Aachen - Die Einwohnerzahl der Stadt gibt auch Fachleuten Rätsel auf

Die Einwohnerzahl der Stadt gibt auch Fachleuten Rätsel auf

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Die Aachener bleiben für Statistiker ein Mysterium. Das gilt erst recht seit dem Zensus 2011. Die Erhebung, die eigentlich Klarheit über die Einwohnerzahlen bringen sollte, hat die Verwirrung nur vergrößert.

Für Aachen existieren seitdem drei offizielle Einwohnerzahlen, die mehr oder weniger deutlich voneinander abweichen. Für Planer ist das ein Horror, und für die Stadt könnten die Folgen durchaus schwerwiegend sein.

Während das eigene Melderegister der Stadt zum Stichtag 31.12.2012 exakt 245.412 Hauptwohnsitzler verzeichnete, kommt das Land mit ihren fortgeschriebenen Zahlen auf Basis der Volkszählung 1987 auf 261 762 Aachener, auf Basis des Zensus 2011 gibt es hingegen lediglich 240.086 Einwohner mit Hauptwohnsitz in Aachen. Dass das Innenministerium für seine Berechnung der Schlüsselzuweisungen jüngst noch eine vierte Zahl in Umlauf gebracht hat, macht die Verwirrung komplett: Demnach habe Aachen zum Stichtag Ende letzten Jahres 253.068 Einwohner gehabt.

Letztere Zahl ist allerdings lediglich eine rechnerische Größe, erklärt Vera Clement, Pressesprecherin im NRW-Innenministerium. Es ist eine Durchschnittszahl, errechnet über einen Zeitraum von drei Jahren. Günstig für Aachen: Weil sie noch so hoch ist, sind auch die Landeszuweisungen noch relativ hoch. Tendenziell aber sei ein Absinken des Wertes in den nächsten Jahren zu erwarten, denn dann werden die Ergebnisse des Zensus 2011 stärkeres Gewicht haben. Im Jahr 2016 hätte Aachen dann laut Mittelwert nur noch 242.029 Einwohner, haben die städtischen Statistiker errechnet.

Spätestens dann dürfte sich der Zensus sehr negativ auswirken, weil auch die Landeszuweisungen geringer ausfallen. Aber auch der Rat würde von 66 auf 58 Mitglieder schrumpfen und Spitzenbeamte würden in eine niedrigere Besoldungsgruppe rutschen.

„Bisher nicht verstanden“

Wie die großen Differenzen zustande kommen und warum der Stadt durch den Zensus so viele Menschen abhanden gekommen sind, bleibt selbst für Fachleute ein Rätsel. „Wir haben das bisher nicht verstanden“, sagt der städtische Pressesprecher Hans Poth. Die Zahlen des Zensus 2011 seien weder für die städtische Chefstatistikerin Yvonne Debald noch für den Oberbürgermeister nachvollziehbar. Man beabsichtige daher, einen Vertreter des Innenministeriums einzuladen und sich die Sachlage erläutern zu lassen.

Offen ist nach wie vor, ob die Stadt gegen die Zensuszahlen klagen wird. „Wir sind noch in der Meinungsfindung“, sagt Poth. Kontakt bestehe auch zu anderen Städten, die ebenfalls hohe Einwohnerverluste akzeptieren sollen, zugleich aber große Zweifel an der Qualität der Erhebung haben.

Diese Kritiker der Volkszählung konnten sich jüngst durch einen Bericht des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ bestätigt fühlen, wonach beim Zensus gravierende Fehler und große Ungenauigkeiten in Kauf genommen worden sein sollen. Vor allem um Kosten zu sparen und möglichst wenig Widerstand in der Bevölkerung hervorzurufen, habe der Staat auf hohe Qualitätsvorgaben verzichtet, heißt es darin. Zulasten der Zuverlässigkeit habe man es bei möglichst kleinen Stichproben belassen. So seien Einwohnerzahlen vielfach nur aufgrund von Hochrechnungen geschätzt worden.

Staatsrechtler halten Klagen der Gemeinden gegen den Zensus 2011 daher laut „Spiegel“ für aussichtsreich. Sie bemängeln zugleich die Intransparenz der Erhebung und sehen darin einen Verstoß gegen die kommunale Selbstverwaltung. Schließlich müssten amtliche Einwohnerzahlen nachvollziehbar sein.

Die Stadt Aachen hat daraus einen klaren Schluss gezogen: In ihrer Planung orientiert sie sich nicht am Zensus 2011, sondern am Melderegister. Demnach muss sie sich um das Wohl von 246 977 Aachenern mit Haupt- und Nebenwohnsitz bemühen.

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