Aachen - Die Wege zur Wurm sind ein bisschen kürzer geworden

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Die Wege zur Wurm sind ein bisschen kürzer geworden

Von: Gerald Eimer
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Schneller ins Grüne: Dienstag wurden die neuen Durchgänge zur Wurm an der Kleingartenanlage Wiesental offiziell freigegeben.

Aachen. Auf neuen Wegen schneller ins Grüne: Das ist jetzt für die Bewohner entlang der Jülicher Straße möglich. Am Dienstag wurden die neuen Durchgänge durch die Kleingartenanlage Wiesental zur Wurm offiziell freigegeben.

Was für die städtischen Vertreter Anlass für einen kleinen Festakt war, ruft bei den Kleingärtnern immer noch überwiegend Skepsis hervor. Nach mehrjähriger planerischer Vorarbeit und zähem Ringen um einen Kompromiss, sind die drei neu geschaffenen Wege ein weiterer Baustein in dem Konzept „Soziale Stadt Aachen-Nord“, das den Bewohnern mehr Lebensqualität bringen soll.

„Viele wissen ja gar nicht, was sich hinter den Kleingärten verbirgt“, sagte Oberbürgermeister Marcel Philipp zur Eröffnung. Er findet es „sehr positiv“, dass die Anlage nun „ein Stück offener“ ist und die Bewohner in dem von Gewerbe und Industrie geprägten Quartier leichter erkunden können, „wie nahe die Natur ist“.

Er erinnerte auch an die Proteste der Kleingärtner vor dreieinhalb Jahren, die sich von den anfänglichen Planungen der Stadt regelrecht überfahren fühlen mussten. Für drei sogenannte Grünfugen sollten rund 40 der 176 Kleingärten geopfert werden. Eine offene Parkanlage hatten die Planer im Auge, von der nicht viel verwirklicht werden konnte.

Grund war der geballte Widerstand der Wiesentaler, der nach dem ersten Aufschrei eine Mediation mit harten Verhandlungen nach sich zog, die schließlich zur Umplanung führten. „Das war der richtige Weg“, ist Philipp überzeugt. „Wir haben gute Planer und tolle Ideen, wissen aber oft nicht, wie wir Konflikte von vornherein vermeiden“, räumte er selbstkritisch ein und gestand auch zu, in Sachen Bürgerbeteiligung bis heute nicht die ideale Lösung gefunden zu haben. „Aber wir werden immer besser, und Sie haben uns weitergeholfen“, lobte er die Wiesentaler.

Deren Sprecherin Petra Senden trug am Dienstag zwar ein versöhnliches Fazit in Reimform vor, doch auch das konnte das nach wie vor große Grummeln unter den Gärtnern nicht überdecken. „Das ist hier kein Stadtpark“, sagt Matthias Vonderstein stellvertretend für viele Kritiker der neuen Durchgänge.

„Normale Spaziergänger“ seien willkommen, sagen sie, doch was ist mit ungebetenen Gästen? Die Wiesentaler befürchten mehr Einbrüche und mehr Vandalismus – vor allem im Winter, wenn kaum ein Gärtner auf dem Gelände ist. Trinker könnten sich jetzt von den neuen Bänken angezogen fühlen und ihre Bierflaschen in die Gärten schmeißen. Bedenken haben sie auch wegen der Hundebesitzer, die womöglich die Tretminen ihrer Tiere nicht wegräumen. Und dann ist da auch noch die Angst um kleine Kinder, die jetzt leichter unbeaufsichtigt das Gelände verlassen können und womöglich von vorbeifahrenden Radfahrern angefahren oder – schlimmer – in die Wurm fallen könnten.

„Viele haben Ängste. Ob sie sich bewahrheiten, müssen wir abwarten“, sagt Petra Senden. Unterdessen sind die Projektleiter Christoph Ruckert und Fabian Kumkar sowie der Landschaftsarchitekt Norbert Kloeters überzeugt, dass die schlimmen Befürchtungen nicht eintreten werden. „Dass nicht alle Kleingärtner zufrieden sind, war abzusehen“, meint Kloeters, der bereits viel Erfahrung bei der Umsiedlung der Anlage „Groß Tivoli“ von der Soers in Richtung Berensberg sammeln konnte. Er selbst spricht von einem „zufriedenstellenden Ergebnis“.

Die neuen Durchgänge entlang der Wurm sind durch Tore versperrt, die zwischen 20 und 8 Uhr ganz geschlossen bleiben. Schilder machen jedoch deutlich, dass Besucher tagsüber willkommen sind. Das ist zwar nicht die große Offenheit, die die Planer anfangs im Auge hatten, „aber es wird schnell slebstverständlich werden, so zur Wurm zu gehen“, ist Kloeters überzeugt.

„Das Quartier kriegt insgesamt neuen Schwung“, freut sich Fabian Kumkar, der auch auf die neuen Spielplätze im Umfeld und die geplante Umgestaltung des Schulhofs der Martin-Luther-King-Schule hinweist. Die Eingriffe in die Kleingartenalage Wiesental haben sich Stadt und Land knapp 210.000 Euro kosten lassen.

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