Die Schauspielerin Waltraud Schink wird 80 Jahre alt

Von: Grit Schorn
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Blickt auf eine fast 50-jährige Bühnenkarriere zurück: Schauspielerin Waltraud Schink, die am Montag 80 Jahre alt wird. Mit einer Lesung aus dem Werk von Herta Müller wird sie sich am 11. Dezember an einer Lesung der Literatur-Nobelpreisträgerin beteiligen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Die Stimme klingt so frisch, die Bewegungen wirken immer noch leicht und elegant. Man glaubt es kaum: Am kommenden Montag, 23. November, kann Waltraud Schink ihren 80. Geburtstag feiern. Doch sich selbst feiern liegt der gebürtigen Hildesheimerin, die 1958 ans damalige Stadttheater in Aachen kam, nicht so sehr.

Die politisch hellwache Frau, die einst als Kind vom Nazi-Stiefvater einschlägig „gedrillt” wurde, ging nach 1945 ihren eigenen Weg. Nie mehr wollte sie sich beeinflussen und benutzen lassen oder gar politisch gleichgültig werden. So war sie in Aachen im Wanderkirchenasyl sehr aktiv. Immer noch liest sie öffentlich aus antifaschistischen Texten. Auch mit der Kurden-Problematik hat sie sich auseinandergesetzt, ebenso mit der Geschichte des Judentums.

Eigentlich hätte sie gerne „Geschichte studiert”. Sie sagt, sie sei „nicht aus Berufung” Schauspielerin geworden, sondern eher „aus Not und per Zufall”. Bürstenmacherin sollte sie nach dem Krieg werden, doch die harte, eintönige Lehre gefiel der jungen Waltraud gar nicht.

Als in Nordhorn Aushilfen fürs Theater gesucht wurden, verdingte sie sich für 120 Reichsmark erst mal als „Mädchen für alles”. Bald schon aber tanzte und sang sie in Operetten. Trotz erfolgreicher Schauspielausbildung und einer fast 50-jährigen Bühnenkarriere hat sie „viel Distanz zum Theaterberuf”. Und das, obwohl sie inzwischen sogar Ehrenmitglied des Theaters Aachen ist.

An die hiesigen städtischen Bühnen kam sie 1958 mit ihrem damaligen Mann Günther Epperlein, der seine aparte junge Frau dem Intendanten Mundorf per Foto „schmackhaft” gemacht hatte.

Mit dem allseits beliebten Kollegen Heino Cohrs stand sie oft auf der Bühne und konnte als Hexe im Weihnachtsmärchen ebenso wie als jugendliche Naive oder Seeräuber-Jenny begeistern. 1991 kam die Rente, doch statt aufs Altenteil setzte sie sich ganz neu in Szene - so auch 1998 in der glamourösen Eröffnung des Grenzlandtheaters in der Elisen-Galerie. In „Cabaret” glänzte die damals 69-Jährige als verhärmtes „Fräulein Schneider”, das sich dem Nazi-Zeitgeist beugt.

Mit jungem Geist, exzellentem Gehör und immer noch pechschwarzer Haartracht - letzteres von ihrem Friseur „empfohlen” - schreckt die zartgliedrige Frau das Älterwerden nicht sonderlich. Natürlich gibt es „größere und kleinere Wehwehchen”, räumt sie ein, doch sie fühlt sich „wohl und glücklich”, auch wegen der „großartigen nachbarschaftlichen Beziehungen” in ihrem Wohnhaus. Traurig mache sie nur, dass seit 1979 zehn Kolleginnen von ihr gestorben seien, alle jünger als sie selbst, darunter die viel geschätzte Hedwig Feuerstein und Barbara Blume.

Irgendwann wollte die vielseitige Mimin nicht mehr auf die Bühne, denn sie möchte „immer 100 Prozent” geben, und das falle bei anspruchsvollen Rollen langsam schwerer.

Ihre Lesungen aber will sie unbedingt beibehalten, so auch die Veranstaltung am 11. Dezember: Anlässlich der Verleihung des Literatur-Nobelpreises an Herta Müller wird sie bei einer Würdigung im Suermondt-Ludwig-Museum aus Herta Müllers Werken vortragen - natürlich auch aus „Atemschaukel”, dem Roman, der Müller den Preis eingebracht hat.
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