„Die Halloween-Folgen bei den Simpsons sind super”

Von: Jan Mönch
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Heute Abend leuchten sie auch
Heute Abend leuchten sie auch in Aachen wieder, die Halloween-Kürbisfratzen. Foto: Imago/Niehoff

Aachen. Als Nadja Derichs kürzlich die Prospekte aus ihrer Tageszeitung durchblätterte, staunte sie nicht schlecht. „Fangen die jetzt schon an, Karnevalssachen zu verkaufen?”, dachte die 40-Jährige aus Oberforstbach zuerst. Dann fiel ihr ein, dass Allerheiligen vor der Tür steht - und damit auch Halloween.

Klar, dass Nadja Derichs diesen Tag nicht auf dem Schirm hatte, im Kalender angestrichen hatte sie ihn schon gar nicht. „Als ich Kind war, gab es kein Halloween”, sagt sie. Und von der Übernahme fremder Bräuche hält sie wenig: „Keiner in Deutschland weiß, was das eigentlich soll. Ich finde das amerikanisch und doof.”

Dabei liegen die Wurzeln des Fests weniger weit, als viele vermuten. Einer, der sich mit ihnen auskennt, ist der Bestattungsunternehmer Holger Deussen. Halloween stamme aus Irland, von wo aus Auswanderer den Brauch nach Amerika schleppten - womöglich sei das christliche Hochfest damals bereits vermengt gewesen mit heidnischen Ritualen. Der Name leite sich her vom englischsprachigen „All Hallows Eve”, was so viel bedeutet wie „Vorabend von Allerheiligen”.

Die Kürbisfratze, einst von Abergläubigen vor die Hauseingänge gestellt, um die Seelen der Toten zu vertreiben, legte im Laufe der amerikanischen Geschichte eine steile Karriere als popkulturelles Markenzeichen hin. Verblichene mit Schlafstörung wurden nach und nach abgelöst von Halbwüchsigen in Horrorkostümen, die arglose Amerikaner mit der Parole „Trick or treat” auf die Herausgabe von Süßigkeiten drängten.

Auch dies hat durchaus einen religiösen Hintergrund, weiß Deussen: Die Leiden menschlicher Seelen im Fegefeuer sollten so gelindert werden. Irgendwann, lange nach den Kindertagen von Nadja Derichs, schwappte die amerikanisierte Form des Brauchtums zurück Richtung Europa - und sorgt hier nach wie vor für Irritationen.

Auch Martin Lammers aus Laurensberg kann mit der Angelegenheit wenig anfangen. „Ich verstehe nicht, was für eine Idee dahinterstecken soll, außer einer wirtschaftlichen. Das unterstelle ich einfach mal, ohne es sicher zu wissen”, sagt der 38 Jahre alte Gesamtschullehrer. Ein Gutes habe die Sache dann allerdings doch: „Die Halloween-Folgen bei den Simp­sons sind super.”

Womöglich hat die beliebte amerikanische Fernsehsippe ja auch einen Anteil an der Rückkehr von „All Hallows Eve” auf den Alten Kontinent. Fest steht, dass Lammers ganz so falsch nicht liegt, wenn er in Halloween einen Wirtschaftsfaktor erkennt. Mit der Lupe muss suchen, wer heute im Aachener Partydistrikt eine Party finden will, die nicht mit entsprechendem Motto versehen wurde. Man darf sich also kostümiert betrinken. Und sicher müssen Polizei und Ordnungsamt wieder mehr als ein Mal ausrücken, weil allerorten allerlei Unfug getrieben wird.

Isa Monheim aus Lichtenbusch hingegen hat so etwas bislang nicht beobachtet. Stattdessen hat sie wieder mit „Klömpchen” für den abendlichen (und Jahr für Jahr quicklebendigen) Besuch vorgesorgt. Monheim ist 65 Jahre alt - somit hat Halloween also auch unter Öchern gesetzten Alters seine Freunde? Weit gefehlt: „Das furchtbarste Fest überhaupt”, findet sie. Zumindest den Kleinen will offenbar trotzdem niemand den Spaß verderben.

Immerhin „mittel”

Ungewollt lokalpatriotisch gerät übrigens die Meinung von Nadja Derichs siebenjähriger Tochter Evi. Zwar findet sie das Brauchtum mit dem unübersichtlichen Hintergrund immerhin „mittel”. Doch im gleichen Atemzug stellt sie klar: „Karneval ist viel besser.”
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