Aachen - Die ganze Stadt liegt der Kandidatin zu Füßen

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Die ganze Stadt liegt der Kandidatin zu Füßen

Von: Werner Breuer
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Engagiert sich als OB-Kandidatin für die Grünen: Baudezernentin Gisela Nacken. Foto: Harald Krömer

Aachen. Die ganze Stadt liegt Gisela Nacken zu Füßen, wenn sie aus ihrem Bürofenster im siebten Stock des Verwaltungsgebäudes am Marschiertor schaut. Warum nur will sie diese Aussicht eintauschen gegen den Blick aus dem Amtszimmer des Oberbürgermeisters, der vom Rathaus bloß den Dom sieht?

„Da hat man mehr Gestaltungsmöglichkeiten“, sagt die OB-Kandidatin der Grünen. Dabei hatte die Baudezernentin selbst viel Gelegenheit, ihre Spuren in der Stadt zu hinterlassen. Mit „grünem Engagement“ seien viele Dinge umgesetzt worden, „die in meinem Dezernat angesiedelt waren“. Dabei habe sich die Stadt „gut entwickelt“, meint Gisela Nacken. Und der von ihr gewählte Treffpunkt ist da gleich ein schönes Beispiel: Auf dem Vorplatz des Gymnasiums St. Leonhard lässt die studierte Architektin zufrieden ihren Blick schweifen über das neu gestaltete Areal. Die wuchtigen roten Throne fallen ins Auge und natürlich die Barockfassade der Kirche St. Michael, die sich in der Glasfassade der neuen Mensa des Gymnasiums widerspiegelt. „Ein wunderschönes Spiel“, sagt die 56-Jährige. Früher war das mal ein schlichter Parkplatz.

Weil es aber wegen aufziehender Regenwolken an diesem Tag kein guter Treffpunkt ist, führt der Weg auf der Suche nach einer Tasse Kaffee im Trockenen zum Elisengarten, der „richtig schön geworden“ ist. Die Grünanlage ist nach der Umgestaltung ein beliebter Sammelplatz geworden. Der Rasen leidet nicht mehr so sehr darunter, „mit den Pflastersteinen klappt das ganz gut“, meint die Dezernentin.

Natürlich ist allerhand passiert, seit die Grünen vor 30 Jahren in den Stadtrat eingezogen sind. Seit 20 Jahren haben sie in unterschiedlichen Konstellationen mitgemischt, 15 Jahre ist Gisela Nacken nun schon Dezernentin. „Ich bin diejenige, die in der Öffentlichkeit vorne steht“, weiß sie. Deshalb sei es nur folgerichtig, dass das grüne Team in seinem Bestreben, bei der Kommunalwahl „ein gutes Ergebnis zu erzielen und stark im Rat vertreten zu sein“, die prominente Frontfrau plakatiert.

Ganz vorne fliegen aber auch die Tomaten und die Eier. Harsche Kritik, bisweilen auch unter der Gürtellinie, an der Arbeit des Baudezernats ist in gewissen Kreisen seit einiger Zeit in Mode. Das Wortspiel mit den „Nacken-Schlägen“ sowieso, doch die Kandidatin hat ihre Nehmer-Qualitäten trainiert: Auf neun Jahre Fronterfahrung im Düsseldorfer Landtag kann sie verweisen. „Das war die erste rot-grüne Koalition mit der Kampfmaschine Matthiesen, da lernt man die politische Auseinandersetzung.“

Daneben birgt das Baudezernat noch sein ganz eigenes Konfliktpotenzial: „Das Geschäft bedeutet immer Veränderung“, erklärt die Beigeordnete. Und mit Veränderungen habe es der Westzipfler nicht so: „Das Moment von Ruhe und Beharrung ist ein starker Charakterzug der Aachener.“ Rustikaler ausgedrückt: Wer den Öchern Windräder in den Münsterwald pflanzen, ihren Templergraben umbauen oder eine Campusbahn bescheren will, muss mit starkem Gegenwind rechnen.

Hilft aber nix, meint die Kandidatin: „Wir stehen im Wettbewerb mit anderen Städten, da geht es auch um Arbeitsplätze.“ Da müsse auch mit dem „Pfund Hochschule“ noch mehr gewuchert werden. Es gelte, „intelligente Ideen in Produkte umzusetzen“, die dann auch hier hergestellt werden sollten. Paradebeispiel ist da für sie der Streetscooter: Das Elek­troauto wurde im Umfeld der RWTH entwickelt und wird nun in Aachen von Talbot Services gebaut. Die jungen Wissenschaftler aber, die solche Entwicklungen vorantreiben sollten, müssten von der Stadt mit entsprechenden Angeboten angelockt werden, das reiche von Wohnraum über Freizeitmöglichkeiten und Kultur bis hin zu Kita-Plätzen. Deren Ausbau tragen die Grünen ebenso in ihre Erfolgsbilanz ein wie die vierte Gesamtschule.

Solche Bilanzen machen den Wahlkampf für eine langjährige grüne Beigeordnete natürlich etwas schwierig. Die übliche Strategie, dem Amtsinhaber allerlei Fehler und Versäumnisse hinzureiben, führt schnell zu einem Eigentor, wenn man selbst – sowohl als Koalitionspartner wie auch als Teil des Verwaltungsvorstands – allerhand davon mitgestaltet hat. Die grüne Spitzenkandidatin und der christdemokratische Oberbürgermeister müssen das anders organisieren.

„Wir machen nicht Wahlkampf gegeneinander“, sagt die Heinsbergerin, „sondern jeder macht klar, wofür er originär stehen würde.“ Philipps Schwerpunkte hat sie „eher bei der Wirtschaftsförderung“ ausgemacht, sie selbst möchte mehr Akzente bei den Themen Klimaschutz, Energiewende oder auch Mobilität setzen. Letztere könne nicht mehr „nur vom Auto aus“ gedacht werden. Viele Aachener wollen aber immer noch bis zur Ladentheke vorfahren, das habe vielleicht mit Ruhe und Beharrung zu tun. Die Stadt, die ihr zu Füßen liegt, macht es Gisela Nacken nicht immer einfach.

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