Aachen - Die Rechnung am alten Tivoli stimmt nicht mehr

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Die Rechnung am alten Tivoli stimmt nicht mehr

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:
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Wie baureif ist das Areal des alten Tivoli eigentlich? Diese Frage bewegt inzwischen einige der Grundstücks­käufer. Foto: Harald Krömer

Aachen. Unter Bauwilligen, die am alten Tivoli ihr neues Zuhause planen, geht die Sorge um, ob ihre Rechnungen noch aufgehen. So habe die Stadt die Grundstückskäufer über die schlechte Bodenqualität nicht umfassend aufgeklärt, beklagen Bauherren in spe. Darüberhinaus müssen sie sich mit weiteren kostentreibenden Faktoren rumplagen. Unter anderem muss der bereits verabschiedete Bebauungsplan wegen angeblich fehlerhafter Berechnungen überarbeitet werden.

Zu denen, die ihre Kalkulation immer wieder neu überdenken müssen, gehört Kilian Schumacher. Die anfängliche Freude, den Zuschlag für eines der stark gefragten Grundstücke auf dem Areal an Krefelder- und Merowingerstraße erhalten zu haben, hat sich in der jungen Familie des Architekten zwischenzeitlich getrübt. Denn nicht nur er meint, dass die Stadt die Grundstücke überteuert verkauft habe. „Die zusätzlichen Kosten wurden runtergespielt“, sagt er. Selbst Reihenhäuser seien dort nicht unter 400 000 Euro zu haben, hat er durchgerechnet. „Für Familien ist das nicht angemessen.“

Viel Geld muss unter anderem in die Erde gesteckt werden, sagt Schumacher. Zwar hat die Stadt alle Käufer per Gutachten über Trümmerschutt und Belastungen im Untergrund informiert, über die Tragfähigkeit der aufgeschotterten Fläche sage das jedoch nichts aus. Laut Stadt hätten die Auffüllungsmaterialien eine Mächtigkeit von bis zu 2,30 Meter. Schumacher aber hat ein eigenes Gutachten erstellen lassen, in dem gewachsener Boden erst in 2,90 Meter Tiefe nachgewiesen wurde.

„Der schlechte Boden war so nicht zu erahnen“, sagt er. Die Gründungskosten würden daher um bis zu 10 000 Euro steigen. Schon fragt er sich, wie baureif die Grundstücke eigentlich sind.

Schwer zu schaffen macht den Bauwilligen jedoch auch der Bebauungsplan, in dem Abstandsflächen und Höhen offenbar nicht einzuhalten sind. Tatsächlich soll er überarbeitet werden, wie die Stadt auf Anfrage bestätigt. Sie spricht bislang allerdings nur von einem höheren Gebäude an der Krefelder Straße, nicht von Problemen bei den Eigenheimen. Doch auch Geschosshöhen für die Häuser am ehemaligen Würselener Wall sollen falsch berechnet worden sein.

Bei den Grundversorgungs- und Erschließungskosten ist aus Sicht der Bauwilligen ebenfalls nicht mit offenen Karten gespielt worden. Sie werden ihre Häuser aus lufthygienischen Gründen ans Fernwärmenetz der Stawag anschließen lassen müssen. Anschlusskosten sollten nicht entstehen, sei den Käufern zunächst signalisiert worden. Da das Versorgungsgebiet jedoch klein ist und die Häuser energieeffizient gebaut werden müssen, rechnet der Versorger offenbar inzwischen mit kaum rentablen Abnahmemengen, so dass nun doch eine Anschlusspauschale von 2500 Euro erhoben wird.

In der Summe sei das problematisch, findet Schumacher. „Die Kalkulationsgrundlage wird ständig in Frage gestellt.“ Ihn ärgert, dass er mit seiner Familie eigentlich alle Kriterien erfülle, um in die WFA-Förderung für junge Familien zu kommen. „Bis auf einen: Wir können nicht unter 300 000 Euro bauen.“

Die Vorfreude will er sich dennoch nicht nehmen lassen. Im Dachgeschoss, in der Innenausstattung oder an der Garage müsse jetzt halt abgespeckt werden, meint er. Die Zweifel, wie ernst es die Stadt mit der Familienfreundlichkeit meint, aber bleiben.

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