Aachen - Die Nikolauskapelle ist bald wieder wie neu

Die Nikolauskapelle ist bald wieder wie neu

Von: Georg Dünnwald
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Von der Mosel zum Aachener Dom: Dachdecker André Lind nagelt die Schindeln auf das Dach der Nikolauskapelle. Schiefergestein von der Mosel ist nach Ansicht von Dombaumeister Helmut Maintz das beste. Foto: Heike Lachmann
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Viel Arbeit für die Handwerker: Auch die Gauben im Dach der Nikolauskapelle mussten erneuert werden.

Aachen. Die Arbeiten am Dachstuhl der Nikolauskapelle des Aachener Doms neigen sich dem Ende zu. Ende Juli wird das Gerüst abmontiert, dann kann sich die Kapelle wieder glänzend präsentieren – mit einem neuen Schieferdach und mit neuen Dachgauben. Die Fassade soll bis dahin einer Reinigung mit Wasser- und Dampfstrahl unterzogen werden.

Unterm Strich sind Dompropst Helmut Poqué und Dombaumeister Helmut Maintz im vorgesehenen Kostenrahmen geblieben, 1,5 Millionen Euro hat die Sanierung der Kapelle dann gekostet.

Noch sind die Handwerker zwar kräftig zugange, „aber wir sind schon ziemlich weit gekommen“, zeigt sich der Dombaumeister zufrieden. Schließlich war der Dachstuhl vor einem Jahr ziemlich verrottet, die Eichenbalken, die nach dem Stadtbrand von 1656 noch ältere ersetzt hatten, waren teilweise arg zerfressen. Der gescheckte Nagekäfer hatte deutliche Spuren hinterlassen.

Alte Eichenbalken

Kommt man jetzt in den Dachstuhl der Nikolauskapelle, hat man den Eindruck, einen Neubau zu betreten. Neues Fichtenholz – die Bretter sind mit Nut und Feder verbunden – ist zu großen Dachflächen geworden. Aber auch alte Eichenbalken, der der gescheckte Nagekäfer nicht geschafft hat, wurden wieder eingesetzt, sie halten die Dachflächen. „Die Konstruktion muss vernünftig sein, sonst können wir nach 20 Jahren wieder von vorne beginnen“, sagt Maintz.

Er kalkuliert aber mit einer Lebensdauer von 150 bis 250 Jahren. Der Dombaumeister versichert, dass auch Fichtenholz gut sei, die Trägerbalken seien ja alle aus Eiche. Und die meisten Balken haben bereits mehr als 350 Jahre auf dem Buckel. Aber auch ein paar neue sind darunter. „Wir konnten leider nicht alle alten wieder verwerten, obwohl wir darauf sehr bedacht sind“, erläutert Maintz. Die neuen Trägerbalken stammen von 100 bis 150 Jahre alten Bäumen, die sechs Jahre lang gelagert wurden. „Die Bäume sind in Fontainebleau bei Paris gewachsen“, weiß Helmut Maintz.

Im Dachstuhl arbeiten emsig Andrej Bergheim und sein Sohn Eugen. „Ich arbeite seit 20 Jahren am Dom“, erzählt sichtlich stolz der aus Sibirien stammende Andrej Bergheim. Der Sohn, wie der Vater ausgebildeter Zimmerer, ist zum ersten Mal mit von der Partie in der luftigen Höhe von 20 Metern.

Moselschiefer

Die luftige Höhe aber macht nichts aus, die gesamte Kapelle ist eingerüstet, mit einem Aufzug von der Krämerstraße aus wurden sämtliche Materialien zum Bauen nach oben geschafft. Auch die Dachdecker sind schon voll im Einsatz. Die Dachpappe ist schon verlegt, jetzt ist die Südseite des Kapellendachs bereits mit Schindeln aus Schiefer bedeckt. „Das ist Schiefer von der Mosel“, sagt Helmut Maintz. Das Schiefergestein aus dem Weinanbaugebiet sei das beste. Dachdecker André Lind zeigt derweil, wie faszinierend es ist, wenn die Schindeln aufs Dach genagelt werden.

Das alles können am kommenden Sonntag 50 Leser unserer Zeitung bei unserer Abo­plus-Aktion selbst besichtigen. Denn am Sonntag, 2. Juni, ist Tag der Offenen Tür im Aachener Dom. „Alle Bürger sind herzlich eingeladen“, rührt Maintz kräftig die Werbetrommel. Mit einem Programm, das um 13.30 Uhr beginnt, wird auch daran erinnert, dass vor 35 Jahren das Aachener Münster als erstes deutsches Bauwerk in die Liste der Unesco-Welterbestätten aufgenommen wurde.

So werden auch aus Blei gestanzte Minidömchen verkauft, die entweder auf ein Stück eines alten Eichenbalkens aufgenagelt oder auf einen alten Holzsparren oder eine alte Schieferdachplatte angebracht wurden. Zwischen 19,95 und 39,95 Euro kostet der Spaß, ein Teil des Doms mit nach Hause zu nehmen. „Der Ertrag kommt dem Dom zugute“, freut sich Maintz jetzt schon auf eine erfolgreiche Verkaufsaktion.

Begeistert zeigt er sich von einem Projekt der Fachhochschule (FH) Aachen und des Einhard-Gymnasiums. Neun Schüler der Burtscheider Oberschule haben an der FH gelernt, wie innerhalb kurzer Zeit ein komplettes Computer-Modell des Aachener Doms eigenständig auf dem PC konstruiert werden kann. Jetzt wissen die Schüler auch, wie sie den Aachener Dom gewissermaßen dreidimensional ausdrucken können. Das werden die Schüler am Sonntag vorführen.

Zurzeit sind auch denkmalpflegerische Arbeiten am Dom vonnöten. Die Nordseite der Chorhalle wird von Moos befreit. „Wir untersuchen auch, wie man der Feuchtigkeit beikommt, hier an der Seite Krämerstraße scheint ja so gut wie nie die Sonne“, erklärt Maintz.

Er verweist darauf, dass ab nächsten Jahr – „außer während der Heiligtumsfahrt“ – das Sechzehneck-Dach des Oktogons in Angriff genommen werden wird. Durch das Bleidach könnte nämlich Wasser laufen und das darunter liegende Mosaik angreifen.

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