Dieter Kaspari: Lampenfieber vor Verleihung des Thouet-Preises

Von: Georg Dünnwald
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Das geht tierisch ab: Aufmerksam hört Hündin Lola ihrem Herrchen Dieter Kaspari beim Blues-Singen zu. Die 95-prozentige Labrador-Hündin wurde nach dem Hit „Lola“ der Kinks benannt. Foto: Ralf Roeger

Aachen. „Das Lampenfieber kommt am Montagabend“, sagt Dieter Kas­pari. Denn am Montagabend wird der Musiker und Fotograf mit dem Thouet-Mundartpreis der Stadt Aachen ausgezeichnet. Kaspari ist ein exzellenter Bluessänger, „das Öcher Platt eignet sich hervorragend für Blues“, ist er überzeugt und legt als Beweis seine beiden letzten CDs „De Pau erav“ und „Blues mich jet“ auf den Tisch.

Dieter Kaspari ist der erste Thouet-Preisträger, mit dem in Form einer City-Lights-Kampagne Werbung für die Verleihung und auch fürs Öcher Platt gemacht wird. Die Veranstaltung selbst, die am Montagabend im Krönungssaal des Rathauses über die Bühne geht, hat es nicht nötig, beworben zu werden. Sie ist stets ausverkauft. Bei freiem Eintritt finden etwa 750 eingeladene Besucher Platz.

„Da bekommt man auch noch für Sachen, die man gerne macht, einen Preis“, ist Kaspari immer noch einigermaßen perplex über die Überraschung, die ihm am 17. Oktober im Weißen Saal des Rathauses serviert wurde. „Manfred Savelsberg, der mit seinem Sohn Jan durch den Abend führt, hatte mich gebeten, an diesem späten Nachmittag nur ein paar Liedchen zur Unterhaltung der Anwesenden zu singen. Denn es ginge ja schließlich ums Platt, und das würde ich so unnachahmlich bringen.“

Eigentlich wollte Kaspari absagen, weil an diesem Tag die Urlaubsfahrt in den Schwarzwald mit Ehefrau Margot geplant war. Dann aber dachte er sich: „Die tun so viel für dich, da musst du dich revanchieren“. Nie hätte er vermutet, selbst als der neue Preisträger vorgestellt zu werden.

Um die halbe Welt

Dieter Kaspari ist ein aufgeräumter Mensch. „Schließlich kann ich als Rentner machen, was ich will“, sagt der 66-Jährige gut gelaunt und gießt noch eine Tasse Kaffee für seine Gäste nach. Er erzählt spannend über seine beiden Berufe: „Ich war Berufsmusiker und kenne deshalb alle Konzertsäle von Flensburg bis Reit im Winkl.“ Auf zahlreichen Tourneen begleitete Dieter Kaspari den amerikanischen Bluessänger und Pianisten Champion Jack Dupree. Um die halbe Welt ist er mit ihm gereist.

„1982 war ich Tour-Manager des japanischen Free-Jazz-Pianisten Josuke Jamashita. Die Tournee führte uns damals auch in die DDR, nach Ost-Berlin und nach Dresden.“ Was den Öcher aus dem Jakobsviertel seinerzeit beeindruckte, war die Tatsache, dass die DDR-Bürger noch zusammenhielten, miteinander redeten. „Das war in etwa so, wie ich es in meiner Kindheit im Westviertel, auf der Vaalser Straße und open Rues erlebt habe.“

Deshalb erzählt er in seinen Liedern auch ein wenig sehnsüchtig und voller Elegie von dieser Zeit, „als wir noch sonntags mit der Tram nach Vaals fuhren und Kaffee, Butter und andere Sachen schmuggelten“. Dennoch sind seine Lieder optimistisch, erzählen sie doch in bestem Öcher Platt über die als schön empfundene Kindheit. „Als wir noch in Trümmern und auf Straßen gespielt haben und das auch konnten, weil ja wesentlich weniger Autos als heute unterwegs waren.“

Das geliebte Rosviertel, „de Rues“, habe heute viel von seinem früheren Charme verloren. „Heute ist es doch nur noch eine Schlafkolonie für Leute, die sich die Wohnungen dort leisten können“, stellt er fest. Früher aber sei das Viertel voller Menschen gewesen, dabei ein bisschen verkommen, aber viele Geschäfte warteten auf ihre Kunden. „Und wir Kinder wussten selbstverständlich, was die roten Lampen an den zwei Hinterhäusern zu bedeuten hatten.“ Das Leben „open Rues“ sei bunt und vielfältig gewesen. „Das war ein Kosmos für sich“, schwärmt der Bluesmusiker.

„Das Geld für meine Familie – Margot und ich haben einen Sohn und eine Tochter, und die beiden haben wieder je ein Kind – habe ich mit meinem Fotostudio verdient“, erzählt er. An der Jülicher Straße lag es, „ich konnte ganze Landschaften aufbauen“.

Er erinnert sich, dass er einmal Werbefotos für Oliven machen sollte: „Dafür habe ich eine südeuropäische Landschaft aufgebaut, das richtige Licht ausgewählt. Da hat keiner gemerkt, dass die Landschaft eine künstliche war.“ Auch hat Kaspari mehrere Fotobände über alte Industriegebäude und interessante architektonische Meisterwerke fotografiert, zusammengestellt und herausgegeben. „Die haben sich gut verkauft“, freut er sich noch heute.

Ans Herz gewachsen

Ans Herz gewachsen ist Dieter Kaspari auch das Stockpuppen-Kabarett „Pech und Schwefel“ im Öcher Schängche. „Das ist eine tolle Sache“, betont er. Er möchte das Kabarett, das von Wendelin Haverkamp quasi erfunden wurde und nach wie vor geleitet wird, nicht mehr missen. „Wir müssen immer wieder Zusatzvorstellungen geben“, sagt er, der die musikalische Begleitung der geknubbelte Hochdeutsch sprechenden Puppen übernommen hat. „Wir sind ein tolles Team, sowohl die Puppenführer als auch deren Sprecher wie Gitta Haller und Hubert Crott.“ Er habe noch keine Vorstellung erlebt, nach deren Ende das Zwölferensemble nicht noch zusammengesessen habe, erzählt Kaspari. „Das ist ein schönes Miteinander.“

Ins Schwärmen gerät der Preisträger, wenn er über Hein Engelhardt erzählt. „Der Mann kann so beeindruckend mit dem Öcher Platt umgehen, dass es eine Freude ist. Hein Engelhardt ist ein wirklicher Poet.“ Er könne ja selbst gute Platt-Texte für seine Lieder schreiben, meint Dieter Kaspari, „an Engelhardt aber reiche ich nicht ran“.

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