Die Polizei erhöht den Druck auf Raser

Von: Wolfgang Schumacher
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Als präventive erzieherische
Als präventive erzieherische Maßnahme werden Radarkontrollen wie hier auf der Trierer Straße jetzt von der Polizei im Netz auf ihrer Homepage angekündigt. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Der schwere Verkehrsunfall mit fünf Todesopfern in Aachen-Brand passt genau ins Bild. „Er hat uns schmerzhaft bewusst gemacht, wie schnell zu hohe Geschwindigkeit fünf Menschenleben kosten kann”, erklärte gestern Polizeipräsident Klaus Oelze beim Start einer verstärkten Jagd auf Raser in der Stadt und in der Region Aachen.

Oelze empfing die Medien an der Ecke Trierer Straße/Albert-Maas-Straße. Dort machte die Polizei den Auftakt zu einer vom Verkehrsminister des Landes, Ralf Jäger, ausgerufenen Aktion gegen Autofahrer, die den Fuß zu heftig auf das Gaspedal drücken. Dass die Kollegen mit dem Radarwagen dort an diesem Tag standen, konnte ein jeder auf der Homepage der Aachener Polizei nachlesen.

Das ist neu und beschreibt einen Strategiewandel der Polizei, den Polizeioberrat Ralf Mallmann erläuterte. „Überhöhte Geschwindigkeit”, formulierte der Leiter der Direktion Verkehr drastisch, „ist der Killer Nummer Eins in der Todesstatistik”. Das sei mit Zahlen belegt, wie auch die Tatsache, dass eine Veröffentlichung der Kon­trollpunkte, wie sie etwa über Radiosender schon lange ausgeübt wird, erheblich zur Durchsetzung der Verkehrsdisziplin beiträgt.

Denn nur zwei Stundenkilometer weniger Tempo bei den Automobilen, stellte Mallmann eine Zahl aus jüngsten Unfallanalysen vor, bedeute 15 Prozent weniger verletzte Menschen bei Verkehrsunfällen. So wird die Polizei vermehrt Radarmessungen in der Stadt und im Bereich der Städteregion vornehmen. Dort allerdings sind auch eigene Ordnungskräfte auf der Straße.

Nach wie vor wird es aber auch Radarmessungen geben, die nicht angekündigt werden und über die der „Sünder” erst per Bußgeldbescheid informiert wird. Das muss sein, „weil wir unseren Kontrolldruck insgesamt erhöhen wollen”, sagte Mallmann. Als zweites Standbein der Geschwindigkeitskontrollen bleibe die Messung, nach der ein Temposünder direkt angehalten und in ein „verkehrspädagogisches Gespräch” verwickelt werde. Das aber bedeutet einen wesentlich höheren Personalaufwand, erläuterte Oelze. Die Polizeileitung war jedoch auch unabhängig von dem tragischen Unfall zum Handeln gezwungen. Denn im Jahr 2011 haben sich die Zahlen in der Unfallstatistik in der Stadt deutlich verschlechtert, übrigens durchaus auch eine Folge des andauernden schönen Wetters, das zu Leichtsinn und Gedankenlosigkeit veranlasse, betonten die Verkehrsexperten.

So stiegen Unfälle mit Beteiligung von Radfahrern etwa um 25 Prozent, die mit Fußgängern um rund 22 Prozent, die Zahl der Schwerverletzten kletterte gegenüber 2010 um 16, die der Leichtverletzten um knapp 13 Prozent. Bei den Radfahrern liege das Fehlverhalten allerdings inzwischen zu 60 Prozent bei ihnen selbst, da habe die Polizei noch eine große erzieherische Aufgabe vor sich. Und auch die Fußgänger treffe zu 40 Prozent eigene Schuld bei Unfällen. Was Ermahnungen betreffe, seien sie oftmals ähnlich uneinsichtig wie die Radfahrer.

Generell Tempo 30?

Zu einem nach unten angepassten Tempolimit, beispielsweise generell Tempo 30 in den Stadtgrenzen, äußerte sich der Polizeipräsident kritisch. Der Verkehrsfluss müsse erhalten bleiben, sagte er. Er wolle aber nicht mehr hinnehmen, dass „Regeln bewusst und mit Vorsatz übertreten werden, davon habe ich die Nase voll, das bin ich leid”, schimpfte Oelze mit Blick auf Vielfahrer, die selbst durch Bußgelder und Punkte in Flensburg nicht abgeschreckt werden. Regelverstöße sollen geahndet werden, damit weniger Menschen auf den Straßen zu Schaden kommen.

Die Polizei teilt auf ihrer Homepage jetzt regelmäßig freitags mit, an welchen Kontrollstellen Radarwagen stehen. Das ist heute, 9. Dezember, an der Eupener Straße. Montag kommender Woche folgt die Monschauer Straße und der Adalbertsteinweg, Dienstag die Roermonder Straße und Donnerstag die Alt-Haarener-Straße.
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