Die moderne Variante spielt in der Zirkuswelt

Von: Nina Krüsmann
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Stehen im Mittelpunkt des Stücks: Rebecca Selle, die die Katharina spielt, und Philip Butz als Dompteur Petruchio. Foto: Andreas Herrmann
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Heben Shakespeare in die Moderne: Bühnenbildner Frank Rommerskirchen (l.) und Theaterchef Tom Hirtz.

Aachen. Geistreiche Wortgefechte und turbulente Handgemenge, Kleiderwechsel und Verwechslungen sorgen seit 400 Jahren dafür, dass „Der Widerspenstigen Zähmung“ von William Shakespeare sich beim Publikum größter Beliebtheit erfreut. Nun kommen auch Theaterfans in Aachen wieder in den Genuss der brillanten Komödie.

 Das Das Da Theater bringt den Klassiker diesen Sommer auf die Bühne im Innenhof der Burg Frankenberg.

Open Air und im historischen Ambiente hat das Stück über Katharina, der „Frau mit Bart“ (gespielt von Rebecca Selle) in der Inszenierung von Tom Hirtz ein modernes Finale erhalten. „Dieses Stück ist im Original ein wenig frauenfeindlich. Das wollten wir in Aachen so nicht spielen. Deshalb haben wir eine moderne Variante geschaffen“, erklärt Hirtz, der die Handlung in die Zirkuswelt hineinversetzt und in einer zweiten Ebene die Welt Shakespeares lebendig werden lässt. So ist auf der Burg ein eigens angefertigtes Zirkuszelt aufgebaut. „Die Aufführungen draußen und die besonderen Anforderungen an die Zirkuskulisse sind eine große Herausforderung“, sagt Frank Rommerskirchen, der für Bühnenbild und Kostüme verantwortlich ist.

Die Handlung sprüht vor Sprachwitz und Ironie: Auf dem Marktplatz der Liebe gibt es im Padua der frühen Neuzeit klare Vorstellungen von gelungenen Beziehungen. Die schöne Bianca gilt als das begehrteste Gut. Die Konkurrenten um ihre Hand kennen die Regeln im Geschäft um die Liebe. Biancas Vater weiß, wie er seine Töchter bestmöglich an den Mann bringen kann.

Nur Biancas Schwester Katharina widersetzt sich: Für sie kommt es nicht in Frage, sich unter dem Vorwand romantischer Liebe in die Ehe mit einem der zahlungskräftigen Heiratskandidaten einzulassen. Deshalb wählt Katharina lieber den Angriff. Bis Dompteur Petruchio (Philip Butz) auftaucht und sie zum ersten Mal auf einen Mann trifft, der ihr gewachsen ist.

Fünf Akte

Gespielt werden die fünf Akte mit Skakespeares Originaltext (ohne Pause) in rasantem Tempo. „Das Stück lebt von dem Feuer zwischen Katharina und Petruchio, von der Körperlichkeit. Beide agieren sehr direkt und emotional, spielen ihre intensive Beziehung, die im Gegensatz zum Verhältnis zwischen Bianca und dem Weißclown Lucentio steht“, erklärt Hirtz. Die Liebe, in die sich Katharina und Petruchio stürzen, sei pures Risiko. Das Risiko, in das sie sich stürzen, sei pure Liebe.

„Das Stück ist komödiantisch angelegt, kippt aber gegen Ende immer mehr in die Ernsthaftigkeit, wenn der Konflikt offensichtlich wird“, stellt Hirtz fest. Shakespeare und der Zirkus der Absurditäten verschmelzen immer mehr. Frauenbändiger Petruchio, der aus der Wildkatze Katharina ein frommes Kätzchen machen will, hat es nicht leicht. Auf das „Aachener Ende“ des Klassikers darf das Publikum gespannt sein. Für die beiden Hauptdarsteller ist die „Widerspenstige Zähmung“ ihre Abschiedsvorstellung in Aachen. Selle geht nach Berlin zurück und möchte dort freiberuflich arbeiten. Butz zieht es nach Castrop-Rauxel ans Westfälische Landestheater.

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