Aachen - Die Meinung der Erstwähler ist gespalten

Die Meinung der Erstwähler ist gespalten

Von: Achim Kaiser
Letzte Aktualisierung:
5097496.jpg
Heiße Debatte im Pius-Gymnasium: Bei der „Nachrichten“-Fragestunde unter Leitung von AN-Lokalchef Achim Kaiser (r.) argumentierten Befürworter und Gegner auf Augenhöhe. Foto: Harald Krömer

Aachen. Wie viele Erstwähler nun tatsächlich am kommenden Sonntag zur Abstimmung über die Campusbahn schreiten dürfen, vermochte die Stadt nicht mitzuteilen. Es sei sehr kompliziert, diese Zahlen zu ermitteln, hieß es aus dem Presseamt.

Verlässlich sei momentan nur die Zahl derjenigen, die Briefwahlunterlagen angefordert haben. Rund 15.000 Bürger haben von diesem Angebot bislang Gebrauch gemacht.

Die Schülerinnen und Schüler vom Pius-Gymnasium, die bei der „Nachrichten“-Fragestunde zur Campusbahn mitmachen, wollen jedenfalls alle höchstpersönlich die Wahlkabinen aufsuchen und ihr Kreuzchen machen.

„Es ist das erste Mal, dass wir direkt mitbestimmen dürfen. Diese Chance lassen wir uns nicht entgehen“, lautet der Tenor der elf Gymnasiastinnen und Gymnasiasten. Eine klare Mehrheit für oder gegen das umstrittene 240-Millionen-Euro-Projekt kristallisiert sich im Verlauf der Fragestunde nicht heraus.

Zu Beginn des Gesprächs sind fünf Erstwähler für die Bahn, fünf dagegen und eine Schülerin ist noch hin- und hergerissen. „Früher hat es schon mal eine Straßenbahn in Aachen gegeben. Jetzt soll sie wieder eingeführt werden. Ich frage mich: warum?“, sagt Claudia Eich. Die 16-Jährige sieht Probleme bei der Finanzierung, weiß aber auch, dass dieses, wie sie sagt, „innovative Projekt“ der Stadt „gut tun könnte“. „Ich werde mich am Sonntag entscheiden“, sagt sie und lauscht der munteren Diskussion, die sich zwischen den Befürwortern und Gegner der Bahn entwickelt.

Jan Pennings (17) gesteht in der Runde, dass er sich vor der schulinternen Informationsveranstaltung im Pius-Gymnasium nicht mit dem Thema auseinandergesetzt habe. Auch das Abstimmungsheft, das jedem wahlberechtigtem Bürger von der Stadt zugeschickt worden ist, habe ihn dann motiviert, sich intensiver mit der Problematik des ÖPNV in Aachen zu beschäftigen: „Ich bin für die Einführung der Campusbahn, weil die Stadt vom Autoverkehr entlastet wird, und eine Bahn viel länger hält als ein Bus.“

Auch Linus Offermann setzt sich leidenschaftlich für das Großprojekt ein. Sein Hauptargument ist die Kapazität der Bahn: „Es gibt keine Alternative“, sagt der 16 Jahre alte Schüler. Die Busse seien in Stoßzeiten „total überfüllt“, das sei den Studenten in einer Stadt mit Eliteuniversität nicht zuzumuten. Zwar findet er das Informationsgebahren der Stadt „zu parteiisch“, aber er vertraut dem Rat: „Die Politiker haben sich intensiv mit der Materie befasst und sich mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen.“

Die Pro-Argumente mag Sophia Kluge nicht nachvollziehen. Die stellvertretende Schulsprecherin glaubt nicht, dass wegen der Campusbahn die Zahl derer steigt, die auf die Schiene umsteigen. Zudem, so die 16-Jährige, könne und dürfe sich Aachen so ein teures Projekt nicht leisten: „Die Stadt ist viel zu hoch verschuldet.“

Gerade zu den Kosten habe in dem Abstimmungsheft zu wenig gestanden, moniert Schulsprecher Dominik Funken. Andererseits seien die Busse tatsächlich zu bestimmten Zeiten „viel zu voll“, so könne es nicht weitergehen. Deshalb will der 17-jährige Erstwähler sich am 10. März auf die Seite der Befürworter schlagen.

Auch für Henning Nießen (18) gibt es keine Alternative zur Campusbahn. Sie sei umweltfreundlicher als die Busse und helfe mit, den Individualverkehr zu reduzieren. Auch könnten Menschen mit Behinderung von ihrer Einführung profitieren.

Das überzeugt Jil Bachmann nicht. Sie hält Elektrobusse für wesentlich flexibler, auch glaubt sie nicht, dass jede Straße für eine Bahntrasse geeignet sei. „Ich bin absolut dagegen“, betont die 17-Jährige.

Ins gleiche Horn blasen auch zwei weitere Gegner. Der 17 Jahre alte Christopher Runte wohnt in Kornelimünster. „Ich fahre jetzt mit dem Bus und muss nicht umsteigen. Wenn die Bahn kommt, muss ich aber umsteigen. Dann fahre ich lieber fünf Minuten länger mit dem Bus“, sagt er. Auch aus Kostengründen will er sein Veto einlegen.

Gar kein Vertrauen in die Finanzplanung der Stadt hat der 16-jährige Philipp Schulte: „Die Verwaltung lag oft falsch mit ihren Kalkulationen. Meiner Meinung nach ist die Finanzierung nicht gesichert, außerdem wird das Geld an der falschen Stelle eingesetzt.“

Das möchte Florian Renneberg (17) so nicht stehen lassen. „Die Busse haben ihre Kapazitätsgrenzen erreicht“, sagt er, außerdem sei es vernünftig, die Zuschüsse von Bund und Land für die zukunftsweisende ÖPNV-Variante zu nutzen.

Das sieht der 16 Jahre alte Philipp Kettner ähnlich. Er bekennt sich zur alternativlosen Campusbahn und will mit seiner Stimme „die Stadt vor einem finanziellen Desaster retten“.

Wie auch bei den zahlreichen Foren und Pro- und Kontra-Veranstaltungen werden auch hier jede Menge Argumente ausgetauscht. Aber das Stimmungsbild ändert sich nicht. Die noch unentschlossene Claudia Eich will noch mal alles sacken lassen und die letzte Woche vor der Wahl nutzen, um weitere Informationen zu sammeln.

Nach 60 Minuten sind sich die Pius-Schülerinnen und Schüler zumindest in zwei Punkten einig: Alle gehen zur Wahl. Und: „Das Ergebnis ist schwer vorherzusagen. Das Lager, das mehr Leute mobilisiert, wird am Ende die Nase knapp vorne haben.“

Leserkommentare

Leserkommentare (22)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert