Sing Kino Freisteller

Die Wiege des Öcher Platt steht in Afrika

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:
strunx_bu1
Wallfahrtsort alternativer Karnevalisten: Nicht nur alle sieben Jahre einmal, sondern siebenmal in einem Jahr zeigen die Strunxler um Rudi Zins und Manni Hammers „das Wunder von Rothe Erde”. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Ob es helfen würde, die Jüngsten direkt am Anfang ran zu lassen? Die beiden Strunx-Nachwuchskarnevalisten Ulli Laven und Yves Le Marié erklären in ihrer Nummer, was zu einem guten Strunx-Sketch dazugehört. Ein Eichhörnchen etwa - warum auch immer.

Aber eben auch Tabubrüche, alternative Albernheiten, witzige Frechheiten, Respektlosigkeiten. Sie weisen leider erst darauf hin, als bereits ein Drittel der Show gelaufen ist. Und so hat Strunx 2010 spürbar Mühe, Fahrt aufzunehmen.

Dabei ist das gut aufgelegte und durchweg bunt kostümierte Volk im Saal allemale gewillt, ihre Lokalmatadoren nach Kräften zu feiern und zu unterstützen. Kleinere Stimmungsdellen, Stammgäste wissen das, werden mit dem Anstimmen der Strunx-Hymne locker pariert. Und doch wollen die Gags anfangs in diesem Jahr einfach nicht richtig zünden. Manches zu lang, anderes zu bemüht, einiges zu klischeehaft.

Wie gut, dass zumindest das Moderatoren-Duo Zins und Hammers von Beginn an in Top-Form ist, sonst müsste man sich womöglich tatsächlich Sorgen um den Aachener Karneval machen. Aber auch ohne Verweis auf den AKV - die Anti-Karnevals-Vereinigung - sind die Herren im Zebrakostüm für jede Menge Lacher gut.

Den unumstrittenen Höhepunkt des Abends bringt Meikel Freialdenhoven mit seinen Einblicken in die Anfänge des Öcher Platt. Dass die Wiege dieses unnachahmlichen Dialekts in Afrika steht, kann spätes
tens nach seinem Auftritt niemand mehr ernsthaft bestreiten: „Wat war dat wat dat grad war?”

Damit wird die zweite Halbzeit eingeläutet, die deutlich mehr Schwung hat. Wie immer gibt es einige lokalpolitische Spitzen: Etwa jene gegen den neuen Oberbürgermeister, der im Kampf gegen die Schuldenlast alle Hoffnungen aufs Ehrenamt setzt. Oder die Frage, ob man die Luftmessstation wegen ihrer schlechten Daten nicht besser in Gegenden stellen sollte, „wo wenig Verkehr ist - zum Beispiel in die Antoniusstraße”.

Schmerzlich vermisst werden in der knapp vierstündigen Sitzung in jedem Fall die „5 lustigen 4”, die in all den zurückliegenden Jahren noch jeden flauen Witz in ein Inferno der Heiterkeit verwandelt haben. Ersatz ist nicht in Sicht, „was´n Elend”.

Strunx hat im Laufe seiner nunmehr 19 Jahre die Messlatte selbst stets ein Stückchen höher gelegt. Eigentlich kein Wunder, dass das Ensemble sie nicht jedes Jahr aufs Neue überspringen kann.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert