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Die Kitas heimsen gute Noten ein

Von: Margot Gasper
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Aachen. „Das Ostviertel ist kein Türkenviertel, das Ostviertel ist vielfältig und bunt”, sagt Professorin Barbara Krause. Und die Lebensentwürfe junger Menschen im Viertel, so erklärt sie, unterscheiden sich so gut wie gar nicht von denen der Gesamtbevölkerung: „Viele wünschen sich eine Familie, ein Haus im Grünen und einen sicheren Job.”

Die Politikwissenschaftlerin der Katholischen Hochschule hat Menschen im Alter zwischen 16 und 27 aus dem Ostviertel zu ihren Einstellungen und Lebensentwürfen befragt. Die Befragung war Teil der wissenschaftlichen Begleitung, die die Hochschule für das Projekt „Boje” (Beratung und Orientierung für junge Eltern in Aachen-Ost) vorgenommen hat. Die Ergebnisse flossen in „Boje” ein und sollen auch für weitere Förderprojekte genutzt werden.

Gut 2000 junge Menschen zwischen 16 und 27 leben im Ostviertel. 500 wurden nach dem Zufallsprinzip für die Befragung ausgewählt, gut 100 gaben tatsächlich Auskunft. Und die Ergebnisse, sagt Barbara Krause, seien gut geeignet, so manches Vorurteil über den Haufen zu werfen.

„Das Ostviertel hat eine große Heterogenität”, sagt Krause. Menschen aus den verschiedensten Kulturen leben dort genauso wie alteingesessene Öcher. Und das Ostviertel ist auch Heimat für viele Studierende.

Ein weiteres Ergebnis der Befragung: Die Zuwanderer im Ostviertel bringen eine Vielzahl an Qualifikationen mit, können damit bei der Jobsuche aber oft nicht punkten, zum Beispiel weil die Abschlüsse aus anderen Ländern in Deutschland nichts gelten.

Auch das fanden die Forscher heraus: Wenn man Hilfe braucht im Viertel, dann sucht man sie bei Leuten, die man kennt. „Den Kindertagesstätten stellen die Befragten ein sehr gutes Zeugnis aus”, berichtet Barbara Krause. „Das Personal dort genießt großes Vertrauen.” Der Umbau der Kindertagesstätten zu Familienzentren in NRW werde durch diese Ergebnisse „voll unterstrichen”.

Auch die Hilfe der Experten aus Beratungsstellen werde im Ostviertel sehr geschätzt. Es gab aber auch einen deutlichen Negativ-Befund: „Miserable Noten bekam die Arge”, berichtet die Politikwissenschaftlerin. Die Klagen: Ratsuchende würden von Pontius zu Pilatus geschickt, keiner wisse richtig Bescheid, keiner höre richtig zu. Das System der Fallmanager, schließt Barbara Krause daraus, sei offenbar noch nicht befriedigend gelöst. „Die Sachbearbeiter sind wohl oft überlastet.”

In das „Boje”-Projekt, das vom Bund mit immerhin 200000 Euro gefördert wurde, sind die Erkenntnisse eingeflossen, erklärt Elke Ariens vom städtischen Fachbereich Wirtschaftsförderung und europäische Angelegenheiten. Die Befragung habe gezeigt, wie wichtig vertraute Bezugspersonen sind und dass Beratung sehr individuell zugeschnitten sein muss.

Die „Boje”-Bilanz verzeichnet 460 Teilnehmer an Kursen und Beratungsangeboten. „Und jedem einzelnen Teilnehmer haben wir weiterhelfen können”, resümiert Ariens. Allerdings: Als „Boje” so richtig in Gang kam, da war es nach 15 Monaten Laufzeit auch schon so gut wie vorbei.

Das deckt sich mit den Erkenntnis der wissenschaftlichen Begleitung: „Kurzfristige Projekte, die in der politischen Landschaft so beliebt sind, sind nicht wirklich zielführend”, betont auch Krause.

Die Stadt und ihre „Boje”-Kooperationspartner wollen versuchen, Aspekte des Projekts zumindest weiterzuführen und dafür auch vorhandene Strukturen im Viertel nutzen: Kitas, Schulen, Jugendzentren. Große Hoffnung setzt Elke Ariens auch auf das geplante „Haus der Identität und Integration”, das im Rheinnadel-Gebäude am Reichsweg entstehen soll.

Ein neuer Förderantrag, ans Bundesarbeitsministerium, ist schon in der Mache. Mit dem Projekt, verrät Elke Ariens, wolle man versuchen, qualifizierte Zuwanderer passgenau in den Arbeitsmarkt zu integrieren, auch wenn sie nicht das passende Zeugnis haben, das das deutsche Systemverlangt.
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