Aachen - Die Grüne Partei ist jetzt in Frauenhand

Die Grüne Partei ist jetzt in Frauenhand

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
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Neuer Vorstand mit „altem” Sprecher: Helmut Ludwig (3.v.r.) trat nicht mehr an. Für ihn wurde die 28-jährige Martine Kremer (2.v.r.) zur Sprecherin gewählt. Weiter im Vorstandsamt bleibt Sabine Göddenhenrich (2.v.l.). Von links die Beisitzer Leonid Kostrykin und Jonas Paul sowie Bürgermeisterin Hilde Scheidt, rechts der wiedergewählte Kassierer Ludger Eickholt. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Zwei Frauen führen jetzt die Grüne Partei in Aachen. Auf der Mitgliederversammlung am Dienstag im Suermondt-Ludwig-Museum trat der langjährige Sprecher der Partei, Helmut Ludwig, nicht mehr an. Er wolle sich auf seine Arbeit als Fraktionsgeschäftsführer konzentrieren, hieß es.

In seine Fußstapfen tritt mit einem prächtigen Wahlergebnis die Politikstudentin Martine Kremer. Die 28-jährige stammt aus Ostbelgien, lebt aber seit langem in Aachen. Kremer wurde bei 41 Stimmberechtigten mit 38 Ja-Stimmen bei drei Enthaltungen und einer Gegenstimme in das Sprecheramt der Aachener Ökopartei gewählt.

Sabine Göddenhenrich (52) habe sich kurzzeitig Gedanken darüber gemacht, ob sie nochmals antreten solle, sagte sie in ihrer Vorstellungsrede. Die Antwort fiel positiv aus. Auch Göddenhenrich errang bei 42 abgegebenen Stimmen ein eindeutiges Ergebnis. Für sie votierten 34 mit Ja, es gab drei Enthaltungen und fünf Nein-Stimmen.

Kassierer wiedergewählt

Ein beinahe hundertprozentiges Resultat konnte der Kassierer Ludger Eickholt verbuchen. Er vereinigte bei einer Enthaltung 40 von 41 Stimmen auf sich. Eickholt habe es geschafft, in den vergangenen zwei Jahren die Finanzen auf solide Füße zu stellen und vier umfangreiche und erfolgreiche Wahlkämpfe zu finanzieren.

Bei den zurückliegenden Europa-, Bundestags, Kommunal- und Landtagswahlen haben gerade die Aachener Grünen anständig zugelegt, wie Göddenhenrich nicht ohne Stolz im Rechenschaftsbericht des Vorstandes herausstellte. Und sie hielt besonders für den Parteigeschäftsführer Jochen Luczak ein großes Lob bereit. Er habe es geschafft, als Bundestagskandidat 13,4 Prozent der Erststimmen auf sich zu vereinigen, was bislang niemand geschafft hatte. Der Vorstand wurde im übrigen nach dem Bericht der Revisoren einstimmig entlastet.

Dass die Grünen inzwischen ein verstärktes Augenmerk auf den Nachwuchs richten, wurde auch bei den Beisitzerkandidaturen deutlich. Hier trat Jonas Paul (31) wieder an und schaffte mit 37 Ja-Stimmen ein gutes Ergebnis.

Wesentlich jünger ist der weitere Beisitzer Leonid Kostrykin. Der 1987 in St. Petersburg geborene Jung-Grüne stellte sich als jemand vor, der genau an der Schnittstelle zwischen den Partei-Erfahrenen und den Nachfolgegenerationen arbeiten wolle. Auch er bekam mit 36 Ja-Stimmen deutlichen Rückenwind für seine Arbeit. Die renommierte Grüne Sozialpolitikerin und Bürgermeisterin Hilde Scheidt kandidierte ebenfalls als Beisitzerin, sie erhielt lediglich 31 Ja-Stimmen.

In einem erfrischenden Statement hatte die neue Frau an der Spitze, Martine Kremer, ihre Sicht von den Zielen der künftigen Arbeit in der Ökopartei formuliert, betonte aber vorab, dass es fraglos „Spitze sei”, wenn „zwei Frauen an der Spitze” die Geschicke der Grünen in Aachen führen.

Sie bekannte sich zum bürgerschaftlichen Engagement als einem wesentlichen Element der Grünen Parteiarbeit. Das werde mit steigenden Mitgliederzahlen belohnt. Schließlich sei der Ortsverband Aachen schon bei 326 Mitgliedern angelangt. „Und es werden beinahe täglich mehr”, fügte sie erfreut hinzu. Schön sei es auch, dass trotz aller politischen Schwierigkeiten in der neuen Städteregion die Grüne Partei es geschafft habe, in allen Gremien „mit einer Stimme zu sprechen.”

Schwarz-Grün klappt gut

Göddenhenrich hatte in ihrer Antrittsrede bekannt, besonders das Hamburger Wahlgeschehen habe sie bestärkt, wieder in vorderster Reihe mitzumachen. Schließlich habe man auch in Aachen eine schwarz-grüne Mehrheit und das klappe hier sehr gut. Inhaltlich wolle sie ihre Kraft vor allem darauf verwenden, den Ausbau der erneuerbaren Energie in Gestalt der Windkraft in Aachen voranzutreiben. Allerdings müsse gerade die „soziale Komponente” einer ökologischen Energiepolitik mehr in der Vordergrund rücken.

Blumen als Dank

Helmut Ludwig wurde mit einem Blumenstrauß und herzlichem Dank für seine langjährige Arbeit verabschiedet. Ludwig hatte zuvor die Ergebnisse der von den Grünen und der CDU initiierten Bürgerbefragung, an der sich rund 5000 Bürger mit Sparvorschlägen für den städtischen Haushalt beteiligt haben, vorgestellt. Manches Ergebnis sei verblüffend, manches auch erwartet worden. „Wir wollen damit keinen Bürgerentscheid ersetzen”, warnte Ludwig. Es gehe eigentlich nur um den kurzen Draht zum Bürger, der zur Meinungsbildung der gewählten Vertreter beitrage.
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