Die letzte Ruhestätte unterm Baum

Von: Margot Gasper
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Auf dem Ostfriedhof, aber auch
Auf dem Ostfriedhof, aber auch auf dem Westfriedhof 1 oder dem Heißbergfriedhof gibt es zahlreiche alte Grabanlagen, die die Stadt pflegt. In einigen dieser Gräber sollen demnächst Gemeinschaftsgrabanlagen für Urnen eingerichtet werden. Foto: Harald Krömer

Aachen. Viele Aachener sind ganz sicher schon daran vorbeispaziert: Ein ursprüngliches Fleckchen mit Baumbestand auf dem Waldfriedhof an der Monschauer Straße. Was der Besucher nicht ahnt: Dieses Stückchen Wald ist ein Gräberfeld.

Der Aachener Stadtbetrieb, der auch die Friedhöfe betreut, bietet hier „naturnahe anonyme Beisetzung” an. Beerdigt wird in Bio-Urnen aus Stärke, die in kürzester Zeit verrotten. In Aachen gibt es solche Gräber nur auf dem Waldfriedhof und auch dort erst seit einem Jahr.

28 Friedhöfe gibt es in der Stadt Aachen. Und die haben mittlerweile 26 verschiedene Grabarten im Angebot: natürlich das klassische Reihengrab, aber auch die Beisetzung in der Urnenwand, die letzte Ruhestätte im Baumgrab - oder eben das naturnahe anonyme Urnengrab im Wäldchen auf dem Waldfriedhof. Die große Bandbreite macht deutlich, wie sehr sich auch in Aachen die Bestattungskultur verändert hat.

„Mehr als die Hälfte der Beisetzungen auf den Aachener Friedhöfen sind mittlerweile Urnenbestattungen”, sagt Karl Küpper. Als Abteilungsleiter beim Aachener Stadtbetrieb ist er zuständig für die Friedhöfe und das Krematorium.

Ein weiterer Trend zeichnet sich seit ein paar Jahren ab: Gefragt sind zunehmend Gräber, die wenig oder gar keine Pflege erfordern. Viele entscheiden schon zu Lebzeiten, dass sie den Angehörigen, die womöglich weit weg wohnen, nicht 25 Jahre lang die Grabpflege zumuten wollen.

Drei Arten von Baumgräbern

Auf dem Waldfriedhof gibt es zum Beispiel alleine drei Arten von Baumgräbern, wo die Urne unter einem Baum beigesetzt wird. Sogar Baumwahlgräber sind mittlerweile im Angebot, bepflanzte Rondelle mit einem Baum in der Mitte.

In jedem Rondell werden bis zu acht Urnen beigesetzt. Die Stadt pflegt und bepflanzt die Anlage. Persönliche Akzente wie einen naturnahen Gedenkstein, eine Grablampe oder ein Blumengesteck sind aber im Gegensatz zur anonymen Bestattung erlaubt. Baumwahlgräber sind gefragt: Zwei Rondelle sind bereits voll belegt, Erweiterungsflächen schon in der Vorbereitung.

Rasengräber, die ebenfalls keine Pflege brauchen, gibt es mittlerweile auf fast allen Friedhöfen. Das Grab hat eine Rasenfläche, eine liegende Gedenktafel erinnert an den Verstorbenen. Auf dem Waldfriedhof und dem Friedhof Verlautenheide werde solche Rasengräber jetzt neu eingerichtet.

Allerdings gibt es um manche der pflegearmen Gräber immer mal wieder Konflikte, berichtet Miriam Schieren, Sachbearbeiterin für die Grabverwaltung. Wer zum Beispiel ein Rasengrab wählt, darf dort nichts aufstellen oder pflanzen.

Kein Grablicht, kein Blümchen. Immer wieder aber kommt es vor, dass sich Familien zwar für ein pflegearmes Grab entscheiden, es dann aber doch bepflanzen und sogar massive Grablaternen aufbauen. Die Gräber sollen aber einheitlich aussehen. Und sie müssen auch für den pflegenden Stadtbetrieb pflegeleicht sein.

Dem Rasenmäher darf nicht ständig ein Blumenstrauß im Weg liegen. „Deshalb wird rigoros abgeräumt”, erklärt Schieren. Geduldet werden Blumenschmuck und Lichter nur in der Zeit um die Totengedenktage im November und in der Weihnachtszeit. Dann fährt ohnehin kein Rasenmäher auf den Friedhöfen.

Eine für Aachen ganz neue Art der Bestattung ist derzeit gerade in Vorbereitung: Gemeinschaftsgrabanlagen in alten Grab-Denkmälern. Von diesen alten, gleichwohl erhaltenswerten Grabanlagen besitzt die Stadt etliche hundert.

Das Nutzungsrecht für die Gräber ist abgelaufen, die Stadt muss die bauliche und gärtnerische Pflege übernehmen. In solchen alten Grabanlagen können demnächst bis zu 25 Urnen beigesetzt werden. Wahrscheinlich wird diese Möglichkeit zuerst auf dem Ostfriedhof oder auf dem Westfriedhof 1 angeboten. Dort stehen besonders viele der erhaltenswerten Anlagen.

Viel zu viel Platz

Die Stadt hat auf ihren Friedhöfen übrigens ein Platzproblem. „Eigentlich sind unsere Friedhöfe zu groß”, erklärt Karl Küpper. Bis in die 1980er Jahre seien alle Friedhöfe erweitert worden. Längst aber gibt es auch in Aachen mehr Feuerbestattungen als Erdbestattungen. „Die Zahl der Urnengräber ist von früher drei auf über 50 Prozent gestiegen”, berichtet Küpper. Die Folge: „Wir haben Flächen zuhauf.”

Stolze 163 Hektar Friedhofsfläche verwaltet und pflegt der Stadtbetrieb heute. Der kleinste der 28 Friedhöfe mit rund 1200 Quadratmetern liegt im Ortsteil Orsbach, der größte ist der Friedhof Hüls mit stolzen 33 Hektar (330 000 Quadratmeter).

„Derzeit sind wir dabei, den Bestand zu digitalisieren”, erklärt Krüger. Durch ein geschicktes Friedhofsmanagement sollen die Flächen, auf denen tatsächlich beerdigt wird, allmählich verkleinert werden. So könnten in Zukunft auf manchem Friedhof Flächen entwidmet und später für eine andere Nutzung vorgesehen werden.
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