviews, die die Moderatoren Manfred und Jan Savelsberg mit einigen (ausgesuchten?) Gesprächspartnern im Publikum „spontan“ führten. Caroline Reinartz, ohnehin stadtbekannt, sprudelte regelrecht über, erzählte von der Gans Anna, deren Leben zur Hungerweihnacht 1946 geschont wurde und die bei den Reinartz‘ Familienanschluss fand. „Dat Mäddche uus et Leäve“ kam beim Rest des etwa 750 Leute starken Publikums an, die Zuschauer brüllten vor Lachen.

Dieter Kaspari liegt das politische Stockpuppenkabarett „Pech und Schwefel“ im Öcher Schängche sehr am Herzen. Er untermalt die Vorführungen hervorragend mit seinem Blues. Deshalb wurden auch zwei Szenen aus den in der Barockfabrik stets ausverkauften Vorstellungen geboten. Und das war genau eine Szene zu viel, der Charme des Stockpuppenkabaretts kommt im Krönungssaal vor so großem Publikum nicht mehr rüber.

Silberne Lichtblicke beim Platt-Spektakel boten der unübertroffene Platt-Poet Hein Engelhardt, Paul Drießen und Angelika Kutsch mit dem Lied „Du bes än blivs an au Labang“ nach Charles Aznavours Lied „Du lässt dich geh‘n“ und der Preisträger selbst mit seinen zwei am Schluss vorgetragenen Blues-Songs. Klar, dass das Publikum eine Zugabe forderte. Und auch das Thouet-Priis-Orchester, René Brandt am Schlagzeug, Heinrich Fries am Saxophon und Ägid Lennartz am Keyboard, setzte Akzente. Die drei bringen sonst unterhaltsamen Swing, um so höher ist es zu bewerten, dass sie mit reinstem Blues dem Preisträger ein Ständchen brachten. Großartig!

Da konnten vorher Christel und Gert Leuchtenberg mit „Hellijjovvend op d‘r Dom“ und das Aachener Heimattheater mit seiner Adaption des „Aschenputtel“ nicht mithalten. Deren Beiträge fanden nicht den Beifall der Zuschauer.

Sehr gut aber war die Laudatio von Manfred Birmans. In reinstem Dialekt lobte der promovierte Germanist den Preisträger Dieter Kaspari über den grünen Klee: „Et hükste Öcher Loev för Dich, Dieter: ‚Du bes ja net esue schleäht‘.“ („Das höchste Aachener Lob für Dich, Dieter: Du bist gar nicht so schlecht‘.“) Wenn die Gitta Haller beispielsweise als Spatz von Aachen, Capella a capella als „Volksensemble des Münsters“, Günther Kerkhoffs als „Klüttekarajan“ und Hein Engelhardt als der „Goethe aus der Juttastraße“ bezeichnet würden, sei Dieter Kaspari demnächst der „John Lee Hooker aus dem Jakobsviertel“, scherzte Birmans. Er, Kaspari, erzähle Geschichten singend, Geschichten aus seiner Kinderzeit, von der Heimat, von „Mam än Pap“, von der Tram und dem Roskapellchen. Und alles auf Öcher Platt. Das liege daran, dass im Öcher Platt vieles mit großem Gefühl ausgedrückt werden könne. „Mich wongert dat net, dat heä vermutlich beißer Platt sprecht wie Englisch.“ („Mich wundert es nicht, dass er vermutlich Platt besser spricht als Englisch.“)

Bevor der letzte Teil des Abends, mit Öcher Börjer (Brötchen mit gebratener Blutwurst, Kartoffelpüree, gerösteten Zwiebeln und Apfelkompott, als Christophe Thouets neue Kreation für „Hömmel än Eäd“), Bier, Wein und Softgetränken beginnen durfte, übergaben Oliver Thouet, der Vorsitzende des Fördervereins für die Verleihung des Thouet-Mundartpreises der Stadt Aachen, und Oberbürgermeister Marcel Philipp die Urkunde, die bezeugt, dass Kaspari nun der 30. Träger vajjen Thouetpriis ist, der mit 1000 Euro dotiert ist.

Aus vollem Herzen sangen die Anwesenden die Stadthymne „urbs aquensis“ in der lateinischen Form und die drei von Hein Engelhardt geschaffenen Strophen auf Öcher Platt – was den meisten einen wohligen Schauer über den Rücken laufen ließ.

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