Aachen - Die Streikenden sind von der Resonanz „überwältigt”

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Die Streikenden sind von der Resonanz „überwältigt”

Von: Heiner Hautermans
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Sammelten Hunderte von Unterschriften: Birgit Bartsch und Ivonne Windrich (v. l.).

Aachen. „Es geht nicht um Kinderstühlchen oder Rückenmassagen in der Arbeitszeit”, erläutert Suellen Will, Erzieherin in Haaren, auf dem Holzgraben.

Und es gehe auch nicht nur um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Beschäftigten in den Kindertagesstätten, sondern auch um zu große Gruppen, zu viele kleine Kinder, zu wenig Zeit für die Jungen und Mädchen - kurzum um eine bessere Betreuung des Nachwuchses und damit letztlich um unser aller Zukunft.

Das verstehen die Passanten, zumal die gebürtige Niederländerin Suellen Will es ihnen auch auf Niederländisch erläutern kann. So unterschreibt nach kurzem Zögern auch ein Ehepaar aus Tynaarlo, einem Ort bei Groningen, das zum Shoppen nach Aachen gekommen ist.

Oft brauchen die mehreren Dutzend Erzieherinnen und Sozialpädagoginnen, die sich am Verdi-Infostand in der Fußgängerzone zusammengefunden haben, gar nicht groß Vorbeigehende anzusprechen, die Sympathisanten kommen von sich aus zum Tisch und unterzeichnen die Unterstützerschreiben, die quasi zum Selbstläufer wurden. Verdi-Sekretär Viktor Petje schätzte die Zahl der Unterschriften schon am Nachmittag auf rund 3500. „In wenigen Stunden war ein Riesenstoß ausgefüllt. Das war schon überwältigend.”

Zwar habe es einen kleinen Teil der Fußgänger gegeben, die sich erst reserviert gezeigt hätten, weil durch den Streik erst einmal Stress in vielen Familien herrscht. Wenn man aber die Beweg- und Hintergründe erläutere, zeigten sie schnell Verständnis und griffen zum Griffel und trügen sich mit Namen und Adresse ein. Die Listen mit der Überschrift „Chancen sichern - Anerkennung fordern” werden schließlich den Arbeitgebern zugeleitet.

„Ich bin erstaunt, wie groß die Resonanz ist”, sagt auch Birgit Bartsch, „wir haben gar nicht so viel Material.” Sie hat am eigenen Leib zu spüren bekommen, wie sich die Arbeitsbedingungen immer weiter verschlechtert haben. „Ich bin seit 22 Jahren dabei, der Druck wird immer größer.” Kollegin Ivonne Windrich: „Nur Leute, die fit sind, können auch Kinder fit machen.”

Und so kommt Zustimmung aus allen Bevölkerungsschichten, von Schülern bis zu Rentnern. „Viel Erfolg” etwa wünscht Harald Mentz: „Wir haben drei Kinder, alle schon über 20 Jahre alt. Als die im Kindergarten waren, war die Situation schon schlimm. Jetzt ist sie unerträglich.” Ähnlich argumentiert ein 48-jähriger Autor, Vater von zwei kleinen Kindern: „Ich weiß, unter welchen Bedingungen die Kindertagesstätten arbeiten müssen.”

Am Donnerstag blieben für Notfälle vier Kindertagesstätten mit 260 Plätzen für Drei- bis Sechsjährige geöffnet. Die Zahl habe ausgereicht, sagt Björn Gürtler vom Pressebüro. Dennoch habe es wieder Beschwerden gegeben, 50 bis 60 Anrufe pro Tag. Dennoch fühle sich die Stadt bisher fair von den Gewerkschaften behandelt, man sei rechtzeitig informiert worden.

Noch nicht abzusehen

Wie es nächste Woche weitergehen wird, ist momentan freilich noch nicht genau abzusehen. Verdi hat angekündigt, dass es auch am Dienstag und Mittwoch Streiks geben wird. Allerdings hat die Stadt noch keine Information der Gewerkschaften, was genau in Aachen passieren wird. Heute jedenfalls wird normal gearbeitet.
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