Aachen - Die Suche nach dem Dialog

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Die Suche nach dem Dialog

Von: Holger Richter
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Bis einer weint: Die eine Seite fühlt sich durch den Vorstoß der anderen überrumpelt. Die andere Seite beklagt, dass von den einen niemand auf sie zugekommen sei.

Bei der Alemannia wird derzeit wieder übereinander statt miteinander geredet. Doch spätestens am Donnerstagabend ist Schluss damit, bei der Jahreshauptversammlung im Eurogress müssen die einen - die Vereinsgremien- mit den anderen - den Vereinsmitgliedern - reden. Gesprächsthema werden neben den Nachwahlen zu Aufsichts-, Verwaltungs- und Ältestenrat sowie den Berichten aus den Abteilungen vor allem die Anträge auf Änderung der Vereinssatzung sein.

Kernpunkt der von einer rund 15-köpfigen Satzungsgruppe erarbeiteten Änderungsvorschläge ist der Wunsch nach mehr Demokratie im Verein. „Wir wollen weg vom Nasenfaktor”, beschreibt Andreas Wergen die Tatsache, dass bei den Wahlen zu den Vereinsgremien immer nur genau ein Kandidat pro Amt aufgestellt wird. „Aber das lässt die bisherige Satzung doch auch zu”, erwidert Alemannia-Präsident Alfred Nachtsheim, auch wenn er einräumen muss, das davon bisher kein Gebrauch gemacht wurde.

Dass es diese Option in der Satzung gibt, verneint auch Wergen nicht. „Wir wollen das aber zur Pflicht machen”, sagt der 25-jährige Lehramtsstudent, der aktiv an der Erarbeitung der Änderungsvorschläge mitgearbeitet hat. Nachtsheim gibt diesbezüglich zu bedenken, dass es dafür im Zweifelsfall nicht genügend Kandidaten gebe. Und überhaupt: Wenn sich jeder mit 50 Unterstützerunterschriften zur Wahl stellen könne, drohe das Chaos.

„Ich finde es unmöglich, wenn unser Wunsch nach mehr Demokratie mit chaotischen Verhältnissen gleichgesetzt wird”, entgegnet Andreas Wergen. Außerdem wolle man das passive Wahlrecht ja gar nicht auf die 50 Unterschriften beschränken, „alle anderen Kriterien sollen ja bestehen bleiben”, so Wergen, „wer für den Verwaltungsrat kandidiert, muss natürlich Ahnung von Wirtschaft nachweisen können.” Im übrigen findet es Wergen schade, dass es bislang keinerlei inhaltliche Auseinandersetzung mit der Satzungsänderung gegeben habe. „Alle Einwände, die wir gehört haben waren rein formell”, etwa dass die Vorschläge zu kurzfristig seien.

„Mehr als ein Jahr”

„Wir arbeiten schon seit mehr als einem Jahr an der Änderung”, sagt Wergen dazu. Teile seien auch bei der Jahreshauptversammlung 2010 beschlossen worden. Andere Teile, die nun zur Abstimmung vorliegen, habe man damals wegen der damalige Bürgschaftsverhandlungen mit der Stadt zurückgestellt.

„Es war bekannt, dass wir daran arbeiten, aber keiner ist von Vereinsseite auf uns zugekommen.” Damit entkräftet Wergen auch das Argument, dass man die Satzung nur ändern wolle, um den Ex-Präsidenten Horst Heinrichs als Kandidaten für den Ältestenrat durchzubringen. „Ich hätte Horst Heinrichs zwar gerne im Ältestenrat gesehen”, sagt Wergen, „aber diese Messe gelesen.”

„Wir haben objektive Gründe, Horst Heinrichs nicht aufzustellen”, begründet Alfred Nachtsheim die Ablehnung des Kandidaten, dazu habe man sogar ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben. Darüber habe man auch mit Heinrichs reden wollen, „das hat er aber abgelehnt”.

So schlüssig Rede und Gegenrede, Argumentation und Gegenargumentation auch klingen, das Problem ist, das der oben dargestellte Dialog eben nicht miteinander stattgefunden hat, sondern übereinander.

„Was den Vorstand stört, ist dass die Satzungsänderungen nicht im Dialog mit uns vorgeschlagen wurden”, sagt Nachtsheim. „Wenn es einen Dialog gegeben hätte, dann hätte es sicher auch einen Kompromiss gegeben”, sagt Andreas Wergen. Immerhin: Diesen Dialog wird es am Donnerstag geben. Mal sehen, ob am Ende einer weint.
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