Die Nikolauskapelle hat jetzt ein Wellblech-Dach

Von: Georg Dünnwald
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Da hält nichts mehr: Am unteren Ende eines Trägerbalkens aus alter Eiche bröselt das Holz seit Jahren zu Holzmehl. „Da mussten wir etwas tun“, sagt Dombaumeister Helmut Maintz. Foto: Harald Krömer

Aachen. Die Nikolauskapelle des Aachener Doms ist unbehütet. „Seit dem 12. November haben wir feste zugepackt, nun ist das Schieferdach abgetragen, die Schalung weg, die Bleirinnen sind abgebaut, jetzt steht nur noch das Gerippe“, erklärt Dombaumeister Helmut Maintz. Bis Mitte Juni nächsten Jahres wird saniert, dann sollen ein neues Schieferdach und neue Bleirinnen wieder für ein historisch genaues Bild sorgen.

Die Holzbalken des Dachstuhls, nahezu alle aus Eichenholz, stammen zum größten Teil aus der Zeit kurz nach dem Stadtbrand von 1656. „Sie sind aber auch älter, weil damals in den alten Zeiten viel Holz wiederverwendet wurde“, erläutert der Dombaumeister.

An manchen Balken hat der Zahn der Zeit genagt, angefaultes Holz musste das Dach der Nikolauskapelle tragen. „Wir müssen alles Stück für Stück nachsehen“, beschreibt Maintz die Last der Arbeit, die bis zur Fertigstellung immerhin 1,5 Millionen Euro verschlingen wird. Auch 1656 pfuschten die Handwerker, Hölzer mit Einschnitten wurden ebenso benutzt wie an wenigen Stellen Nadelhölzer. Die werden nun selbstverständlich gegen Eichenholz ausgetauscht.

Die Zimmerer Frank Tschamler und Freddy Brenner machen im Dachstuhl der Nikolauskapelle einen guten Job. „Schauen Sie, hier in diesem Balken sind noch geschmiedete Nägel“, sagt Brenner und zeigt auf ein Balkenholz, das auf der einen Seite noch einigermaßen brauchbar aussieht, auf der anderen Seite jedoch ziemlich abgenutzt scheint. „Das kann man nur noch als Brennholz verwenden“, kommentiert er trocken.

„Sämtliche Balken des Dachstuhls sind nummeriert und werden auch katalogisiert“, erklärt der Dombaumeister. Schmunzelnd erzählt er: „An einigen Stellen des Dachstuhls hat nur noch Gott geholfen. Sonst wäre schon so manches zusammengebrochen.“ Und auf eine verrottete Schalung zeigend: „Die hat sonderbarerweise gehalten.“

Die Handwerker und der Dombaumeister untersuchen jeden Balken, jede Verbindung wird begutachtet und zum Teil auch gesichert, bevor ein Austausch vorgenommen wird.

„Bei Wind und Wetter wird gearbeitet. Deshalb haben wir zurzeit ein Wellblechdach aufgezogen. Nur bei minus 15, 20 Grad, stellen wir die Arbeiten ein. Das wäre dann doch zu kalt“, sagt Maintz. Er zeigt auf einen Außenbalken. „Gegen den haben Wind und Wetter gedrückt. Das Eichenholz in Bodennähe ist so zerbröselt, dass es regelrecht Holzmehl ist. Da ist also auch eine Menge zu tun. Obwohl ich mit dem Gesamtzustand des Dachs einigermaßen zufrieden bin“, sagt Maintz.

Mini-Dom aus Blei

Er und Dompropst Helmut Poqué haben sich auch zur Finanzierung etwas einfallen lassen. Die alten Schieferdachschindeln werden je mit einem kleinen Dom aus Blei versehen und ab heute für 19,95 Euro in der Dominformation, Papst-Johannes-Paul-II.-Straße, verkauft. „Das wäre doch ein ideales Weihnachtsgeschenk“, wirbt der Dombaumeister. Er glaubt an einen Verkaufsschlager. „Wir haben schon 750 Stück verkauft, ehe der offizielle Verkauf begonnen hat.“ Der Mini-Dom aus Blei wurde aus den eingeschmolzenen Bleirinnen hergestellt. Und auch die Echtheit der Schieferplatten wird dokumentiert. Jeder Schindel ist ein Zertifikat beigelegt, auf der die Unterschrift des Dompropstes die Echtheit bestätigt.

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