Die Familie steht für Leo Führen an erster Stelle

Von: Holger Richter
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Wird 90: Leo Führen zeigt seinen allerersten Alemannia-Mitgliedsausweis aus dem Jahr 1935. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. „Was nicht immer besser wird, hört auf gut zu sein.” Diesen Satz hat der Unternehmer Leo Führen vor Jahren von einem seiner Kunden gehört. Dieser Satz sollte so etwas wie sein Lebensmotto werden.

Nach diesem Satz hat er stets gehandelt - in seinem Beruf als Tuchfabrikant, in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Tuchmacher in der Region Aachen-Düren-Euskirchen und natürlich als Präsident von Alemannia Aachen. Am Sonntag wird Leo Führen 90 Jahre alt.

Gefeiert wird - „Na, wo schon?”, fragt das Geburtstagskind rhetorisch - auf dem Tivoli. Rund 220 Gäste kommen zum großen Empfang für den an Körpergröße kleinen Mann, der von 1966 bis 1972 der Alemannia vorstand und heute ihr Ehrenpräsident ist. Gäste aus allen Bereichen haben zugesagt: alte Geschäftsfreunde aus der Tuchindustrie, Freunde aus dem Sport, jede Menge Alemannen, die Aufstiegsmannschaft von 1967, die Vizemeistermannschaft von 1969, das aktuelle Präsidium, auch Coach René van Eck hat sein Kommen angekündigt. „Der neue Trainer ist in Ordnung”, sagt Leo Führen, der schon so viele Trainer am alten und neuen Tivoli erlebt hat. Und die Familie darf natürlich auch nicht fehlen.

Denn die kommt für den gebürtigen Öcher noch vor Firma und Verein an erster Stelle. „Sie ist das Wichtigste im Leben”, sagt Leo Führen. Da sind seine Gattin Erika, mit der er im kommenden Jahr 65 Jahre verheiratet ist, seine beiden Kindern Elke und „Leo VII.”, wie er seinen Sohn scherzhaft nennt, sowie seine vier Enkelkinder, von denen er ohne Ausnahme schwärmt. Für Leo Führen besitzt die große Bedeutung der Familie Allgemeingültigkeit. Fast ebenso wie der Satz: „Was nicht immer besser wird, hört auf gut zu sein.” Denn so hat er auch seine Firma stets weiterentwickelt.

Schon sein Vater war Tuchfabrikant, er gründete seine Firma am 1. Dezember 1911. Doch das Fabrikgebäude in der Stephanstraße brannte im Krieg aus. Also baute Filius Leo nach dem Krieg eine neue Fabrik an der Vaalser Straße. Zu den Hochzeiten der Tuchindustrie in den 1970er-Jahren war er Chef von bis zu 240 Mitarbeitern. 1998 war Schluss. Führen musste große Teile des Fabrikgeländes verkaufen, um die Gläubiger auszuzahlen. Als Regionalvorsitzender der Tuchmacher sprach er in den 60er und 70er Jahren für 100 Unternehmen. Die Tuchfabrik Becker stellte als letzte in Aachen vor drei Wochen am 30. September ihren Betrieb ein. Mitgenommen aus dieser Zeit hat er vieles, was auch der Alemannia zugute kam - etwa sein Lebensmotto „Was nicht immer besser wird, hört auf gut zu sein”. So übernahm er 1966 den Klub, dem er als inzwischen ältester Alemanne seit 1935 angehört, um „ein Unrecht wiedergutzumachen”.

Noch heute wundert sich Führen, dass die Alemannia 1963 nicht in die neu gegründete Bundesliga aufgenommen worden war. Also ging er seine Präsidentschaft mit dem festen Vorsatz an, die Alemannia in die Bundesliga zu führen. Und das schaffte er auch - und zwar mit einer ganz besonderen Erfolgsrezept: „Die Frauen haben vorbildlich mitgemacht”, erinnert er sich noch heute an die riesengroße Kameradschaft der Spieler, die auch durch private Kontakte bestärkt wurde. Doch für den ehemaligen Rechtsaußen gab es noch eine bessere Mannschaft in Schwarz-Gelb als das Aufstiegsteam von 1968, nämlich die Vizemeisterelf ein Jahr später. Denn die hatte Führen selbst verbessert - mit viel Kleingeld und noch mehr persönlichem Einsatz. So lotste er den belgischen Stürmer Roger Claessen nach Aachen und bewahrte ihn dann vor einem Schicksal in der Fremdenlegion, wohin sich der Frauenschwarm nach einer unglücklichen Liebe verpflichtet hatte.

Und heute? Trotz des Abstiegs in die dritte Liga glaubt Führen nach wie vor ganz fest an seinen Klub. „Die Alemannia darf nicht untergehen.” Das singen nicht nur die drei Atömchen, das sagt auch Leo Führen sogar noch häufiger als sein legendäres „Hipp Hipp Hurra” am Ende von Vereinsversammlungen. Und auch für die finanziellen Probleme kennt er eine Lösung: „Unser Präsident Meino Heyen ist ein Gottesgeschenk für den Verein. Er darf nicht aufhören. Mit ihm meistern wir alle Probleme”, ist Heyens Vor-Vor-Vor-Vorgänger überzeugt.

Er wird ihm diesbezüglich auf seiner Geburtstagsfeier am Sonntag ins Gewissen reden, kündigt Führen an. Denn: „Was nicht immer besser wird, hört auf gut zu sein.”

Täglich 300 Meter im eigenen Schwimmbad

Auch im hohen Alter ist Leo Führen topfit. Sein Gesundheitsrezept lautet: Sport. Noch heute schwimmt er mehrmals die Woche 300 Meter am Stück im eigenen Schwimmbad. Außerdem hat er in diesem Jahr bereits zum 49. Mal das Deutsche Sportabzeichen in Gold gemacht.

Außerdem pflegt er einen gesunden Lebenswandel. „Schon meinem ersten Seniorentrainer habe ich gesagt”, erinnert er sich an seine aktive Zeit als Rechtsaußen ab 1939: „Erstens: Vor dem Spiel ein Bierchen ist in Ordnung. Zweitens: Ein Mädchen im Arm halten ist auch in Ordnung. Drittens: Rauchen ist nicht in Ordnung.” In seinem Leben sei er nicht mal auf 20 Zigaretten gekommen.
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