Aachen - „Die Solidarität ist einfach fantastisch“

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„Die Solidarität ist einfach fantastisch“

Von: Lee Beck
Letzte Aktualisierung:
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Kreuzweg der Arbeit

Aachen. Es ist gerade noch genügend Platz in der kleinen Kapelle Sankt Martin in der Herinrich-Hollands-Straße, als Willi Calitz vom Vorstand der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung im Bistum Aachen (KAB) anfängt zu sprechen.

„So gehen wir jedes Jahr den Kreuzweg der Arbeit, weil wir meinen, dass sich die Kreuzigungen jedes Jahr wiederholen“, liest er vor und meint das Schicksal der Angestellten von Bombardier. Auf seiner hellgelben Warnweste prangt der Spruch: „Arbeit geht vor Kapital, Kirche ist solidarisch“. Alle beteiligten Organisatoren der verschiedenen Gruppierungen aus Aachen tragen diese Weste.

Die Kirche Sankt Martin ist die erste Station des Kreuzweges der Arbeit unter dem Motto „Gebrochene Worte, gebrochene Menschen“. Für Solidarität und Gleichberechtigung soll der Weg ein Zeichen setzen, und viele sind gekommen, um ihre Anteilnahme zum Ausdruck zu bringen.

Calitz wird von Ralf Duzinski, einem direkt Betroffenen der Schließung des Bombardier-Werkes, abgelöst. Duzinski ist überwältigt: „Die Solidarität ist einfach fantastisch.“ Er zeigt auf das Kreuz, das in der Vorbereitung für den Kreuzweg gebaut wurde. „Es ist zwar nicht ganz gerade, aber im Leben verlaufen auch nicht alle Wege gerade“, sagt Duzinski. Auch Marga Müller, ebenfalls vom Vorstand der KAB, schließt sich an: „Das Urteil ist gefällt! Pilatus hätte sich für den Menschen Jesu entscheiden können, aber er hat sich für die Gesetze des Marktes und die vielen Schreier dieser Welt entschieden.“

Mit zitternder Stimme

Ihre Stimme zittert ein wenig. Es scheint, als würde keinen der Anwesenden das Schicksal der 600 Menschen und deren Familien loslassen: Hier wird genickt, dort die Hand gehalten. Doch die Liste der Betriebe und Firmen der Region, die im vergangenen oder diesem Jahr Arbeitnehmer entlassen haben oder werden, ist noch viel länger. Auch den Tausenden weiteren Betroffenen gilt dieser Kreuzweg, denn auch ihre Schicksale sind wie Stolpersteine auf dem Weg zur Gleichberechtigung. „Die große Anteilnahme ist einfach erstaunlich. So viele Menschen erkennen die schreckliche Situation der Beschäftigten, die jetzt um ihre Zukunft bangen“, berichtet Willi Calitz.

Zumindest beim Kreuzweg gab es einen geraden Weg. Denn der verlief schnurstracks über die Jülicher Straße zum Talbot-Werk. Die mehr als 100 Teilnehmer in allen Altersklassen trugen große und kleine Kreuze am Talbot-Werk vorbei, zur ehemaligen Fabrik Kaiserbrunnen und zum Gebäude des Deutschen Gewerkschafstbundes. „Sonst hat der Kreuzweg eher eine allgemeine Bedeutung für die Menschen, die keine Arbeit haben und deswegen nicht am Leben teilhaben können“, sagt Karin Linzenich von der KAB. Doch dieses Mal sei der Kreuzweg etwas Besonderes. „Der Grund ist handfest, es stehen Gesichter dahinter“, fügt sie hinzu.

Ihre Tochter Ute Linzenich ist eine der vielen Teilnehmer des Zuges. „Ich komme hier aus der Pfarre und bin mit Talbot groß geworden. Es ist wichtig, ein Zeichen zu setzen, wenn Leute aus Profitgründen entlassen werden“, betont sie. Sie hat die Hoffnung nicht aufgegeben, dass der Standort gesichert oder zumindest ein gutes Konzept für die Betroffenen entwickelt werden kann.

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