Aachen - Die Diözesanbibliothek hat mal ganz klein angefangen

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Die Diözesanbibliothek hat mal ganz klein angefangen

Von: Georg Dünnwald
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Vor 75 Jahren entstand die Bü
Vor 75 Jahren entstand die Bücherei des neu gegründeten Aachener Priesterseminars in der Mozartstraße. Heute umfasst sie 250 000 Bände aus Theologie, Philosophie, Geschichte, Literatur oder auch christlicher Kunst. Foto: Harald Krömer

Aachen. Sie hat mal ganz klein angefangen, nach 75 Jahren hat sie sich zur großen Fach-Bibliothek gemausert. Rund 250.000 Bände warten auf den wissbegierigen Leser in der Diözesanbibliothek, 160.000 Werke davon sind bereits elektronisch erfasst. Das älteste Buch stammt aus dem Jahr 1310 und stellt eine Kostbarkeit dar.

Das besondere an der bischöflichen Bücherei: Sie ist die wohl einzige ökumenische in ganz Deutschland. Denn der evangelische Kirchenkreis Aachen hat seine Synodalbibliothek vor 30 Jahren inte­griert, ein Vorzeigeprojekt also. Durch das Buch kommen sich Protestanten und Katholiken näher, zumindest die Studenten der Theologie und der Philosophie. Und bisher hat auch der Vatikan wegen der Zusammenarbeit nicht gemosert.

Als im Oktober 1936 das gerade neu gebaute Priesterseminar an der heutigen Mozartstraße eingeweiht wurde, war im linken Flügel der Ausbildungsstätte für katholische Kapläne und Pfarrer die Seminarbücherei untergebracht. Nachlässe von Priestern und Geschenke gläubiger Katholiken aus dem noch sehr jungen Bistum - es war damals gerade mal sechs Jahre alt - ließ die Bücherreihen wachsen. Bereits zwei Jahre später wurde die Seminarbibliothek in „Bischöfliche Diözesanbibliothek” umbenannt.

Mitten im Krieg musste dann der Bestand wegen der Bombardierung Aachens durch die alliierten Truppen in den Dom ausgelagert werden. Mittlerweile war die Zahl der Bände bereits auf 30.000 Exemplare angewachsen. Denn die Räume an der Mozartstraße wurden auf Befehl in ein Lazarett mit Operationssälen umgewandelt. Dann war der Krieg aus. Deutschland hatte bedingungslos seine Kapitulation erklärt, die Amerikaner hatten im Oktober 1944 die alte Kaiserstadt erobert und versuchten jetzt, die hungernde Bevölkerung zu entnazifizieren, da fasste der Buchhändler Johann Josef Goblet den Entschluss, die Bücher wieder per Pferdefuhrwerk an ihre alte Stelle zurück zu expedieren.

Ein mühsames Unterfangen, das theologische Wissen, mit dem sich Heerscharen von Theologen die nötige Grundlage beibrachten, durch die zerstörte Innenstadt zu karren. Über Straßen, die mit Trümmern übersät waren, musste Goblet mit seinem Fuhrwerk rappeln, ein Pferd die ganze Last ziehen.

Jahre des Aufbaus folgten, den Deutschen gings langsam besser und dann wieder gut. In der Zeit des Wirtschaftswunders sprudelten auch wieder die Einnahmen des Bischofs durch die Kirchensteuer, der Bücherbestand wurde ausgeweitet, die Nutzerräume modernisiert. Aber: In den Nuller-Jahren des neuen Jahrtausends musste der erst 1930 gegründete episkopale Sprengel heftig sparen. Also wurde ein neues Konzept erarbeitet.

Ein Umzug mit 10.000 Exemplaren erfolgte in die Eupener Straße, die Diözesanbibliothek bildet heute mit der Fachstelle für Büchereiarbeit im Katechetischen Instituts einen von drei Fachbereichen. Diözesanbibliothek und die Religionspädagogische Medienstelle sind nun eng miteinander verbunden. Ein gemeinsamer Online-Katalog, zentrale Verbuchung und eine einheitliche Nutzungsordnung helfen Kosten zu sparen und bieten einen besseren Überblick. Die meisten Bände jedoch blieben in der Mozartstraße.
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