Aachen - Die teure Brücke sorgt für neuen Ärger

Die teure Brücke sorgt für neuen Ärger

Von: Alfred Stoffels
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Voreilig: Hier sollte eigentlich die tolle Brücke über die Krefelder Straße ihren Anfang beziehungsweise ihr Ende nehmen, doch das Schild auf dem Tivoli-Vorplatz macht falsche Versprechungen - das teure Bauwerk wird es in der geplanten Form nicht geben. Foto: Harald Krömer

Aachen. Die Opposition ist auf dem Kriegspfad. Nachdem OB und Baudezernat die superteure Fußgängerbrücke am Tivoli aus heiterem Himmel gestrichen haben, wird in Teilen der Rates gemeutert - nicht unbedingt wegen der Entscheidung selbst, sondern wegen der Verfahrensweise.

Insbesondere bei SPD und FWG herrscht Säuernis: Zum einen fühlt man sich miserabel informiert und eingebunden, zum anderen wird gefragt, ob die Verwaltung im Alleingang einen offiziellen Ratsbeschluss kippen kann. Auch will man haarklein die Verantwortlichkeiten für die Kostenexplosion klären lassen. Planungsausschuss und Rat werden sich des Themas annehmen müssen.

Wie berichtet, hat sich das ehrgeizige Projekt „Radwegebrücke Krefelder Straße” zum Fass ohne Boden entwickelt: Nach ersten Berechnungen sollte das Bauwerk um die 800.000 Euro kosten, diverse Korrekturen und Nachbesserungen später war man bei rund zwei Millionen Euro gelandet.

Anfang Dezember dann gingen die Ausschreibungsangebote ein - der billigste Bieter lag bei 2,35 Millionen Euro. Wobei die Verwaltung davon ausgeht, dass diese Summe noch immer nicht das Ende der Fahnenstange darstellt. Also zogen OB Marcel Philipp (CDU) und die Beigeordnete Gisela Nacken (Grüne) Ende des vergangenen Jahres die Reißleine und schoben das unbezahlbar werdende Gebilde in den Orkus.

„Richtig und gut” nennt SPD-Ratsherr Norbert Plum die Idee, den permanenten Kostensteigerungen ein Ende zu setzen, allerdings sei fraglich, ob das auf die gewählte Tour gehe. Immerhin sei der vom Rat beschlossene Bebauungsplan „geltendes Recht”, und der sehe nun mal eine Brücke vor.

Der planungspolitische Sprecher der Sozialdemokraten: „Im Verkehrsgutachten wird eine Brücke vehement gefordert. Was ist, wenn ein Unfall passiert? Wer übernimmt dann die Verantwortung?” (Philipp und Nacken haben ausdrücklich offen gelassen, ob nun eine Billigbrücke hinkommt oder die Sicherheit der die Straße querenden Zuschauermassen „mit ordnungsrechtlichen Maßnahmen und Personaleinsatz gewährleistet werden kann”.) Klären lassen will Plum auch, wer die Schuld an der permanenten Verteuerung des Brückenunternehmens trägt, „es hat ja offenkundig Fehlentwicklungen gegeben”.

Davon ist auch Hans-Dieter Schaffrath überzeugt. Der Ratsherr der FWG vermutet unter anderem Ungenauigkeiten bei der Ausschreibung, ansonsten könne die Stadt ja Schadenersatzansprüche gegen den beauftragten Planer stellen, was sie aber offensichtlich nicht vorhabe. Da gebe es nur eins: totale Aufklärung, was die Hintergründe angehe - „in der Sache mag der Stopp des Projekts richtig sein, mich verwundert aber die große Hektik dabei”.

Was laut Schaffrath überhaupt nicht geht, ist die Art und Weise, in der Philipp und Nacken Fakten geschaffen hätten, „dadurch kann der ganze Bebauungsplan ungültig werden, mit allen möglichen Folgen”. Deshalb hat er für die Ratssitzung am 20. Januar eine umfängliche Anfrage eingereicht, mit deren Hilfe er etwa wissen will: „Ist es zulässig, dass die Verwaltung einen Ratsbeschluss eigenmächtig ändert?”

Der FWG-Mann ist eher vom Gegenteil überzeugt und sagt: „Ich bin seit elf Jahren im Rat, aber das habe ich noch nicht erlebt. Wir sind doch nicht in einer Bananenrepublik.”

Entspannter sieht die FDP den Vorgang. Eingedenk der schönen Pläne, die Stadt an der Krefelder Straße mit einem echten Hingucker zu versehen, bedauert Fraktionschef Wilhelm Helg das Scheitern der Pläne, sieht wegen der finanziellen Unkalkulierbarkeit aber auch Vernunft am Werk: „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.”
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