Die Vormünder sind immer mehr im Stress

Von: Margot Gasper
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Kinder haben Rechte. Zur Aufgabe von Vormündern gehört es, Kindern zu ihren Rechten zu verhelfen: die Vormünder Thomas Pyls und Willi Kiessner, Abteilungsleiterin Brigitte Drews, Teamleiter Horst Hütten und Vormund Claudia Savelsberg (von links). Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Claudia Savelsberg hat für 51 Kinder zu sorgen. Sie schmiert ihnen nicht die Butterbrote. Und sie kontrolliert auch nicht die Hausaufgaben. Aber sie trifft alle Entscheidungen, die in die Verantwortung von Eltern fallen. Claudia Savelsberg ist Vormund.

Die Mitarbeiterin des städtischen Jugendamts vertritt Minderjährige, deren Eltern ihre elterliche Sorge nicht ausüben können oder dürfen. Ihr Kollege Thomas Pyls, ebenfalls Amtsvormund bei der Stadt Aachen, hat aktuell 54 Mündel. Wenn die Beiden über ihren Arbeitsalltag berichten, dann ist das auch ein Alarmruf.

„Wir sind am Limit“, sagt Horst Hütten, Leiter des städtischen Teams Vormundschaften, ganz deutlich. Die Zahl der Vormundschaften sei mittlerweile so groß, dass die Arbeit kaum zu bewältigen sei. Die städtischen Vormünder kümmern sich um 166 Vormundschaften (Stand 30. Juni). Neben den Amtsvormündern führen in Aachen auch die Arbeiterwohlfahrt, der Sozialdienst Katholischer Frauen (SKF) und der Katholische Verein für soziale Dienste (SKM) Vormundschaften. Am 30. Juni betreuten die Vormünder dieser freien Träger 169 Kinder und Jugendliche. „Auch die Verbände sind zu 100 Prozent ausgelastet“, sagt Hütten.

Die Situation hat viel mit der Grenzlage der Stadt zu tun. Ein Drittel der Mündel, die aktuell einen Amtsvormund haben, sind zum Beispiel unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, erläutert Horst Hütten. Sie werden in Aachen aufgegriffen und hier vom Jugendamt versorgt.

Der Arbeitskreis der Vormünder in Aachen hat jüngst ein Ziel formuliert. Ein Vormund soll sich höchstens um 40 Mündel kümmern. Nur so sei eine gute Arbeit im Sinne der Kinder möglich. In der Realität allerdings wird häufig sogar die – mittlerweile vorgeschriebene – Obergrenze von 50 Mündeln pro Amtsvormund überschritten. „Wie soll es auch anders gehen“, sagt Hütten. „Die Stadt ist schließlich verpflichtet, die Vormundschaften zu führen, wenn sie angeordnet werden.“

Die Schicksale, mit denen die Vormünder zu tun haben, sind vielfältig. Willi Kiessner von der Arbeiterwohlfahrt führt derzeit 39 Vormundschaften. Das bedeutet 39 junge Menschen und 39 oft nicht einfache Lebensgeschichten. Auch Kiessner sagt: „Im Sinne der Mündel brauchen wir mehr Stellen.“

Brigitte Drews, Leiterin der Abteilung Soziale Dienste und Jugendpflege im Fachbereich Kinder, Jugend und Schule, hat längst Verstärkung beantragt. „Wir brauchen eine Vollzeitstelle mehr“, rechnet Drews vor, „ob diese Stelle bei der Stadt oder bei einem der freien Träger installiert wird, da bin ich offen.“

Nach der Sommerpause wird sich die Politik mit der Thematik befassen müssen. Denn die Personallage wird sich nicht entspannen, sind Thomas Pyls und seine Kollegen überzeugt: „Wir sind die erste Stadt hinter der Grenze. Der Zustrom wird nicht aufhören.“

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