Die Soerser wollen ihr Grün verteidigen

Von: Werner Czempas
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Gefragte Wohnlage: Doch jetzt fürchten Anwohner rund um den Soerser Weg, dass der grüne Charakter des Viertels durch eine dichtere Bebauung verloren gehen könnte. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Wer lässt sich schon gern in feiner Wohnlage den schönen Blick ins ringsum weitläufige Gartengrün vermasseln? Genau das aber befürchten hunderte Hauseigentümer und Anwohner am Soerser Weg. Gegen den „Bebauungsplan Nr. 929 – Soerser Weg/Wohnbebauung“ riefen sie das Bürgerforum um Hilfe.

Am Bebauungsplan Nr. 929 wird mit allen Vorüberlegungen schon seit dem Jahr 2008 gebastelt. Er begrenzt das Gebiet am Fuß des Salvatorbergs zwischen Kardinalstraße/Elsa-Brandström-Straße vorbei am Parkgelände Champier Richtung Karolingerstraße und von einem dortigen Teilstück in Zick-Zack-Haken quer durchs Gelände zurück zur Krefelder Straße. Mittendurch kurvt sich sanft der Soerser Weg.

Genau dort stößt der von Mitte Mai bis Mitte Juni dieses Jahres öffentlich ausgelegte Planentwurf auf Widerstand. Anwohner erheben Einspruch. In kurzer Zeit wurden 140 Unterschriften gesammelt. Der Hauptvorwurf lautet: „Der vorliegende Entwurf 2014 hat sich gravierend und über Nacht in Richtung eines Verdichtungsplans verändert.“ Alle Vorentwürfe von 2010 an hätten eine „maßvolle Steuerung der baulichen Entwicklung“ gezeigt. Eine Doppelbebauung auf größeren Grundstücken sei nicht möglich gewesen. Nun aber doch.

Der „Verdichtungsplan“ gehe am vom Planungsausschuss gesetzten Ziel vorbei, den Charakter des Viertels zu sichern mit Einfamilienhäusern und Vorgärten, einer prägenden Durchgrünung und großzügigen Grundstücken. Etliche Anrainer hätten dem beim Kauf ihres Hauses vertraut. „Wir Bürger fühlen uns daher fehlinformiert“, kritisieren sie die „Kehrtwende“ der Verwaltung.

Der wünscht die Initiative, an deren Spitze bekannte Persönlichkeiten wie die Professoren Christoph Fromme und Hans-Karl Rouette sowie der ehemalige Aseag-Chef Peter Appel stehen, „keine Furcht vor Eingriffen in das Eigentumsrecht“. Die Gegner des Bebauungsplans fragen: „Soll es zulässig sein, dass die Erben von großen Grundstücken mit prächtigen und für das Klima in der Soers so notwendigen Gartenanlagen noch zirka ein Drittel mehr Gewinn durch Teilung und Doppelbebauung erzielen können als wenn sie das Grundstück als Ganzes verkauften?“ Der Gewinn weniger gehe stets auf Kosten vieler Anrainer. Die würden durch zunehmenden Autoverkehr über private enge Zufahrtswege zu den hinteren, nun wie beabsichtigt zur Bebauung freigegeben Gartengrundstücken mit täglichem Lärm und Schadstoffausstoß belastet – „vom Wertverlust der betroffenen Grundstücke ganz zu schweigen“. Weitere Befürchtungen: In den rückwärtigen Gärten könnten Garagen, Carports und Stellplätze zugelassen werden.

Die Politiker im Bürgerforum zeigten zwar Verständnis für die „Bauchschmerzen“ der Anlieger, so Alexander Gilson (CDU), doch zeige der Bebauungsplan nur „die maximalen Möglichkeiten“ auf. Gilson: „Das heißt nicht, dass morgen in der Soers die Bagger anrücken.“ Gleichwohl müssten die jetzigen Änderungen noch einmal im Planungsausschuss beraten werden. Die Bürger könnten davon ausgehen, dass „die Grundzüge einer positiven Regelung für die ­Soers“ beachtet würden. SPD-Sprecher Manfred Bausch betonte, die Stadt brauche „mehr Wohnraum in allen Qualitäten“. Der Verwaltung bescheinigte er beim Bebauungsplan Soers eine „vernünftige Balance“, ihre Abwägungen seien „vertretbar“.

Abteilungsleiter Harald Kriesel vom Fachbereich Stadtentwicklung machte denn auch darauf aufmerksam, ohne Bebauungsplan werde die Verdichtung am Soerser Weg „immer weiter zunehmen“.

Denn ohne Bebauungsplan gelte § 34 Bundesbaugesetz. Danach habe die Stadt weniger Möglichkeiten, eine der „Innenstadtlage angemessene“ Bebauung der hinteren Gartenflächen zu verhindern. Das betreffe auch die Höhe der Gebäude. So liegen heute schon, ohne Bebauungsplan, Häuser am Soerser Weg in der zweiten, dritten und sogar vierten Reihe der einst großen Grundstücke.

Die Verwaltung verwies darauf, dass „entgegen den Behauptungen der Beschwerdeführer“ auch schon im Vorentwurf aus dem Jahr 2010 „sieben zusätzliche Baufelder für die Errichtung von Neubauten auf ungeteilten Grundstücken vorgeschlagen waren“. Im neuen Plan seien es zwölf. Überdies sei die Summe aller Bauflächen im betroffenen Gebiet um fast 1000 Quadratmeter reduziert worden. Die Verwaltung: „Die Kritik der Beschwerdeführer trifft mengenmäßig und inhaltlich nicht zu.“

Gleichwohl reichte das Bürgerforum das Thema Soerser Weg noch einmal zurück an den Planungsausschuss. Die neue Ausschussvorsitzende Elisabeth Lassay (Grüne) versicherte den Soersern: „Wir haben Ihre Bedenken verstanden.“

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