Die Nerven der Bewohner liegen blank

Von: Daniela Martinak
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Müll, Müll und noch mal Mül
Müll, Müll und noch mal Müll: So sieht es hinter dem Haus aus. Nicht nur, dass die wenigen Tonnen gerade so für den Müll der Bewohner reichen - Nachbarn werfen ihren Unrat einfach mit hinein. Foto: Heike Lachmann

Aachen-Forst. Aileen schaut traurig aus dem Fenster. Das neunjährige Mädchen würde nur allzu gerne draußen spielen. Und ein Spielplatz ist auch gleich um die Ecke in Schönforst.

Allerdings wird sie nur noch trauriger, wenn sie das Gelände dort betrachtet: Laub bedeckt die gesamte Fläche, Gehwegsteine fehlen, Stolperfallen in Form von alten Teppichen befinden sich vor der Schaukel, Schutzkappen an den Spielgeräten sind zum Teil nicht vorhanden. Und schon auf dem Weg dorthin steigt ihr der extreme Geruch nach Urin in die Nase.

„Es ist eine Katastrophe. Ich verbiete meiner Tochter, dort zu spielen, und jeder normale Mensch würde mit seinen Kindern zu einem anderen Spielplatz fahren. Wenn keine Zeit ist, leiden die Kinder. Wir Eltern stecken da in echten Schwierigkeiten”, schimpft Heike Braun, Aileens Mutter.

Seit zehn Jahren wohnt die Aachenerin in einem Mietshaus an der Engelbertstraße. Ein Haus von vielen, welches die Gewoge Aachen (Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft für Aachen AG) vermietet. Seit zehn Jahren steht Heike Braun regelmäßig mit den anderen Bewohnern der Wohnanlage auf der Straße und regt sich über all die Dinge auf, die schief laufen und das ist ihrer Meinung nach „so gut wie alles”.

Nicht nur der Spielplatz weise erhebliche Mängel auf. Die gesamte Wohnsituation sei beinahe nicht mehr auszuhalten und strapaziere die Nerven aller Beteiligten. „Ich kann kein einziges gutes Wort über die Gewoge Aachen sagen. Die kümmert sich wenig um unsere Beschwerden, die wir nicht nur regelmäßig, sondern auch zurecht einreichen”, ärgert sich die Mieterin. Sämtliche Nachbarn sind inzwischen ebenfalls aus dem Haus gekommen und nicken zustimmend. Der Blick auf das Nachbarhaus (ebenfalls Eigentum der Gewoge) und die Straße entlang lässt ahnen, dass es diese Bewohner nicht besser getroffen hat. Putz bröckelt von den Wänden, die Dachrinnen sehen in den Augen der Betroffenen verdächtig instabil aus und so sagen die Mieter: „Wenn man um die Ecke geht, trifft einen der Schlag.”

Die überdimensionalen Müllberge an der Wiese hinter dem Haus erinnern keinesfalls an eine schöne Grünfläche. „Sämtliche Leute, die hier in der Straße wohnen, werfen ihren Müll einfach mit in unsere Tonnen, bis diese überquellen. Die reichen ja normalerweise so gerade für uns. Und wenn das da so aussieht, nimmt die Müllabfuhr den Unrat einfach nicht mit”, erklärt Peter Schommer, ebenfalls ein Mieter der Gewoge. Ein Jahr lang kämpfe er jetzt an der Seite etlicher Nachbarn gegen das Müll-Dilemma. Erst nach einem Jahr, endlos vielen Anrufen, etlichen E-Mails und zahlreichen Besuchen in der Gewoge-Betriebsstelle sei der Antrag, einen Zaun zu errichten, der es Fremden unmöglich macht, ihren Müll dort zu entsorgen, ernst genommen und seit Dienstag umgesetzt worden. Und seit 20 Jahren gebe es stets Ärger mit der Gewoge, wenn es um die Belange der Mieter gehe.

„Angeblich ist unsere Anfrage immer weitergeleitet worden. Wenn man dort anruft, landet man nämlich erst beim Servicecenter. Weitergekommen sind wir per Telefon recht selten”, bedauern die Bewohner des Mietshauses nahe der Trierer Straße. Und weiter: „Vorgestern haben wir dann die Beine in die Hand genommen, sind direkt zur Betriebsstelle und haben ordentlich auf den Tisch gehauen. Wir sind zwar rausgeflogen, aber immerhin - ein Zaun wird jetzt gebaut.”

Auf Nachfrage unserer Zeitung nimmt schließlich auch die Baugegesellschaft Stellung. „Das Müll-Verfahren wurde vor zwei Monaten eingeleitet. Auch hier im Haus kann schon mal ein Termin verbummelt werden. Und so ein Verfahren dauert nun auch seine Zeit”, äußert sich Joachim Weniger von der Gewoge. Neben der Errichtung des Zauns soll nun auch eine Sonderlehrung erfolgen. Die Gebühren würde das Unternehmen selbstverständlich übernehmen.

Was aber mit den anderen Mängeln ist, bleibt weiterhin fraglich. Weniger ist sich keiner Schuld bewusst: „Um den Spielplatz kümmert sich ein von uns engagiertes externes Unternehmen.” Das Vlies sei eben entfernt worden. Der unreine Sand bleibt. Jeder hofft, dass Aileen bald endlich wieder draußen spielen kann.
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