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Die Nöte der Studierenden: Reden hilft bei Prüfungsangst

Von: Daniel Gerhards
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Wenn Sorgen den Schlaf rauben: Studenten, die sich überfordert fühlen, können sich den Kummer von der Seele reden. Foto: imago/blickwinkel

Aachen. Im Studium kann es eine Menge Belastendes geben, das gehörig auf die Seele drückt: Viele junge Leute sind einsam, wenn sie in eine neue Stadt kommen. Andere wissen nicht, wie sie die ganze Arbeit für die Uni schaffen sollen. Und einige haben große Angst vor der nächsten Prüfung. In solchen Fällen benötigt man vielleicht einfach jemanden zum Reden. Den findet man nun am Telefon.

Seit wenigen Wochen hat sich in Aachen eine Initiative gegründet, die ein „Zuhör“-Telefon betreibt. Die Aktiven nennen ihr Angebot „Nightline“ – schließlich sind sie nur abends zu erreichen. „Studierende können sich bei uns ihren Kummer von der Seele reden“, sagt Sandra Meier (Name geändert) von der Initiative.

Dabei können die Anrufer anonym bleiben, genau wie die Leute, die ihnen zuhören. „Dadurch ist die Hemmschwelle, offen zu reden, geringer. Wenn man nicht weiß, wer da am anderen Ende sitzt, traut man sich mehr“, sagt Sandra Meier.

Anonym

Die anonymen Zuhörer sind auch allesamt Studenten. „Das Angebot kommt von Studierenden und ist für Studierende“, sagt Meier. Das helfe, Vertrauen aufzubauen. „Der Anrufer weiß, dass da jemand ist, der die eigene Situation kennt und einen ähnlichen Erfahrungshintergrund hat. Dadurch vertraut man sich demjenigen eher an“, sagt sie.

Mit ihrer Initiative betreten die zehn „Nightliner“ in Aachen Neuland. Ihre Telefonnummer ist nun seit einigen Wochen freigeschaltet. Ähnliche Initiativen gibt es in vielen Städten mit großen Unis. Deren Erfahrung zeigt, dass es viele Studenten gibt, die das Angebot, dass jemand einfach mal zuhört, nutzen. Sandra Meier und ihre Mitstreiter wollten ausprobieren, ob die Aachener Studenten auch gute Zuhörer brauchen: „Es ist allgemein spürbar, dass sich viele Studenten überfordert fühlen“, sagt sie. Für viele sei der Druck einfach zu groß. Andere sind einsam, haben keine Freunde oder kommen mit dem Leben fernab der Familie nicht klar. „Für viele Leute ist es wichtig, einfach mal darüber reden zu können“, sagt Meier.

Dabei ist wichtig, dass die Studenten, die sich bei der „Nightline“ engagieren, wirklich in erster Linie zuhören: „Wir geben keine Ratschläge, lenken die Anrufer nicht in eine Richtung und erlauben uns kein Urteil“, sagt Meier. Das mussten die Ehrenamtler erstmal lernen. Sie wurden eigens geschult und arbeiten eng mit den psychologischen Beratungsstellen der Aachener Hochschulen zusammen. „Man neigt dazu, direkt Ratschläge zu geben, wie man es in Gesprächen mit Freunden macht“, sagt Meier. Doch genau das tun sie an der „Nightline“ nicht, sondern sie weisen darauf hin, dass es Stellen gibt, die professionelle Hilfe bieten.

Abends kommt die Einsamkeit

Die Abendstunden haben die „Zuhörer“ bewusst für ihr Angebot gewählt: „Da ist die Einsamkeit besonders groß. Wenn man nachts nicht schlafen kann und ins Grübeln verfällt, wollen wir eine Anlaufstelle sein“, sagt Meier. Was sie dort besprechen, sind oft ganz normale Probleme aus dem studentischen Alltag.

Es geht um Prüfungsangst, Zeit- oder Motivationsprobleme, Stress mit der Freundin oder dem Prüfungsamt. Meier: „Am Anfang hatten wir Angst, dass auch Leute mit Suizidgedanken anrufen. Aber das ist bisher zum Glück auch in den anderen Städten, in denen es die ‚Nightline‘ gibt, noch nicht vorgekommen.“

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