Die Goldmenschen sind der Hingucker

Von: Martina Stöhr
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Beim großen Fest auf der gesperrten Jülicher Straße stand alles im Zeichen der Farbe Gold. Sie sollte eine Anspielung sein auf die spirituelle Gemeinschaft und ersehnten Wohlstand. Die 200 Goldmenschen machten sich auch auf in die Innenstadt. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Es war kaum 12 Uhr, da waren die goldenen Anzüge schon alle vergeben. Tanja Peters aus Kohlscheid war einige der wenigen, die zumindest noch eine Goldfolie erhaschte, in die man sich einwickeln konnte. Ein Anzug wäre ihr lieber gewesen, sagt sie. Doch von denen gab es nur zweihundert Stück – in allen Größen.

Für die Menschlichkeit und für die Kunst gingen die Goldmenschen am Sonntag beim Fest an der Jülicher Straße auf die Straße. Die Parade wanderte von der Elisabeth-Kirche in die Innenstadt bis zum Dom und dann wieder zurück. Auf dem Straßenfest mischten sich die goldenen Gestalten später dann mit den anderen Besuchern. Vielen war die goldene Bekleidung nicht genug: Sie trugen gebastelte Hüte oder zogen Karren mit kleinen Kunstwerken hinter sich her. „Ganz schön warm“, meinte Henry Hickmann aus Herzogenrath, als er gemeinsam mit seinen Freunden auf den Beginn der Parade wartete. Die kleine Gruppe fühlte sich offensichtlich ganz wohl in der Verkleidung und fand die ganze Aktion vor allem lustig.

„Wir haben es geschafft, wir sind soweit, das Königreich der Kinder ist endlich bereit“, sang der Kinder- und Jugendchor aus Verlautenheide zu Beginn des Festes. Und diese kleine Hymne galt dem Kinderkönigreich, dass der polnische Künstler Pawel Althamer im Ludwig-Forum ausgerufen hat.

Kinder und Erwachsene gestalten das Haus derzeit nach ihren Vorstellungen. Und so waren viele beim Fest auch dort unterwegs, um gemeinsam mit ihren Kindern Wände zu bemalen.

Bergfest

Draußen vor der Tür auf der Jülicher Straße zwischen Lombardenstraße und Blücherplatz, wo sonst Autos und Lastwagen entlang rauschen, herrschte derweil bereits buntes Treiben. Vor der Bühne luden Liegestühle und die zu Sesseln umfunktionierten Schubkarren des Museums auf Kunstrasen zum Verweilen ein. Und da es bei dem Fest nicht allein um das Kunstprojekt von Althamer ging, sondern auch um das Projekt „Soziale Stadt Aachen-Nord“, gab es jede Menge Informationen zu dem Thema.

In diesem Jahr ist Bergfest des auf zehn Jahre angelegten Sanierungsprogramms. Das Stadtteilzentrum-Depot, die Plätze im Rehmviertel, die Projekte im Quartier Wiesental und der neu gestaltete Lufo-Park sind Beispiele für Erneuerungen innerhalb des Projekts. Die Besucher bekamen Gelegenheit, sich an mehreren Ständen darüber zu informieren.

Der Hingucker des Festes waren aber die goldenen Anzüge. Pawel Althamer hat die Performance bereits 2008 als Nachbarschaftsprojekt ins Leben gerufen und danach in verschiedene Städte gebracht. Sich selber fremd fühlen und die Umgehung so mit neuen Augen sehen: Das war eines der Ziele der Aktion. Die Farbe Gold hatte dabei eine besondere Bedeutung: Sie sollte eine Anspielung sein auf die spirituelle Gemeinschaft und ersehnten Wohlstand.

Gold war so auch die Farbe des Stadtteilfestes: Überall gab es goldene Fahnen, goldene Luftballons und eben auch goldene Menschen. Dass die Anzüge einen solch reißenden Absatz finden würden, damit hatten die Veranstalter nicht gerechnet. Wer das Glück hatte, einen zu erhaschen, machte sich im Anschluss auf den Weg in die Innenstadt. Zum Bedauern vieler blieb der Pulk dabei allerdings nicht zusammen. Während die einen noch an der Ampel warteten, waren die anderen bereits weit vorausgegangen. Beim Fest auf der Jülicher Straße setzten sie aber später goldene Akzente.

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